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Apple Pay kommt - das müssen Schweizer wissen

Mobile Bezahlsysteme: Bald soll man in der Schweiz mit dem iPhone zahlen können. Keystone

Nun ist es amtlich: Apple Pay startet in der Schweiz. Wie funktioniert der Bezahldienst, der das iPhone zur Kreditkarte macht? Und hat Twint dann überhaupt noch eine Chance? Die wichtigsten Antworten.

Von Caroline Freigang
14.06.2016

«Der Eintritt eines globalen Riesens wie Apple würde den Schweizer Markt für mobile Bezahlsysteme komplett verändern», sagte Fintech-Experte Marc P. Bernegger im März, als bekannt wurde, dass Apple Pay in die Schweiz kommen könnte. Jetzt ist es soweit: Apple hat angekündigt, den Dienst hierzulande in den kommenden Monaten zu lancieren. Was heisst das für Schweizer Kunden und den Konkurrenten Twint? Die wichtigen Fragen und Antworten um Überblick:

Wie funktioniert Apple Pay?
Nutzer von Apple Pay müssen für den Bezahldienst eine Kreditkarte hinterlegen. Apple Pay kann man an Kassengeräten nutzen, die für kontaktloses Bezahlen per NFC-Funk ausgestattet sind. Im Handel kann das iPhone an das kontaktlosfähige Terminal gehalten werden, die Zahlung wird per Fingerabdruck, also Touch ID, bestätigt. Die Industrie rüstet schrittweise alle Terminals mit der Technologie aus. Bis 2020 müssen europaweit alle Visa-Zahlterminals das kontaktlose Bezahlen sowohl per Karte als auch mit dem Smart­phone und anderen kontaktlosfähigen Devices akzeptieren. Das funktioniert dann auch ohne Verbindung zum Mobilfunknetz oder Wifi.

Brauche ich dazu eine spezielle Kreditkarte?
Ja. Die Kartenanbieter Visa und Mastercard haben zwar beide bekanntgegeben, mit Apple Pay zusammenzuarbeiten. Bis jetzt haben in der Schweiz aber nur vereinzelte Kartenherausgeber kommuniziert, ihren Kunden Apple Pay zur Verfügung zu stellen. So gab Bonuscard.ch bekannt, dass Apple Pay bald für ihre Visa Bonus Card und Visa LibertyCard verfügbar sein wird. Die BonusCard.ch AG ist Teil der Cornèr Bank Gruppe, mit der Apple Pay zusammenarbeitet. Apple Pay wird ebenfalls mit der Cornèrcard funktionieren. Auch mit Apple zusammengespannt haben die Swissbankers Prepaid-Services. Mastercard gab an, mit verschiedenen Kartenherausgebern zusammenzuarbeiten, Details sind aber noch nicht bekannt.

Mit welchen Geräten funktioniert Apple Pay?
Der Bezahldienst funktioniert mit iPhone 6s, iPhone 6s Plus, iPhone 6, iPhone 6 Plus, iPhone SE und der Apple Watch, sowie mit iPad Pro, iPad Air 2, iPad mini 4 und iPad mini 3.

Ab wann kann ich den Service nutzen?
Apple Pay soll in den nächsten Monaten in der Schweiz starten. Genauere Informationen gab Apple Schweiz auf Anfrage nicht heraus. In einer Medienmitteilung von Bonuscard.ch ist von einem Start «im Sommer» die Rede.

Kann ich auch Online mit Apple Pay zahlen?
Als nächsten Schritt will Apple über seinen Service auch bei Online-Einkäufen auf einem Computer bezahlen lassen. Die Zahlung wird dabei statt Passwort oder PIN-Code per Fingerabdruck auf einem verbundenen iPhone bestätigt.

Hat die Schweizer Lösung Twint noch eine Chance auf dem heimischen Markt?
Der Wettbewerb werde begrüsst, teilte die Twint AG nach der Bekanntgabe Apples am Montagabend mit. Twint/Paymit-Sprecher Victor Schmid sagtehHandelszeitung.ch, er rechne Twint trotz Eintreten des Konkurrenten Apple Pay sehr gute Chancen auf dem Schweizer Markt aus. «Twint ist eine plattformunabhängige Lösung, die sowohl auf Android als auch iOS-Geräten funktioniert», so Schmid. «Zudem bietet Twint Funktionalitäten, die für Konsumenten und Händler weit über die von Apple Pay hinausgehen, etwa die Einbindung von Kundenkarten, Coupons usw.» Auch Fintech-Experte Marc Bernegger sieht für Twint noch nicht schwarz: «Ich glaube schon, dass Twint nach dem Start von Apple Pay auf dem Schweizer Markt noch eine Chance hat. Insbesondere da nach dem Zusammenschluss von Paymit und Twint eine gemeinsame nationale Lösung besteht, bei der alle relevanten Player eingebunden sind», sagte er zu handelszeitung.ch.

Was spricht dafür, dass Apple Pay in der Schweiz ein Erfolgsmodell wird?
Apple hat gute Chancen, sich auf dem Schweizer Markt auszubreiten: Fast jeder zweite Schweizer hat ein iPhone. Ausserdem ist kontaktloses Bezahlen bereits in vielen Verkaufsstellen, vor allem bei den Detailhändlern Migros und Coop, möglich. «Viele Kunden in der Schweiz warten schon lange auf Apple Pay», sagt Fintech-Experte Bernegger.

Was spricht dagegen?
Bernegger äussert jedoch auch Zweifel: «Ob die hohen Erwartungen in den Dienst erfüllt werden können, wage ich zu bezweifeln. Derzeit sehe ich keinen konkreten Mehrwert zu den bereits bestehenden Lösungen.» Stefan Holbein, als Schweiz-Manager von Visa Europe, fügt an einer Telefonkonferenz hinzu, Apple Pay im Zusammenschluss mit Visa sei im Gegensatz zu Twint eine globale Lösung. Kunden könnten damit nicht nur in der Schweiz sondern auch global bezahlen. Hinzu kommt, dass Kartenherausgeber Apple Pay auf Distanz halten könnten, um ihre eigene Bezahllösung Twint zu schützen.

Wie entwickelt sich der Schweizer Mobile Payment Markt in den nächsten Monaten?
Grundsätzlich besteht auf dem Schweizer Mobile-Payment-Markt noch viel Aufholpotenzial: Denn der Schweizer ist Bargeld-affin. Rund 60 Prozent aller Transaktionen werden heute noch mit Cash gezahlt. Auch Twint-CEO Thierry Kneissler räumte im Interview mit «Finanz und Wirtschaft» zuletzt ein, dass bei den Nutzerzahlen in der Schweiz noch Raum nach oben besteht. Paymit und Twint kämen derzeit zusammen auf etwa eine halbe Million Kunden und mehrere tausend Transaktionen pro Tag.

Wer sich durchsetzt, ob Apple Pay oder Twint, oder ob auf dem Schweizer Markt sogar Raum für zwei Anbieter von mobilen Bezahllösungen ist, wird sich zeigen. «Am Schluss wird der konkrete Mehrwert für den Kunden entscheiden, wer sich langfristig behaupten kann», so Experte Bernegger. «Akzeptanz, Benutzerfreundlichkeit und Sicherheit sind dafür die Basis.»

 

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