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Krise 
Aryzta: Der Grossbäcker steht auf der Kippe

Aryzta
Aryzta: Der Backwarenhersteller steht mit dem Rücken zur Wand. KeystoneQuelle: Keystone

Der Backwarenkonzern Aryzta hängt in den Seilen. Kommt er nicht in Schwung, reissen Kreditklauseln. Nun muss der neue VR-Präsident schnell handeln.

Von Erich Gerbl
28.03.2017

Der angeschlagene irisch-schweizerische Backwarenhersteller Aryzta steht mit dem Rücken zur Wand. «Die Baustelle ist grösser, als der Markt vermutet», sagt Patrik Schwendimann, Analyst und stellvertretender Leiter Research bei der ZKB.

Das Unternehmen geriet nach einer Übernahmeorgie unter Druck. CEO und Finanzchefs wurden zum Rück­tritt gedrängt. «Durch den 
Abgang der Geschäftsführung ist Aryzta gelähmt», sagt Schwendimann. Der neue VR-Präsident Gary McGann wurde von den Verhältnissen zum Teil selbst überrascht und ist jetzt auf der Suche nach einem heilbringenden CEO. Aber weil die Kosten in den letzten Jahren gedrückt wurden und die Möglich­keiten im Bereich des Financial ­Engineerings etwa durch den Verkauf von Debi­toren schon ausgereizt sind, sei der Spielraum bescheiden. Schwendimann: «Selbst für einen renommierten CEO wird es kein Spaziergang.»

2,7 Milliarden Euro Schulden

Der Konzern brauche dringend organisches Umsatzwachstum und einen stabilen, möglichst bes­seren Cashflow, so Schwendimann «Verschlechtert sich der Cashflow, reis­sen Kreditklauseln.» Die Refinanzierung würde noch schwieriger und teurer. Schon letzten Herbst scheiterte eine günstige Re­finanzierung über die Bondmärkte. Aryzta sitzt auf einem Schulden­berg von 2,7 Milliarden Euro, der in etwa der Marktkapitalisierung entspricht.

Noch dazu beginnt sich das all­gemeine Zinsniveau, ausgelöst von den Leitzinserhöhungen in den USA, für den Backwarenriesen in die falsche Richtung zu bewegen. «Steigen die Zinsen, wird das für Aryzta zum Problem», sagt Schwendimann. Aryzta hat Hybrid-Bonds im Ausmass von rund 800 Millionen Euro auf dem Markt, deren Verzinsung mit dem Libor-Zinssatz steigt.

Ein Teufelskreis

Die Zeit, hart am Wind zu segeln, sei vorbei. Aryzta müsse «rasch ­handeln und unpopuläre Massnahmen durchsetzen». Schwendimann hält eine Eigenkapitalerhöhung und eine Goodwill-Abschreibung für sinnvoll. Der Goodwill liegt aktuell bei 2,4 Milliarden Euro. Der Experte hält eine Goodwill-Wertberichtigung von mindestens mehreren hundert Millionen Euro «für sehr wahrscheinlich». Sie lasse sich nur umgehen, wenn sich das Geschäft rasch und deutlich verbessere.

Doch so leicht ist das nicht. Mehren sich die schlechten Nachrichten, könnten Kunden abspringen. Die sind meist nur durch kurzfristige Verträge an den Produzenten gebunden. Ein Teufelskreis, der den angeschlagenen Riesen weiter unter Druck bringen könnte.

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