Noch vor einem Jahr beschwor Gründer Martin Bisang die alten Zeiten und erinnerte an die Glanztage der Bank. Anlässlich der 25-Jahr-Feier war das, und alle Ehemaligen waren eingeladen. Für neuen Schub hat die Motivationsrede nicht gereicht – heute, ein Jahr später, verkauft die Bellevue Group mit der Bank am Bellevue ihr ­Herzstück und schrumpft zu einem ­simplen Asset Manager.

Es ist das bislang letzte Kapitel eines steten Niedergangs. Weit weg die Zeiten der frühen neunziger Jahre, als eine Gruppe ehrgeiziger Jungbanker um Bisang zum Sturm auf den Markt blies. Vor allem im Brokerage und speziell im Geschäft mit Block­deals mauserte sich die junge Truppe bald zu einem der Taktgeber im heimischen Markt, ja wurde gar zum Mythos: stets ein wenig näher dran an den Ereignissen bei den Schweizer Firmen, stets ein wenig besser informiert, stets mit Gespür.

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Für die Kunden – institutionelle Investoren ebenso wie reiche Privatkunden – bedeutete das, immer wieder an exzellenten Deals teilzuhaben, für die Bank bedeutete es saftige Gewinne: 80 Millionen Franken im Jahr konnte Bisangs Bankboutique in ihren besten Zeiten verbuchen. Die Mitgründer Hans-Jörg Graf, Daniel Schlatter, Jürg Schäppi und Dieter Albrecht, zum Teil Freunde aus Studientagen, wurden alle zu reichen Männern. Sie waren allerdings selber massgeblich am Erfolg beteiligt, etwa Dieter Albrecht, der im Brokerage das ganz grosse Rad drehte.

Martin Bisang, CEO Bellevue Group, informiert die Medien am Montag, 28. Februar 2011, in Zuerich. Nach dem Verlust von 91,5 Millionen Franken im Vorjahr hat die Gruppe 2010 einen leichten Gewinn von 1,5 Millionen Franken erzielt. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella)

 Bellevue-Grossaktionär Martin Bisang.

Quelle: Keystone

Der Anfang vom Ende

Doch dann flog man zu nahe an der Sonne: Die undurchsichtige Rolle der Bank bei der Bündelung von Aktienpaketen im Rahmen der Übernahme von Sia Abrasives rief die Finanzmarktaufsicht auf den Plan. Es war der Anfang vom Ende: Nach und nach zogen sich die Gründer zurück, Albrecht verliess die Bank 2011, Bisang zog sich 2012 aus allen operativen Aufgaben zurück. Er ist heute als Privat­investor tätig und kümmert sich um die drei Kinder, die er zusammen mit Mirjam Staub-Bisang, seit 2018 Schweiz-Chefin von BlackRock, hat. Grösster Aktionär ist er mit 20,4 Prozent geblieben.

Mit dem Abtreten der Gründer schwand der Mythos schnell. Die Abkehr vom Brokerage-Geschäft und der Aufbruch ins Wealth Management brachten wenig, weil sich die Bank hier nicht von anderen Anlageberatern unterscheiden konnte. Die neu ausgerichtete Bank wurde nie richtig profitabel. Ertrags­pfeiler ist heute das nach 2007 stetig ausgebaute Asset Management, neu ergänzt um das Privatmarktgeschäft. Der zum Halbjahr ausgewiesene Konzern­gewinn ist mit 14 Millionen allerdings weit weg von den früheren Glanztagen.

Juerg Zeltner

Der neue Bank-Besitzer: Jürg Zeltner.

Quelle: Laif

Was im Grunde der Wert der Bank am Bellevue ist, hat die luxem­burgische ­Privatbankengruppe KBL ­unter Ex-UBS-Banker Jürg Zeltner gut erkannt: eine Bank­lizenz. Die auf 22 ­Mitarbeiter geschrumpfte Crew soll zwar übernommen werden, nicht aber der Name, wie aus dem ­Umkreis der Bank ver­lautet. So kann KBL die Bank ohne die Lasten der Vergangenheit als Plattform für den Aufbau einer eigenen Einheit in der Schweiz nutzen.

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