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Apple-Krise: Jammern auf hohem Niveau

Der Börsenwert von Tim Cooks Apple sank in den vergangenen vier Monaten um 190 Milliarden Dollar. (Bild: Bloomberg)

Bei Apple ist der Wurm drin: Erstmals seit einem Jahrzehnt muss der Computerriese für das Weihnachtsquartal wohl einen Gewinnrückgang vermelden. Innovationen sind Fehlanzeige, aber die finanzielle Stärke weckt Fantasien.

Von Volker Strohm
22.01.2013

Die Verkäufe des iPhone 5 laufen nicht so, wie man sich dies in Cupertino erhofft hatte: Der Computerriese Apple reduzierte jüngst die entsprechenden Display-Bestellungen. «Bei Apple ist der Wurm drin», titelten flux die Medien.

Wenn Firmenchef Tim Cook am Mittwochabend die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsquartal präsentiert, könnten diese in der Tat historischen Inhalt haben. Die vom Finanzdienstleister Bloomberg befragten Analysten gehen nämlich davon aus, dass der Nettogewinn um zwei Prozent gefallen sein dürfte. In absoluten Zahlen entspricht dies allerdings nach wie vor einem Gewinn von 12,8 Milliarden Dollar - in drei Monaten notabene.

Letztmals musste Apple im Jahr 2003 auf Quartalsbasis einen Rückgang des Gewinns verzeichnen - seither stieg dieser kontinuierlich um jeweils über 10 Prozent. Beim Umsatz wird von den Analysten eine Steigerung um 18 Prozent (auf 54,8 Milliarden Dollar) erwartet - das «langsamste» Wachstum seit 2009.

Heftige Reaktion an der Börse

An der Börse bleiben derartige Prognosen nicht ohne Folge: Seit dem Höchststand vor vier Monaten hat die Aktie nicht weniger als knapp 30 Prozent eingebüsst - oder anders ausgedrückt: Zwischenzeitlich wurde ein Marktwert von satten 190 Milliarden Dollar vernichtet.

Obwohl Optimisten nach wie vor der Meinung sind, dass die publizierten Zahlen letztlich besser ausfallen werden als prognostiziert, so muss sich Cook dennoch den Vorwurf der fehlenden Innovation gefallen lassen. Nach iPod, iPhone und iPad hat Apple den ganz grossen Wurf seither vermissen lassen.

Allerdings setzen die Amerikaner punkto Marge nach wie vor Massstäbe: So wird geschätzt, dass der Verkaufspreis eines iPhone mehr als das Dreifache der Herstellungskosten betrage. Noch weckt das globale Marktwachstum für Mobile-Geräte Fantasien, doch die Konkurrenz - allen voran Google (Nexus), Samsung (Galaxy) und Amazon (Kindle) - haben dem einstigen Primus und Innovator stark zugesetzt.

Aus Investorensicht ist Apples Barreserve, die von heute rund 120 Milliarden Dollar bis 2015 gemäss Analysten-Berechnungen auf  fast 250 Milliarden steigen könnte, ein grosser Trumpf. Nachdem Cook im vergangenen Herbst erstmals die Ausschüttung einer Dividende in Aussicht stellte, könnten auch mögliche Aktienrückkäufe sogenannte Value-Investoren anlocken.

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