Zwar seien die Banker im Prinzip nicht unehrlicher als ihre Kollegen in anderen Branchen. Doch laut der Analyse würden sie in ihrem Job öfter als andere der Versuchung erliegen, zu betrügen. Schuld daran sei die vorherrschende Unternehmenskultur in der Bankenindustrie, so das Fazit der Studie.

Professioneller Eid gefordert

«Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die sozialen Normen in der Bankenindustrie unehrliches Verhalten eher tolerieren und damit zum Reputationsverlust der Banken beitragen», erklärte Professor Michel Maréchal vom Institut für Volkswirtschaftslehre. Die Forscher empfehlen der Finanzwirtschaft einen Normenwandel hin zur Förderung moralisch einwandfreien Verhaltens.

«Mehrere Experten und Aufsichtsbehörden schlagen beispielsweise vor, dass Bankangestellte einen professionellen Eid, ähnlich dem hippokratischen Eid für Ärzte, ablegen sollten» so Studien-Mitarbeiter Alain Cohn. Würde ein solcher Eid zusätzlich mit Ethiktraining und passenden finanziellen Anreizen unterstützt, könnten Banker dazu gebracht werden, ihren Fokus stärker auf ihre gesellschaftliche Verantwortung zu legen, sagen die Forscher.

Banker mussten Münzen werfen

Zu ihren Erkenntnissen gelangten die Forscher durch Experimente mit rund 200 Bankangestellten. Sie wurden in zwei Gruppen zum Münzwerfen eingeteilt - jeweils mit der Chance auf Extra-Gewinne durch Schummeleien. Der einen Gruppe wurde der Eindruck vermittelt, es gehe um den Freizeitbereich.

Die anderen Probanden wurden auf ihre Rolle als Banker eingestimmt. Diese Gruppe habe sich bei Kopf oder Zahl «signifikant unehrlicher» verhalten (Darstellung unten). Ähnliche Experimente in anderen Branchen hätten hingegen keine derartigen Unterschiede ergeben.

Interesse an Bankkarriere sinkt

Die Bedingungen der Branche haben Auswirkung. Immer weniger Nachwuchskräfte streben eine Bankkarriere an. Von den Schweizer Wirtschaftsstudentinnen und Studenten gaben noch 23 Prozent der befragten Wirtschaftsstudenten an, eine Karriere in einer Bank anzustreben. Wie die aktuelle Studie des Beratungsunternehmens Deloitte zeigt, sind es derzeit nur noch rund 16 Prozent.

(me/dbe/ccr)

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