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Üppig 
Bei Gategroup wurde viel verdient für wenig Leistung

Beglückte sich und sein Management in den letzten jahren üppig: Andreas Schmid. Keystone

Beim Flugzeugcaterer Gategroup schwindet die Ertragskraft, der Marktführer verliert sogar Marktanteile. Das Management wurde dennoch fürstlich entlohnt – auch im Vergleich zur florierenden Konkurrenz.

Von Harry Büsser
19.04.2016

Wegen schlechten Managements seien schon einige Schweizer Firmen ins Ausland verkauft worden, klagte der Kleinaktionär an der Generalversammlung – «jetzt also auch Gategroup». Doch Andreas Schmid, seit 2009 VR-Präsident des Flugzeugverpflegers, liess sich nicht aus der Reserve locken. Es sei «ein guter Preis», den die Chinesen von HNA zahlten, antwortete er kühl. Sie bieten 53 Franken pro Aktie in bar.

Anderer Meinung sind nicht nur die grössten Einzelaktionäre von Gategroup rund um Fondsmanager Rudolf Bohli, der bereits seit eineinhalb Jahren mit Schmid im Clinch über die Zukunft des Milliardenkonzerns mit fast 30'000 Angestellten ist. Auch die englische «Financial Times», die in ihrer Lex-Kolumne den Aktionären rät, einen höheren Preis zu verlangen.

Sinkende Ertragskraft

Nicht wenige glauben, dass Schmid genug von der Kritik an seiner Leistung hatte, aber es partout vermeiden wollte, von den ­Aktionären aus dem Amt gedrängt zu werden. Der Verkauf sei sinnvoll, rechtfertigt sich Schmid, dadurch könne Gategroup in Asien schneller wachsen.

Mag sein, aber sicher ist, dass sich die Ertragskraft der Gate­group verschlechterte, seit Schmid vor sieben Jahren das Präsidium übernahm. Noch 2008 erzielte die Firma einen Gewinn von 93 Millionen Franken, bei einem Umsatz von 2,9 Milliarden. Während der Umsatz in den Folgejahren stabil blieb, halbierte sich der Gewinn schon im Jahr 2009.

Üppige Entlohnung

Über die letzten fünf Jahre ­akkumulierte sich gar ein Verlust von rund zehn Millionen Franken. Dennoch liess sich das Management üppig entlöhnen: Der Gate­group-CEO verdiente kumuliert 14,3 Millionen und das gesamte oberste Management 55,7 Millionen Franken. Schmid liess sich zwei Millionen Franken überweisen – für 20 bis 30 Sitzungen à vier Stunden pro Jahr.

Die Konkurrenz ist sparsamer: Die österreichische Do & Co erzielte im gleichen Zeitraum kumuliert 130 Millionen Franken Gewinn. Gleichzeitig verdiente das Management jedoch «nur» 12,9 Millionen und der CEO 4,8 Millionen Franken. Das müsste Schmid zu denken geben, der im Compensation Committee Einsitz nahm, bis er dort im vergangenen Jahr auf Druck der grössten Einzelaktionäre ausschied.

Selbst die Firma Geberit, im Leitaktien­index SMI vertreten, ­bezahlt ihre Chefs nicht so gut wie Gate­group. Der Geberit-CEO verdiente über die letzten fünf Jahre zwar 11,6 Millionen Franken und das gesamte oberste Management 34,1 Millionen, doch der Gewinn betrug gleichzeitig mehr als 2,1 Milliarden Franken.

 

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