Banken werden geschluckt, werden verkauft – oder einfach geschlossen. Nur der Platz Bern scheint diesem Trend zu widerstehen. Denn trotz Banken- und Finanzkrise wurden in den letzten sechs Jahren in der Bundesstadt mehrere Finanzinstitute eröffnet. Neustes Beispiel: die Zähringer Privatbank, bei der es sich gar um eine Neugründung handelt. «Wir agieren schon etwas antizyklisch», räumt Bankchef Martin Schenk ein, der mit Patrik Rüthemann und Beat Fiechter über 50 Prozent der Aktien hält. Einer ihrer Vorteile: Ihre Bank leidet nicht unter Altlasten wie dem Steuerstreit mit den USA.

Fokus der eigentümergeführten Bank sind laut Schenk Vermögensverwaltung und Pensionskassenlösungen für eine wohlhabende Klien­tel in der Schweiz, «die Wert auf eine individuelle Betreuung legt». 800 Millionen Franken Kundenvermögen wollen Schenk und seine zehn Mitstreiter verwalten, die grösstenteils von der Bank Notenstein respektive Wegelin kommen.

Die Gelder sollen von Schweizer Kunden vorwiegend aus dem Grossraum Bern kommen. Aufs grenzüberschreitende Geschäft wollen Schenk, sein Stellvertreter Adrian Lerf, der Ex-Private-Banking-Chef der Va­liant, sowie Präsident Enrico Casanovas verzichten. «Die Zeiten, in denen die Banken alles machten, sind vorbei», sagt Schenk.

Warum Bern?

Wieso dieses Gründerfieber in Bern? «Der Platz Bern ist relativ attraktiv», sagt Peter Vonlanthen, Chef der Berner DC Bank, der Bank der Burgergemeinde. «Es gibt hier – entgegen der gängigen Meinung – viele wohlhabende Leute.» Kerstin Eichenberger von der Berner Kantonalbank nennt als weiteren Grund die vielen grossen Unternehmen, Verbände und Organisationen, die «im Politzentrum Bern» ansässig seien und dieses attraktiv machten. Doch gemäss Vonlanthen ist der Markt bereits gesättigt. «Es gibt schon heute zu viele Banken.»

Eine erste «Berner» Bank geht jetzt zu: La Roche. Die sechs Mitarbeiter werden nach der Übernahme in die Notenstein-Filiale integriert, wie Sprecherin Dominique Meier festhält.

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