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Arbeitgeber: Erste Wahl

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Nestlé, ABB, Novartis und Google sind die beliebtesten Arbeitgeber der Schweiz. Das zeigt die Universum-Top-100-Studie über die populärsten Firmen bei Uni-Abgängern.

Von Nicole Kircher
08.05.2009

170 Hochschulabsolventen haben im letzten Jahr ihr berufliches Wunschziel erreicht: eine Anstellung bei Nestlé. Der Nahrungsmittelkonzern ist unter Ökonomiestudenten der beliebteste Arbeitgeber der Schweiz. Auch bei Studienabgängern anderer Fachrichtungen schneidet Nestlé durchs Band gut ab. Dies belegt die neueste Universum-Top-100-Studie, für die das schwedische Beratungsunternehmen über 6535 Studenten befragte.

Michel Juillerat, der als Head of Recruit­ment Schweiz jährlich über 400 Personen bei Nestlé einstellt, ist stolz auf das gute Abschneiden und das hohe Renommée, das der Nahrungsmittelkonzern unter Jungen geniesst. In der heutigen Zeit, die durch grosse Unsicherheit geprägt sei, kämen die Werte, für die Nestlé stehe – gemäss Juillerat «Vertrauen, Respekt, Toleranz, Ehrlichkeit und Pragmatismus» –, bei Stellensu­chen­den besonders gut an. «Wir setzen nicht auf kurzfristige Gewinnmaximierung, sondern haben eine längerfristige Strategie», sagt der 54-jährige schweizerisch-französische Doppelbürger, der seit 29 Jahren in den Diensten von Nestlé steht. Wichtig sei eine «gemeinsame Wertschöpfung», was so viel bedeute wie: Werte sowohl für das Unternehmen wie für die Gemeinschaft schaffen, in der Nestlé tätig sei.

STABILITÄT. Noch im letzten Jahr schwang die UBS bei den Ökonomiestudierenden obenauf. Sie fiel nun auf den vierten Rang zurück. Angesichts der gravierenden Probleme der Bank ist aber auch diese Klassierung noch ein beachtliches Ergebnis. Erstaunlich auch: Es sind vor allem die Ökonomiestudentinnen, welche die Grossbank aus den Medaillenrängen gedrängt haben, denn unter den männlichen Studenten rangiert die UBS weiterhin auf Rang eins, wie Nelly Riggenbach erklärt. Riggenbach ist Länderchefin von Universum Schweiz, die hiesige Studenten seit elf Jahren in repräsentativen Umfragen aushorcht (siehe Interview auf dieser Seite).

Andreas Kern von der UBS erklärt: «In Gesprächen mit Studenten hat sich gezeigt, dass unser Einstiegsprogramm nach wie vor als sehr attraktiv angesehen wird.» Die Bank erhalte auch nach wie vor «qualitativ sehr gute Bewerbungen». In den letzten Jahren absolvierten in der Schweiz rund 120 Studienabgänger das Trainingsprogramm der Grossbank.

Neben der UBS haben auch andere Finanz­häuser Image-Einbussen hinnehmen müssen: Swiss Re fällt auf der Beliebtheitsskala um 14 Ränge zurück, Zurich ­Financial Services um 11. Nicht besser erging es den Investmentbanken Goldman Sachs und J.P. Morgan. Dabei dürfte eine Rolle gespielt haben, dass im Bankensektor derzeit die Zeichen auf Abbau stehen – ein Signal, in dem High Potentials gedrückte Löhne und reduzierte Karrieremöglichkeiten sehen. Punkten kann dagegen die Airline Swiss, die sich unter den Top Ten der begehrtesten Arbeitgeber etabliert. Die Airline lockt mit Glamour, Stabilität und schwarzen Zahlen.

