Genau vor einem Monat haben die Aktionäre des Rieter-Konzerns ja gesagt zur Ausgliederung der Autozulieferer-Sparte in ein selbständiges, börsenkotiertes Unternehmen. Mit dem Kunstnamen „Autoneum“ wurde der neuen Firma auch gleich ihr Tätigkeitsfeld ins Logo geschrieben.  

Am Morgen startete Autoneum den ersten Handelstag an der Schweizer Börse – und ging mit einem Kurs von 110.50 Franken in den Handel. Danach legte der Kurs  nach einem Taucher auf 108 Franken stetig zu und schloss auf 117.50 Franken. Analysten hatten den Wert der Autoneum-Aktie im Vorfeld des Börsengangs auf 93 bis 118 Franken beziffert. Rieter selbst hatte als Buchwert 69,57 Franken angegeben.

Mit der nun vollzogenen Abspaltung geht bei Rieter auch eine Ära zu Ende: 27 Jahre hatten die beiden Sparten Autozulieferung und Textilmaschinen unter dem Winterthurer Konzerndach gelebt. Dann kündigte Rieter vor zwei Monaten die Trennung an. Denn die Zusammenfassung der beiden sehr unterschiedlichen Rieter-Sparten hatte dem Konzern in den vergangenen Jahren nur noch wenige Vorteile gebracht.

Mehr Chancen

Als unabhängiges, börsenkotiertes Unternehmen erhalte Autoneum mehr Flexibilität, um die Chancen im Automarkt zu nutzen, erklärte Autoneum-Verwaltungsratspräsident Hans-Peter Schwald. Die Autosparte will als Spezialistin für Lärm- und Hitzeschutzdämmungen weitermachen und den grossen Autobauern leichtgewichtige und umweltschonende Technologien anbieten.

Das Geschäft, das relativ viele Investitionen verlangt, soll ebenfalls über Zukäufe wachsen können. Im vergangenen Jahr fuhr die Autosparte einen Umsatz von 1,72 Milliarden Franken ein und einen Betriebsgewinn (Ebit) von 31 Millionen Franken.

"Unser Ziel ist es, die führende Stellung von Autoneum konsequent weiterzuentwickeln, das Wachstumspotential zu nutzen und die Profitabilität nachhaltig zu steigern", erklärte Autoneum-Chef Martin Hirzel. Analysten rechnen damit, dass Autoneum übernommen werden könnte. Diese Übernahmefantasie dürfte den Kurs positiv beeinflussen.

Der Textilmaschinenbau behält dagegen den über 200 Jahre alten Traditionsnamen Rieter. Das stark von Konjunkturzyklen abhängige Geschäft hatte zuletzt bei einem Umsatz von 870,4 Millionen einen Betriebsgewinn von 78 Millionen Franken erzielt und soll als eigenständiges Unternehmen vor allem in Asien weiter Kunden gewinnen.

Rieter-Aktionäre: Fast alle dafür

Die Rieter-Aktionäre hatten vor einem Monat an der Generalversammlung mit 98,96 Prozent Ja-Stimmen die Aufteilung des Konzerns abgesegnet. Die Aktien der Autosparte wurden an die bestehenden Rieter-Aktionäre verteilt. Für jede Rieter-Aktie bekam ein Anteilseigner eine Namenaktie der Autoneum. Damit wurde den Aktionären von Rieter das Autogeschäft quasi als "Sonderdividende" geschenkt. Folglich werden die Rieter-Aktien heute ohne Autoneum gehandelt.

Die Rieter-Aktie schloss am Ende des Tages bei 267.25 Franken, nach einem Schlusskurs von 390 Franken am Vortag. Damit waren beide Konzernteile zusammengerechnet an der Börse am Freitag 5.25 Franken weniger wert.

(cms/tno/sda)

 

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