Als Josef Ackermann im Mai 2012 die Deutsche Bank verliess, war sein Verhältnis zu Anshu Jain eisig. Der Inder mit britischem Pass, der Ackermann zusammen mit Jürgen Fitschen an der Spitze des grössten deutschen Geldhauses ablöste, war nicht erfreut, dass Ackermann nicht ihn, sondern den heutigen UBS-Präsidenten und ehemaligen Bundesbank-Chef Axel Weber als Nachfolger wollte. Sticheleien aus dem Ackermann-Lager zerstörten die Beziehung vollends.

Doch Ackermann hinterliess seinem Nachfolger ein vergiftetes Erbe – an dem Jain jetzt scheiterte. Ende Monat verlässt er die Bank, sein Nachfolger wird der ­frühere UBS-Finanzchef John Cryan. Zum Verhängnis geworden sind ihm vor allem die juristischen Altlasten des Geld​hauses: Rekordhohe 6000 Rechtsfälle schleppt die Bank mit sich herum – den Grossteil aus der Amtszeit Ackermanns.

Weltweit die höchste Strafe

Im Falle der Libor-Manipulationen etwa musste die Deutsche Bank mit insgesamt 2,5 Milliarden Dollar weltweit die höchste Strafe zahlen. Doch die Vergehen stammen aus den Jahren 2005 bis 2009, als Jain zwar das Investment Banking leitete, mit dessen üppigen Erträgen aber noch voll in der Gunst seines Chefs Ackermann stand.

Ähnlich bei der zweithöchsten Strafe im Bussenkatalog: Die Einigung im Streitfall um Ramschhypotheken in den USA in Höhe von 1,9 Milliarden Dollar bezieht sich auf einen Tatzeitraum von 2005 bis 2007. Der dritte grosse Fall geht sogar noch auf die Vor-Ackermann-Zeit zurück: Dessen Vorgänger Rolf Breuer hatte im Februar 2002 die Kreditwürdigkeit des Medienunternehmens Kirch-Gruppe in Frage gestellt, wenige Monate vor Ackermanns Amtsantritt. Die Einigung, im letzten Jahr verkündet, kostete 925 Millionen Euro.

Für Jain besonders bitter: In seiner dreijährigen Amtszeit kamen offenbar keine grösseren Rechtsfälle hinzu. Bei den Devisenmanipulationen kam die Deutsche Bank bislang überraschend gut davon: Die britische Aufsichtsbehörde FCA verhängte keine Strafe.

Nachdem sein Wunschnachfolger Weber sich für die UBS entschieden hatte, trat Ackermann im Sommer 2011 als Kandidat für den Posten des Aufsichtsratspräsidenten an. Seine Wahl scheiterte am Widerstand grosser Aktionäre. Im Nachhinein kann er darüber nur froh sein – so gilt Jain als Sündenbock.

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