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Beliebteste Arbeitgeber: Studenten würden Ospel wählen

Pflegt den Ruf als Arbeitgeber: UBS-Chef Marcel Ospel.

Im Kampf um Talente haben UBS und ABB in der Schweiz die besten Karten, wie eine Universum-Studie zeigt.

Von Oliver Klaffke
09.05.2006

Bei den Wirtschaftsstudierenden in der Schweiz führen UBS, Credit Suisse und Nestlé die Liste der bevorzugten Arbeitgeber an. Bei den Studierenden der Ingenieur- und Naturwissenschaften sind es ABB, Nestlé und IBM. Das ist das Ergebnis der diesjährigen Umfrage des Beratungsunternehmens Universum bei knapp 3500 Hochschulabsolventen. «Für die Unternehmen ist diese Platzierung von Bedeutung, denn sie ist ein Indikator für ihr Image bei den Talenten von morgen», sagt Niclas Jernberg von Universum. Das kann für die Unternehmen überlebenswichtig sein, denn der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften ist in Zukunft das grösste Hindernis für Wachstum, wie etwa eine Studie von Deloitte zur Entwicklung des globalen Talentmarkts belegt.

«Die demografische Entwicklung weist eine klare Abnahme von jungen Menschen aus», sagt der Zürcher Human-Resources-Strategieberater Andreas Meirich. Unternehmen, die nicht Employer of Choice sind, haben schon heute ein Problem, weil sie oft nicht in der Lage sind, vakante Stellen adäquat neu zu besetzen. Und künftig wird ihr Problem noch grösser. Wie drastisch die Entwicklung ist, zeigen Daten aus den USA. Dort werden innerhalb der nächsten fünf Jahre 40 Prozent der Manager in der Automobilbranche pensioniert, und woher der Nachwuchs kommen soll, ist unklar. Von den Universitäten gehen 90 Prozent weniger Absolventen ab, als es brauchte, um die Lücken zu füllen. Schon heute zwingt der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften die Firmen zu reagieren: Da in Deutschland heute ein Drittel weniger Ingenieure ausgebildet werden als noch 1995 und in China zehnmal so viele, verlagerte Siemens die Entwicklung neuer Handys nach Peking. Das US Department of Education schätzt, dass 60 Prozent der Jobs der Zukunft Qualifikationen erfordern, die nur 20 Prozent der Arbeitnehmer erfüllen.

«Unternehmen müssen versuchen, Employer of Choice zu werden, um den Kampf um die besten Arbeitskräfte zu gewinnen», sagt Meirich. Die Verfügbarkeit von qualifizierten Fach- und Führungskräften wird der Faktor sein, der über den wirtschaftlichen Erfolg entscheidet. Ein Teil der Lösung des Problems heisst «Employer Branding». Nachdem Unternehmen versucht haben, starke Marken aufzubauen, um ihre Produkte besser absetzen zu können, versuchen nun einige Vorreiter selber ein Markenimage als Arbeitgeber aufzubauen.

Das kann mitentscheidend für die Wahl als künftiger Arbeitgeber sein. Doch das Image ist nicht alles – eine wichtige Rolle spielt auch das Verhalten des Unternehmens im täglichen Geschäft. Bei den Studierenden sind für die Unterschrift unter dem Anstellungsvertrag immer weniger materielle Dinge, wie etwa das Salär, ausschlaggebend. Wichtiger sind oft weiche Faktoren, wie aus der Universum-Studie hervorgeht. Wer als Arbeitgeber den Zuschlag erhält, entscheidet letztlich die Reputation, zu der neben Aspekten wie den Karriereaussichten auch das ethische, moralische und ökologische Verhalten der Firma gehört.

«Firmen müssen das Ziel, Employer of Choice zu werden, systematisch und strategisch angehen», sagt der HR-Fachmann Meirich, der Unternehmen in dieser Frage berät. Dabei ist es entscheidend, diese wichtige Aufgabe nicht einfach der Personalabteilung zu überlassen, die es etwa im Rahmen des Hochschulmarketings abhandelt. Stattdessen müsse sich die Konzern- oder Geschäftsleitung mit der Herausforderung, Employer of Choice zu werden, auseinander setzen und sie als Investitionsprojekt vorantreiben. Dass ein solches Projekt mit grosszügigen finanziellen und personellen Ressourcen ausgestattet werden müsse, versteht sich von selbst. «Bei den Talenten von morgen als bevorzugter Arbeitgeber zu gelten, muss ein Ziel für das ganze Unternehmen sein», sagt Meirich. «Das ist eine Sache, welche die ganze Firma angeht.» Deshalb empfiehlt er, ein Employer-of-Choice-Projekt zur Chefsache zu machen, um es besser durchsetzen zu können.

Das Ranking der UBS, die in den Universum-Ranglisten seit Jahren einen Platz unter den ersten drei belegt, gibt der Idee der Markenpflege mittels guten Rufs als Arbeitgeber Recht: Die Bank von Marcel Ospel hat als eines der ersten Unternehmen in der Schweiz das Thema Employer Branding schon vor Jahren auf ihre Agenda gesetzt.

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