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Telekommunikation 
Bei Salt brodelt es - doch die Chefs sind abgetaucht

Salt: Abgänge in der Geschäftsleitung, weiterer Stellenabbau. Keystone

Abgänge im Kader, schlechte Stimmung, Kundenverlust: Beim Mobilfunkanbieter Salt brodelt es. 
Und die Unternehmensführung ist abgetaucht.

Von Marc Kowalsky
01.11.2016

Salt-Chef Andreas Schönenberger ist abgetaucht. Man sieht ihn nicht an den Branchentreffs, er gibt keine Interviews, Anfragen für Konferenzen bleiben unbeantwortet. «Auf dem Markt spürt und sieht man ihn nicht», sagt Jörg Halter von der Telekombe­ratung Ocha. (Auch auf «Bilanz»-Anfragen reagierte er nicht.)

Dabei wäre Schönenberger jetzt an allen Ecken und Enden ge­fordert. Denn beim drittgrössten Schweizer Mobilfunkanbieter ­brodelt es. Madjid Osmani, Geschäftsleitungsmitglied und Kundendienstchef, hat nach nur einem Jahr gekündigt. Ihm wurde sein wichtigstes Werkzeug gestrichen, die Kulanz-Gutschriften. Vor allem aber soll er sich am rauen Klima gestört haben, das der französische Salt-Alleineigentümer Xavier Niel und seine Vasallen Olivier Rozenfeld und ­Michael Golan schaffen. «Die haben keine Hemmungen im Umgangston und ­behandeln Untergebene wie Sklaven», hört man aus dem Hauptquartier in Renens VD. Aus dem gleichen Grund hatte bereits Ex-CEO Johan Andsjö Salt letztes Jahr verlassen.

«Redundanzen von rund 20 Personen»

Auch Geschäftsleitungsmitglied Britta Reinhardt geht. Ihre B2B-Sparte wird aufgelöst. Salt ist mit einem Marktanteil von 10 Prozent auf Augenhöhe mit Sunrise (Swiss­com dominiert den Markt mit 80 Prozent), jetzt sollen die Geschäftskunden von der B2C-Abteilung unter Claudia Bernath mitbetreut werden. Die Zusammenlegung «impliziert unglücklicherweise Redundanzen von rund 20 Personen», wie Schönenberger in einer internen Mail schreibt. Danach werden noch 750 Angestellte bei Salt arbeiten – rund 200 weniger als vor drei Jahren, obwohl seither viele Funktionen wie IT oder Netzbetrieb ­ingesourct wurden.

Trotz des Stellenabbaus ist die Salt-Führung auch für die Gewerkschaften nicht erreichbar. «Wir sind besorgt über dieses Verhalten, das entspricht nicht den Gepflogenheiten», sagt Giorgio Pardini von Syndicom. Die Stimmung im Konzern ist miserabel. «Es gilt: Rette sich, wer kann», hört man. Auf dem Markt hat Salt in den letzten zwölf Monaten elf Prozent der Kunden verloren. Zuletzt telefonierten nur noch 1,9 Millionen Schweizer mit der früheren Orange.

Kosten werden gekürzt

Damit Salt trotzdem Gewinne schreibt und Xavier Niel sein Investment refinanzieren kann, kürzt Schönenberger massiv die Kosten: die Investitionen in den Netzausbau letztes Jahr etwa um 30 Millionen oder fast die Hälfte. Sogar Verlustscheine aus Betreibungen, die mehr als 15 Jahre zurückliegen, werden reaktiviert – bei den Betroffenen «sicher nicht imagefördernd», wie ein Konkurrent süffisant anmerkt. Auch das Honorar für einen VR-Präsidenten spart man sich.

Niel liess monatelang nach einer Schweizer Respektsperson für diesen Job suchen. Als der eigentlich auserkorene Geberit-Lenker Albert Baehny kurz vor Verkündung im Dezember aus privaten Gründen einen Rückzieher machte, installierte sich Niel selbst auf dem Präsidentensessel. Die Öffentlichkeit erfuhr davon nichts. Bis heute bleibt Niel in der Schweiz ein Phantom.

 

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