Innovation. Grossunternehmen, Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberatun­gen rekrutieren trotz Krise emsig an den Hochschulen. Ein breit gefächertes Einstiegsportal bietet ABB Schweiz, unter den studierenden Ingenieuren des Landes der beliebteste Arbeitgeber. Der international tätige Technologie-Tanker stellt jährlich rund 100 Hochschulabgänger ein. Hinzu kommt eine handverlesene Schar von 16 Trainees – hoch qualifizierten Generalisten, die mit massgeschneiderten Ausbildungsprogrammen fit getrimmt werden. Eine von ihnen ist ETH-Elektroingenieurin Linda Huber (27), die das 15 Monate dauernde Traineeprogramm absolviert. Mit Exkursionen an drei ABB-Standorte und einem Praktikum testete sie die Firma, bevor sie den Arbeitsvertrag unterzeichnete. «Ich habe schon früh im Studium begonnen, mit ABB-Führungskräften in Kontakt zu treten», sagt Huber, die derzeit in der Geschäftseinheit High Voltage Products in Oerlikon arbeitet. Sie hat sich für das Unter­nehmen entschieden, weil es in ihren Augen «für Innovation und Dynamik steht».

ABB scheut keinen Aufwand, um das Reservoir an Nachwuchstalenten zu füllen. «Wir stehen intensiv im Kontakt mit Studierenden und sind jährlich an 25 bis 30 Hochschulanlässen präsent», sagt Daniel Huber, Leiter Hochschulmarketing bei ABB Schweiz. Ferner organisiert das Unter­nehmen zahlreiche Inhouse-Besuche, sogenannte Exkursionen, sowie Anlässe bei ABB-Kunden. Um die Firma zu präsentieren, werden pro Jahr rund 1000 Schüler und Studierende an einzelne ABB-Standorte eingeladen. Das Hochschulmarketing-Team nimmt auch an Grillabenden sowie Studentenpartys teil – und sponsert Campusfeiern mit einem eigenen ABB-Energy-Drink. Daneben beschreitet man auch neue Wege im Recruiting: «Man kann die Jungen nicht mehr so ansprechen wie vor zehn Jahren, daher nutzen wir vermehrt die neuen Medien.» Um die Web-Generation abzuholen, wurde ein Podcast online gestellt, die Einrichtung eines eigenen Blog wird derzeit geprüft.

Stolze 300 Ausbildungsplätze für Hochschulabgänger bietet Novartis an, beliebteste Arbeitgeberin für Studenten der Natur­wissenschaften. «Das Interesse an einem Ausbildungsplatz bei uns ist über die vergangenen Jahre konstant sehr gross», sagt Sandro Crameri (36), Betriebsökonom und als Head of HR University Relations & Temporary Employments verantwortlich für Hochschulkontakte. Das Arbeiten bei Novartis sei «inspirierend», so Cra­meri – auf Innovation ausgerichtete Tätigkeiten, vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten und das attraktive Arbeitsumfeld trügen dazu bei. So böten Cafés, Restaurants und ein Fitnesscenter auf dem neu erstellten Campus diverse Begegnungsmöglichkeiten für Beschäftigte. Auch das breite Angebot an Firmensport wirke sich positiv auf die Stimmung untereinander aus. Und: Crameri gefällt das internationale Umfeld, «auf dem Campus arbeiten Mitarbeitende aus über 90 Nationen».

AUSTAUSCH. Den unkomplizierten Umgang untereinander schätzt auch Novartis-Trainee Raphael Gübeli (24). «Es gibt ­einen guten Austausch mit Leuten auch von ­anderen Labors, was zu vielen spannenden Diskussionen mit sehr erfahrenen Leuten führt.» Der gebürtige Toggenburger hat ein Masterdiplom in Biotechnologie der ETH Zürich (Master of Science in Biotechnology) im Sack. Nach dem Praktikum will er «höchstwahrscheinlich eine Doktorarbeit schreiben». Zu Novartis ­wollte er, um mitzubekommen, «wie eine so komplexe, grosse Forschungs-und-Entwicklungs-Maschinerie funktioniert».

SPASS. Von Bewerbungen richtiggehend überschwemmt wird Google – und das ­jeden Tag. 1300 Anfragen landen auf den Servern der IT-Spezialistin. Kein Wunder, rangiert die Firma in der Sparte Informa­tion Technology auf Rang 1 der beliebtesten Arbeitgeber. Randy Knaflic (36), der an der University of Wisconsin Sozialwissenschaften studierte und für Google eine Re­cruitment-Organisation in zehn ­Ländern aufgebaut hat, kann nur wenige Bewerber einstellen. Er will Top-Leute: ­«Googlers sind unser grösstes Kapital. Wir versuchen, den Mitarbeitern das beste Arbeitsumfeld zu schaffen, das Kreativität fördert.»

