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Bank J. Safra Sarasin: Neues Logo, neue Chefs

Sarasin wird Safra: Schon bald prangt am Sitz der traditions­reichen Basler Privatbank das neue Logo.

«Sarasin bleibt Sarasin» – doch nur ein bisschen: Safra drückt der Bank ­immer stärker den Stempel auf.

Von Erik Nolmans
07.02.2013

Der Eichbaum von Basel, Logo der Bank Sarasin, hat Symbolkraft: feste Wurzeln, kräftiger Stamm, Beständigkeit. Nun wurde die Eiche nach hinten verpflanzt: Im neuen Logo der vereinigten Bank J. Safra Sarasin prangt vorne das Zeichen des neuen Besitzers – die ineinander verwobenen Buchstaben B, J und S (für Bank J. Safra) auf verschnörkeltem Wappen.

Mit dem Zusammenschluss der beiden Schweizer Töchter der brasilianischen Bankengruppe hat Safra die bisher einschneidendste Massnahme in der schrittweisen Übernahme der Kontrolle über die Basler Tochter getroffen. Das neue Logo spiegelt die Machtverhältnisse: Die kleine J. Safra (Schweiz) mit ihren rund 400 Mitarbeitern gibt der gros sen Sarasin mit ihren 1700 Mitarbeitern den Takt vor.

In die neue Geschäftsleitung der vereinigten Bank ziehen vier Leute von Safra ein. CEO bleibt zwar Sarasin-Chef Joachim Strähle, doch seine Machtfülle ist eingeschränkt. Mit Safra-Mann Marcelo Szerman, der als stellvertretender CEO und Chef Corporate Center wirken wird, hat er einen erfahrenen und knallharten Bankenprofi im Nacken, der als CEO von J. Safra bewiesen hat, dass er eine Bank äusserst profitabel führen kann.

Bank in Safra-Hand

Bei Sarasin indes hat die Profitabilität unter der Führung von Strähle in den letzten Jahren gelitten. In seiner neuen Funktion ist Szerman faktisch die Drehscheibe für die anstehenden Massnahmen, die Bank auf mehr Effizienz zu trimmen. Laut Insidern ist der 35-jährige Szerman mittelfristig als Nachfolger des 54-jährigen Strähle so gut wie gesetzt. Um seinen Einfluss direkter einzubringen, gibt Szerman seine Rolle im Verwaltungsrat der Bank Sarasin auf. Ansonsten bleibt der bereits fest in Safra-Hand befindliche Verwaltungsrat unverändert (siehe «Safra-Clan am Drücker» unter 'Downloads'). Über allem thront Clanchef Joseph Safra als Präsident der J. Safra Sarasin Gruppe höchstpersönlich.

Derweil verlassen mit den Geschäftsleitungsmitgliedern Fidelis Götz und Peter Sami zwei Vertraute von Strähle das Unternehmen. Beide waren wie Strähle vorher bei der Credit Suisse. Einziger Verbleibender von Strähles CS-Seilschaft ist Burkhard Varnholt, der seine Funktion als Chief Investment Officer behält.

Stark eingeschränkte Freiheit

Gleichzeitig wurde gezielt der Familiencharakter der Bank gestärkt. Eric Sarasin (54), der sich den Job des Chefs Private Banking bisher mit Götz teilen musste, erhält mit der Verantwortung für das Private Banking Europe den Kernbereich der Bank. Mit der Stärkung von Eric Sarasin will Safra die Familientradition betonen, ein wichtiges Argument, um die Kunden an die Bank zu binden.

Jüngst wurde mit Yves Sarasin (41), einem Grossenkel von Firmengründer Alfred Sarasin, ein weiterer Familienvertreter an wichtiger Stelle postiert: Er hat Anfang Januar die Leitung des Marktgebiets Zentral- und Osteuropa übernommen. Safra-Leute verantworten derweil Bereiche wie Südamerika oder Israel, wo die Safra-Gruppe selber traditionell stark ist.

Das Bündel von Massnahmen zeigt, dass Safra der Tochter Sarasin gezielt den Stempel aufdrücken will. Strähle verschätzte sich, als er im Zuge des Kaufs der Bank durch die Safra-Gruppe im November 2011 intern wie extern glauben machen wollte, Sarasin könnte unter den neuen Herren ein ähnlich grosses Mass an Freiheit bewahren wie unter dem bisherigen Besitzer aus Holland.

Dreijahresvertrag mit Safra

Die Rabobank hatte ihre Mehrheitsbeteiligung wie ein Finanzinvestment gehalten und Strähle und seinen Mannen weitgehend freie Hand gelassen. Strähle konnte wie ein Sonnenkönig regieren: Operativ pflegte er einen ungestümen Wachstumskurs, mit dem die Profitabilität nicht Schritt hielt. Was ihn nicht daran hinderte, sich und seinen Managern Millionensaläre auszahlen zu lassen. In der Verkaufsdiskussion um die Bank mischte er selber mit, liebäugelte öffentlich mit einem Management Buyout und hielt den ungeliebten Hauptinteressenten Julius Bär aussen vor, indem er bei einem Verkauf an die Bären-Bank mit dem Auszug der Keyplayer der Bank drohte.

Im November 2011 schloss Strähle mit Safra einen Dreijahresvertrag ab, verbunden mit einer einjährigen Kündigungsfrist und einem ebenso langen Konkurrenzverbot. Ziel sei es weniger gewesen, die Rolle von Strähle als CEO zu zementieren, als vielmehr für Ruhe in der heiklen Übergangszeit zu sorgen und zudem die Bank mit einem Konkurrenzverbot zu schützen, sagt einer, der mit den damaligen Vertragsverhandlungen vertraut ist. 

Strähle bleibt, doch die Tage an der losen Leine sind vorbei: Immer wieder mussten operative Entscheide eine Zusatzschlaufe bei den Safra-Herren im Verwaltungsrat machen. Alles und jedes musste ratifiziert werden, was der Effizienz abträglich war und das Management zunehmend frustrierte. 

Im Spätherbst 2012 wurde daher diskutiert, ob es nicht sinnvoller wäre, die beiden Banken enger zu verknüpfen, um die Entscheidungswege zu vereinfachen. Strähle, vom steten Rückzugskampf zermürbt, wehrte sich nicht. «Sarasin bleibt Sarasin», hatte die Bank noch im Herbst mit grossen Lettern verkündet. Nicht nur beim Logo zeigt sich, dass dies nicht mehr als ein Spruch war. Verwendet wird das neue Logo derzeit erst von der Holding. Am Bankgebäude selber sollen die Schilder in diesem Sommer ausgewechselt werden.

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