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Schweiz: Auf der Überholspur gejagt

Mit ihren Modellen lässt Audi hierzulande Mercedes und BMW hinter sich. Doch die Konkurrenten geben mehr Gas.

Von red
11.04.2006

Sportliches Understatement, Oberklasse, aber kein Auto zum Angeben: Dieses Image hat dazu beigetragen, dass Audi zum langjährigen Schweizer Marktführer im Premiumsegment aufstieg. Zudem kam der Quattro-Allradantrieb gut an im Alpenland, und die sportlichen S- und RS-Modelle sind beliebt bei den «überdurchschnittlich vielen technikbegeisterten Autofahrern in der Schweiz», sagt Roland Frauchiger, CEO des Audi-Importeurs Amag.

Seit Jahren hält Audi die Konkurrenten BMW und Mercedes auf Distanz. Der Vorsprung schmilzt allerdings. Seit 2001 bringt Audi, übers Jahr gerechnet, kontinuierlich immer weniger Autos an den Kunden. BMW hat Mercedes deutlich überholt und liegt nur noch wenige hundert verkaufte Wagen hinter Audi.

Die Probleme sind hausgemacht. Das Sportcoupé TT war zu lange unverändert am Markt, der längst fällige Nachfolger kommt in diesem Frühsommer. Neue S- und RS-Modelle liessen auf sich warten. In der Luxusklasse brachte Audi wenig Neues, und den SUV-Bereich liess man bis zu diesem Frühjahr brachliegen – während BMW X5, Mercedes-M-Klasse, VW Touareg und Porsche Cayenne längst auf dem lukrativen Markt präsent waren. Die Amag, sagt Frauchiger, habe bei Audi mehrfach durchblicken lassen, dass sie «sehnlichst darauf wartet, diese Lücke bald zu schliessen».

Audi-Vorstandschef Martin Winterkorn dagegen klagte kürzlich in der Wirtschaftszeitung «Cash», er höre zu wenig darüber, «was ihr Schweizer wollt». Seit einigen Jahren sei es aus der Schweiz ruhig geworden. Die Amag habe zudem einen Generationenwechsel hinter sich.

Tatsächlich hat sich der hochbetagte Amag-Gründer Walter Haefner aus dem Geschäft zurückgezogen. Die zweite Generation, vor allem Martin Haefner als VR-Präsident, prägt nun das Geschehen. Frauchiger ist seit 2003 CEO und hatte zuvor mehrere Kaderfunktionen bei der Amag inne.

Was Winterkorn mit seinem Hinweis auf einen Generationenwechsel sagen wollte, kann sich Frauchiger nicht erklären. Er vermutet, in der Audi-Zentrale werde vielleicht zu sehr auf Wachstumszahlen und zu wenig auf das schon erreichte Niveau geachtet. Die Schweiz sei einer von wenigen Märkten weltweit, wo Audi vor BMW und Mercedes liegt. Ausserdem habe Audi trotz einem geschrumpften Schweizer Gesamtmarkt, der gerade für die Premiumhersteller schwierig war, vergangenes Jahr den Marktanteil gesteigert und wolle ihn wieder auf mindestens sechs Prozent hieven. Für 2006 hat sich Frauchiger 16 000 Audi als Verkaufsziel gesetzt – 2005 fand er knapp 13 700 Käufer.

Der wuchtige Geländewagen Q7 soll viel zum Erfolg beitragen. Geplant hat die Amag 850 Fahrzeuge für dieses Jahr, die Mehrzahl davon ist aber schon jetzt reserviert. Damit könnte der Q7 in die Nähe des erfolgreichen BMW X5 rücken, der Porsche Cayenne liegt bei etwa 500 Verkäufen pro Jahr.

Frauchiger wünscht sich für die hiesigen Kunden zudem «kleine Brüder» des Q7 und des Kompaktmodells A3. Diese Modelle sind auf dem Weg: Ein Q5 wird in einigen Jahren kommen, und an eine Wiederauflage des A2 denkt Audi ebenfalls – optisch dürfte es in Richtung eines sportlichen Kleinkombis gehen.

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