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Bei ABB ändert sich nichts und doch soll viel passieren

Ulrich Spiesshofer: Der CEO sieht Synergiepotenzial.  Keystone

Das Machtspiel zwischen ABB-Aktionär Cevian und dem Management geht zugunsten des letzteren aus: Die Stromnetzsparte bleibt Teil des Industriekonzerns. Dafür verkündet ABB neue Sparziele und Partner.

Veröffentlicht 04.10.2016

Der Industriekonzern ABB hält an seiner Netzwerktechnik-Sparte fest und stellt sich damit gegen die Forderung von Grossaktionär Cevian. Die Investoren sollen stattdessen mit Kosteneinsparungen, Partnerschaften und einem Aktienrückkaufprogramm überzeugt werden.

ABB hat entschieden: Die Netzwerktechnik-Sparte bleibt Teil des Konzerns. «Die anhaltende Transformation unserer Power-Grids-Division unter dem ABB-Management ist die beste aller sorgfältig geprüften Optionen für unsere Aktionäre», sagte ABB-Verwaltungsratspräsident Peter Voser gemäss einer Mitteilung vom Dienstag zum Investorentag.

Beobachter behalten recht

Kürzlich verkaufte ABB einen kleinen Teil der Division. Aktionär Cevian hatte eine Abspaltung des ganzen Geschäfts gefordert. Allerdings hatten Beobachter erwartet, dass ABB die Stromnetzsparte behält. Denn im Gegensatz zu Cevian sieht der Ex-Berater Spiesshofer beträchtliches Synergiepotential mit dem Rest der Firma.

Das Stromnetz-Geschäft, das rund ein Drittel des Konzernumsatzes erwirtschaftet, beliefert Versorger mit Transformatoren und Übertragungstechnologie. Der Rest des Konzerns produziert vor allem Produkte für die Elektrifizierung und Automatisierung von Industrieanlagen.

Kritische Reaktion

Cevian-Co-Chef Lars Förberg kritisierte am Dienstag in einer Stellungnahme die Entscheidung des Schweizer Unternehmens, die Stromnetzsparte nicht abzuspalten. «Wir denken, dass das eine unglückliche Entscheidung ist», erklärte er.

Das Kurspotential der ABB-Aktie betrage 35 Franken verglichen mit einem gegenwärtigen Kurs von rund 22 Franken. Cevian werde das ABB-Managementteam daran messen, ob die Aktie die 35-Franken-Marke auch erreiche. Der aktivistische Investor erwarte baldige Fortschritte. «ABB hat bereits lange Zeit zu wenig geliefert.»

Verstärkte Partnerschaftstrategie

Statt die Sparte abzuspalten, will ABB nun das Wachstum und die Profitabilität verbessern. Um die Risiken im Geschäftsmodell zu minimieren geht der Konzern zwei neue Partnerschaften ein, nämlich mit dem US-Unternehmen Fluor bei den Umspannwerken sowie mit der Norweger Firma Aibel bei den Offshore-Windanlagen.

Eine strategische Partnerschaft gibt es nicht nur in dieser Sparte. Auch mit dem Softwarekonzern Microsoft will ABB zusammenspannen. Gemeinsam wollen die Konzerne gemäss Mitteilung digitale Lösungen auf einer integrierten Cloud-Plattform entwickeln.

30 Prozent mehr sparen

Gleichzeitig schraubt ABB das Kostensparziel nach oben. In der Verwaltung sollen neu 1,3 Milliarden Dollar eingespart werden, 30 Prozent mehr als bisher angepeilt. Das im letzten Jahr lancierte Kostensparprogramm habe die Erwartungen übertroffen, begründete ABB das neue Ziel in der Mitteilung.

Neu will ABB unter einer Dachmarke auftreten. Innerhalb von zwei Jahren sollen die über 1000 Unternehmensmarken vereinheitlicht werden.

Hinter Konkurrenz zurück

Weiter kündigte der Konzern ein zweites Aktienrückkaufprogramm im Umfang von 3 Milliarden Dollar für 2017 bis 2019 an. Im September hatte der Konzern ein erstes Rückkaufprogramm abgeschlossen. In den letzten drei Jahren hat ABB den Angaben zufolge 8,7 Milliarden Dollar über Dividenden und Aktienrückkäufe an die Anteilseigner verteilt.

ABB steht unter Druck seiner Investoren. Für Cevian etwa ist ABB ein Konglomerat, das sich verzettelt hat und deshalb schwierig zu führen ist. Zuletzt litt der Konzern unter den Folgen des niedrigen Ölpreises, der die Investitionen in den Abnehmerbranchen von ABB absacken liess. ABB machte dabei eine schlechtere Figur als die Rivalen Siemens und GE, die sich dem Branchentrend relativ gut entziehen konnten.

(sda/reuters/jfr)

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