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SBB Cargo 
Beim Güterverkehr hat sich Bahnchef Meyer bös verrechnet

SBB-Chef Andreas Meyer
SBB-Chef Andreas Meyer schaffte es, 80 Prozent seiner 2010 gesteckten Ziele umzusetzen. Nur bei der Cargo-Tochter scheiterte er deutlich an den eigenen Vorgaben.Quelle: Keystone

SBB Cargo geht es so schlecht wie nie. Dabei hatte Bahnchef Andreas Meyer gerade erst die Erholung des Sorgenkinds vorausgesagt.

Philipp Albrecht
Von Philipp Albrecht
03.05.2018

Chef einer Staatsbahn zu sein, ist ein undankbarer Job. Die Kunden erwarten nichts Geringeres als einen reibungslosen Betrieb. Nur schon kleinste Störungen nähren die Wut auf den obersten Verantwortlichen. Andreas Meyer lässt sich das schon seit elf Jahren gefallen. Unlängst kündigte er an, sogar noch ein paar weitere Jahre dranhängen zu wollen.

Einfacher wird es für ihn aber nicht, wie neueste Entwicklungen bei der Güterverkehrstochter SBB Cargo zeigen. Der Konzern warnt inzwischen vor einem Konkurs, wie ein internes Papier zeigt, aus dem die «NZZ am Sonntag» zitierte.

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Benötigt werde ein Kapitaleinschuss von 100 Millionen. Letztes Jahr betrug der Verlust 37 Millionen, und im März kündigten die SBB eine Abschreibung über 189 Millionen an. 800 Stellen werden in den nächsten fünf Jahren verschwinden.

Völlig verkalkuliert

Ein Blick zurück zeigt, dass sich Meyer mit Cargo völlig verkalkuliert hat. Als ihn BILANZ vor zwei Jahren porträtierte, stellte er gute Zeiten für die Tochter in Aussicht: «Wir waren schon in den schwarzen Zahlen und kommen wieder dahin», sagte er damals. Doch nur gerade 2013, 2014 und 2016 schaffte man es in den positiven Bereich. Sonst schrieb Cargo rot.

Andreas Meyer
Andreas Meyer vor zwei Jahren im Gespräch mit BILANZ.
Quelle: Anne Gabriel-Juergens

Hintergrund von Meyers optimistischer Prognose von damals: Er wollte zeigen, dass er die beim letzten BILANZ-Porträt selbst definierten grössten Baustellen abgebaut hatte. Gemeint waren die Positionierung im internationalen Personenverkehr, die Folgekosten der Infrastrukturinvestitionen, die Sanierung der Pensionskasse, die Neuaushandlung der Gesamtarbeitsverträge und eben SBB Cargo.

80 Prozent Trefferquote

Man muss Meyer zugutehalten, dass seine Trefferquote der Problembeseitigung bei 80 Prozent liegt. Nur eben schwarze Zahlen sind bei Cargo langfristig keine in Sicht. Dessen ist sich auch der Chef inzwischen bewusst. Er war es denn auch, der dem Bundesrat vorgeschlagen hat, privaten Investoren die Tür zu öffnen. Eine Idee, die auch in der ständerätlichen Verkehrskommission gut ankam.

Der Bundesrat sieht aber erst mal in der Führung Handlungsbedarf: Verkehrsministerin Doris Leuthard stellte im Herbst in Aussicht, Meyer das Amt des VR-Präsidenten bei Cargo zu entziehen. Ein Externer soll das Gremium leiten, das bislang nur von SBB-Kaderleuten besetzt war.