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Mauschelei 
Bank Coop und Mutter BKB: Eine Rüge zur Unzeit

Während vier Jahren hat die Bank Coop den Kurs der eigenen Aktien manipuliert. Die Rüge der Finma wurde umgehend akzeptiert. Doch für das Mutterhaus Basler Kantonalbank kommt die Rüge zur Unzeit.

Von Karen Merkel
29.10.2014

Die Rüge der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) hat die Bank Coop umgehend akzeptiert. Man bedaure die Ereignisse, erklärte sie heute früh in einer Medienmitteilung. Den Handel mit eigenen Aktien habe sie «bereits Mitte 2013 vollumfänglich eingestellt».

Die Tochter der Basler Kantonalbank (BKB) wurde von der Finma abgemahnt, weil sie zwischen 2009 und 2013 den Börsenkurs der eigenen Inhaberaktien manipulierte. Dabei hat die Aufsichtsbehörde «erhebliche Unregelmässigkeiten» festgestellt. Die Bank habe wiederholt die eigenen Titel gekauft, um einem Sinken des Kurses entgegen zu wirken.

Waespi tief verbunden mit der BKB

Als Hauptverantwortlichen benannte die Finma Andreas Waespi, den damaligen Chef der Bank. Er erhält drei Jahre Berufsverbot und darf 2015 nicht wie geplant als Direktionspräsident der Aargauischen Kantonalbank (AKB) antreten. Waespi ist dabei tief verwurzelt in den oberen Etagen des beschuldigten Geldhauses: Bereits 1996 kam er zum Mutterkonzern BKB und wurde ein Jahr später Stellvertreter in der Konzernleitung. 2005 wechselte er auf den Chefposten bei der Bank Coop.

Der BKB muss der Aufruhr um die Tochter dabei aufstossen, für sie kommt die Rüge zur Unzeit. Das Geldinstitut bemüht sich gerade selbst, die Schatten der Vergangenenheit hinter sich zu lassen. Die Bank selbst nimmt den Vorfällen nicht Stellung – betont aber die Unabhängigkeit der Konzerntochter.

Schatten der Vergangenheit

Auch die BKB selbst wurde im November 2013 wegen Kursmanipulationen von der Finma gerügt, weil sie in «manipulativer Weise» in den Börsenkurs der eigenen Partizipationsscheine eingegriffen hatte. Der Zeitraum deckt sich nahezu mit den Vorfällen bei der Tochter: von 2009 bis 2012 sah die Finma den Kurs wiederholt beeinflusst.

Zudem kämpfte die BKB lange gegen die Folgen des ASE Betrugsskandals. Rund 300 Kunden hatten durch Täuschung in dem Zusammenhang mit den Anlagefonds einen Schaden in dreistelliger Millionenhöhe erlitten. Im Frühjahr sah die Bank in diesem Zusammenhang Betreibungen in Höhe von 77 Millionen Franken zukommen.

Folgen des ASE Betrugsskandals

Auf die Vorfälle im Zusammenhang mit der Aargauer ASE Investment hatte Waespi übrigens im Interview mit der «Handelszeitung» gesagt, die Bank Coop sei auch deswegen nicht betroffen, weil sie in ihrer «Risikopolitik eine eher vorsichtige und konservative Bank» seien. Das Gespräch hat 2013 stattgefunden – gerade einen Monat, nachdem die Manipulationen der Bank Coop laut Finma beendet waren.

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