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Apotheken: Was sie bedroht und wie sie überleben wollen

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Apotheke: Unruhige Zeiten für Apotheker. Keystone

Der Migros-Einstieg erhöht den Pulsschlag im Schweizer Apothekenmarkt: Schon jetzt ist die Versorgungsdichte hoch, die Apotheken stehen mit dem Rücken zur Wand.

Der Verdrängungskampf unter den Apotheken akzentuiert sich durch die Ausbaupläne von Galenica Santé und den geplanten Einstieg von Migros. Mit den Trümpfen Bevölkerungswachstum, steigende Lebenserwartung und guten Lagen wollen die Apotheker auch künftig stechen.

Immer noch spielen die Apotheken bei der Abgabe von Medikamenten eine zentrale Rolle. Gehen doch etwas über die Hälfte der Präparate bei Apothekern über den Ladentisch - vor 20 Jahren waren es noch gut 60 Prozent gewesen. Selbstdispensierende Ärzte oder Spitäler geben heute jeweils rund ein Viertel der Medikamente ab.

Das kostbare Gut Gesundheit hat seinen Preis: Für Medikamente geben Patienten und Versicherer in der Schweiz laut Angaben des Apothekerverbandes PharmaSuisse jährlich rund 4 Milliarden Franken in Apotheken aus.

Immer noch mehr Apotheken

Abzüglich der Einstandspreise von 2,6 Milliarden Franken sowie Margen von Grossisten und Kosten für Beratungsdienstleistungen verbleibe den Apotheken damit rund 1 Milliarde Franken um ihre Kosten zu decken und einen Gewinn zu erarbeiten, rechnet PharmaSuisse auf Anfrage vor. Im Durchschnitt erzielten Apotheken einen Betriebsgewinn von rund 200'000 Franken. Rund ein Fünftel des Betriebsumsatzes müsse dabei für Personalkosten aufgewendet werden.

Laut den neusten Zahlen des Verbandes wurden Ende 2016 in der Schweiz 1792 Apotheken gezählt. Die nach wie vor grosse Anzahl und die Zunahme um über 9 Prozent in den letzten zwei Jahrzehnten überraschen. Hiess es doch bereits damals, dass von den seinerzeit 1640 Apotheken knapp ein Fünftel kaum oder nicht existenzfähig seien.

Immer noch dramatisch

Auch heute schätzt PharmaSuisse-Präsident Fabian Vaucher die Lage für rund ein Fünftel der Apotheken als dramatisch ein. Sie kämpften ums Überleben. Vaucher gibt zu bedenken, dass absolut, die Zahl der Apotheken zwar leicht ansteige. De facto sei sie aber aufgrund des Bevölkerungswachstums rückgängig.

Strukturelle Veränderungen sieht Vaucher insbesondere in Städten. Neue Apotheken eröffneten an stark frequentierten Orten, wie Bahnhöfen, Einkaufzentren und in Innenstädten. Schliessungen gebe es hingegen in Quartieren und ländlichen Gebieten.

Starke Abhängigkeit von rezeptpflichtigen Medikamenten

Umsatzstarke Lagen können matchentscheidend sein, weil der unternehmerische Spielraum der Apotheken ohnehin sehr begrenzt ist: Beim grössten Teil ihrer Produkte, insbesondere bei Medikamenten, die Krankenkassen bezahlen, sind die Apotheker nämlich nicht frei in der Preisgestaltung. Der Umsatzanteil von rezeptpflichtigen Medikamenten beträgt dabei laut PharmaSuisse drei Viertel.

Der Anteil rezeptfreier Medikamente liegt damit lediglich bei einem Viertel. Eine Chance? Wohl eher nicht, glaubt man dem Verband. «Mittel- und längerfristig zeichnet sich hier sicherlich kein Wachstumsmarkt ab, obwohl die Selbstmedikation und das Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung steigen», stellt Vaucher fest.

Einen Ausweg um Kosten zu senken, sehen viele Apotheker im Anschluss an Ketten und Gruppierungen. PharmaSuisse stellt hier eine «grosse Dynamik» fest. Vaucher glaubt, dass sich künftig Ketten und Gruppierungen aufgrund des Marktdrucks wohl noch stärker zulasten «eigenständiger» Apotheken durchsetzen werden.

Bereits heute sind lediglich 15 Prozent der Apotheken wirtschaftlich selbständig. 57 Prozent haben sich zu Gruppierungen, wie TopPharm, Rotpunkt, Winconcept Partner oder Fortis zusammengeschlossen. Damit bleiben die Apotheker unabhängige Inhaber, profitieren aber von Synergien etwa beim Einkauf, Marketing oder der Weiterbildung.

Kaum unmittelbare Auswirkungen des Galenica-Santé-IPO

28 Prozent der Apotheken gehören zu Ketten, wie Galenica, Benu- oder Topwell-Apotheken, bei denen die Apotheker angestellt sind. Die mit Abstand grösste Kette ist die Galenica-Gruppe (Amavita, Sun Store und Coop Vitality) mit 329 Apotheken. Galenica Santé hat in den letzten sechs Jahren nach eigenen Angaben 62 Apotheken in der Schweiz aufgekauft.

Auch in den nächsten Jahren will Galenica nicht nur organisch, sondern ebenfalls durch Akquisitionen wachsen: Zwischen 5 und 15 neue Apotheken sollen dazu kommen. Man werde kaufen, schliessen und optimieren, hiess es dazu an der Bilanzmedienkonferenz. Galenica sieht sich in einem stabilen, attraktiven und widerstandsfähigen Markt.

Der PharmaSuisse-Präsident erwartet keine unmittelbaren Folgen des Börsengangs von Galenica-Santé auf die Branche. «Die Struktur wurde klug aufgebaut und scheint robust», charakterisiert Vaucher den Börsenneuling. Es sei von einer gewissen Kontinuität auszugehen, da die personelle Führung mit langjährigen und fähigen Branchenkennern besetzt sei.

(sda/ccr)

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