Bei Google habe man ein gemeinsames Ziel vor Augen und wolle zu den Besten gehören. Wenn immer man einen anderen Googler irgendwo auf der Welt treffe, habe man zu dieser Person gleich «einen guten Draht», denn der Wille, «anders zu denken, verbindet». Googlers, sagt Knaflic unbescheiden, wollten die grössten Heraus­forderungen annehmen und vergässen dennoch den Spass an der Arbeit nicht.

Einen der begehrten «New-Grad-­Plätze» (so heissen die Trainee-Stellen bei Google) ergatterte während des Studiums Sandra Brockmann (31), heute ist sie Software Engineer ETH M.Sc. Computer ­Science. «Ich hatte zwei Interviews, in ­denen sowohl theoretische als auch praktische Fragen behandelt wurden. Nach fünf Monaten, in denen ich bei Google vor allem intern tätig war, wusste ich, dass ich mich auch um eine Festanstellung bewerben wollte.» Nach ihrem Abschluss an der ETH kam sie ins selbe Team zurück wie als «New Grad».

Inzwischen ist sie seit zwei Jahren für Google tätig. Momentan arbeitet sie an einem internen Tool für «Google Search» – ein Job, der sie derart fesselt, dass sie bisher gar nicht dazu kam, die Abteilung zu wechseln (obwohl das eigentlich üblich wäre). Begeistert ist sie auch von der Möglichkeit der «20-Prozent-Projekte» bei Google. Ein Google-Engineer kann 20 Prozent seiner Zeit an einem Projekt arbei­ten, das ihn persönlich interessiert. «Es sind schon recht verschiedene Produkte aus diesen 20-Prozent-Projekten herausgekommen – Gmail ist nur ein Beispiel.»

SINN. Das gute Abschneiden von Nestlé, Novartis, ABB und Google zeigt: Wer bei den Hochschulabsolventen als Arbeitgeber punkten will, muss nicht nur ein spannendes Jobprofil anbieten, sondern auch attraktive Rahmenbedingungen für eine gute Work-Life-Balance. Dazu gehören flexible Arbeitszeiten und interne Kinderkrippen. Für 67 Prozent der weiblichen Nachwuchstalente ist die Work-Life-Balance entscheidend bei der Wahl des Arbeitgebers, bei den Männern sind es 54 Prozent.

Deutliche Unterschiede im Gender-Verhalten gibt es bei den Karrierezielen: 44 Prozent der Männer streben eine Führungsposition an. Dagegen wollen nur 24 Prozent der Frauen die Hierarchieleiter erklimmen. Zudem gewichten Frauen das Ziel, eine sinnvolle Tätigkeit im Dienst einer höheren Sache auszuüben, deutlich stärker als ihre männlichen Kommilitonen.

Obwohl die Firmen betonen, sie rekrutierten nach wie vor Hochschulabsolventen, um nach der Krise für den Aufschwung gerüstet zu sein, ist die angebotene Anzahl Trainee-Plätze rückläufig. Bei ABB beispielsweise sollen 2009 statt 16 nur noch rund 10 Trainees eingestellt werden. Derzeit sei der Auftragseingang gut, doch eine konjunkturelle Prognose ist ungewiss. Daher sollen auch die Einstellungen für die übrigen Ausbildungsplätze «restriktiv» gehandhabt werden, heisst es.

Schlechte Nachrichten von der Jobfront gibt es auch bei Swiss Re. Für den Gra­duates-Lehrgang 2009 haben sich laut Brigitte Meier zwar mehr Studienabgänger denn je beworben – rund 1100. Die Anzahl Ausbildungsplätze geht aber zurück: «Die angekündigte Reduktion des Personal­bestands betrifft das gesamte Unternehmen und wird auch Folgen für das Stellenangebot des Graduates-Programms haben.»

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