Es war der Kabelpionier Leo Fischer, der den Grundstein für eine turbulente Firmengeschichte legte, indem er 1964 in Luzern das erste private Kabelnetz der Schweiz gründete. Als zu Beginn der neunziger Jahre zwei der vier grössten Fernsehnetze zum Verkauf standen, griff er zu: Zusammen mit der PTT, ihrem Techniklieferanten Siemens sowie dem deutschen Mischkonzern Veba als Partner zimmerte er daraus die Cablecom. Durch weitere Akquisitionen (Ascom-Netze, Rediffusion, Swiss Online) wurde Cablecom schnell zur Nummer eins auf dem Schweizer Markt. Doch die vielen Zukäufe sorgten auch für eine sehr heterogene Netzstruktur. 1999, mitten im New-Economy-Hype, verkauften die Eigner das Unternehmen für viel zu teure 5,8 Milliarden Franken an die britische NTL – auch auf Druck der Wettbewerbsbehörden, da die PTT-Nachfolgerin Swisscom nicht an zwei Netzen beteiligt sein sollte. Doch der neue Eigner war mit 20 Milliarden Euro hoch verschuldet. Er bürdete der Cablecom einen Teil des Kaufpreises als Kredit auf.

Damit begann der Niedergang des bislang blühenden Unternehmens. Der frisch berufene Chef Rudolf Fischer musste gleichzeitig Kosten drücken und Wachstum generieren, um die Gläubiger bei Laune zu halten. Um überhaupt die Zinsen bezahlen zu können, sparte Cablecom bei den Investitionen.

Der Drahtseilakt ging nicht lange gut: 2003 wurde NTL zerschlagen, die Cablecom fiel an ein Konsortium unter der Leitung von drei Finanzinvestoren. Auch diese hatten für das Unternehmen keine langfristige Strategie: Im Hinblick auf einen späteren Exit muss sich die Cablecom schön machen und hohe Gewinne ausweisen – Servicequalität und Infrastruktur waren zweitrangig. Ein für Ende 2005 geplanter Börsengang wurde in letzter Sekunde abgeblasen, stattdessen ging die Cablecom für 4,4 Milliarden Franken an die amerikanische Liberty, die bereits 1999 und 2003 Interesse signalisiert hatte. Nicht nur die Alteigentümer füllten sich bei dem Verkauf die Taschen, sondern auch das Management unter Rudolf Fischer.

Liberty versteht zwar etwas vom Kabelgeschäft. Doch sie ist mit 21 Milliarden Dollar ebenfalls hoch verschuldet und agiert weitgehend wie ein Finanz­investor. Der Leidensweg der Cablecom dürfte noch nicht beendet sein. Oder, wie es der Chef eines grossen Schweizer IT-Anbieters ausdrückt: «Auf der Firma lastet ein Fluch!»

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