Am Mittwoch hat Andréa Maechler Einsitz im Direktorium der Schweizerischen Nationalbank (SNB) genommen. Die erste Frau im SNB-Direktorium ist als Leiterin des dritten Departements Finanzmärkte, Operatives Bankgeschäft und Informatik Chefin jener Einheit, die mit Interventionen am Devisenmarkt befasst ist.

Tage zuvor war die SNB gezwungen gewesen, angesichts der Turbulenzen rund um Griechenland Schweizer Franken zu verkaufen, um den erneut einsetzenden Aufwertungsdruck gegenüber dem Euro zu dämpfen. Dies hatte SNB-Präsident Thomas Jordan im Nachgang am Montag öffentlich gemacht.

Arbeitsantritt in stürmischen Zeiten

«Sie übernimmt die Aufgabe, während der Wirbelsturm rund um die SNB tobt», sagte Janwillem Acket, Chefvolkswirt bei Julius Bär Gruppe AG in Zürich.

Der Franken hat zum Euro seit Jahresanfang über 15 Prozent aufgewertet. Der Optionshandel deutet an, dass eine anhaltende Aufwertung möglich ist. Die Prämie für eine Sechs-Monats-Option zum Franken-Kauf gegen Euro gegenüber der Franken-Verkaufsoption zum Euro lag am Dienstag bei rund 3,8 Prozent; der höchste Abstand gegenüber 25 Vergleichs-Währungspaaren. Am Mittwoch notierte der Franken im frühen Handel 0,2 Prozent leichter zum Euro bei 1,04349 Franken je Euro.

Externe Umfeld für Franken-Abwertung nicht gegeben

«Sie können diesbezüglich nicht viel machen», sagte Gavin Friend, Stratege bei National Australia Bank Ltd. in London. Das externe Umfeld für eine Franken-Abwertung sei nicht gegeben, so Friend weiter.

Die Herausforderung für Maechler, die beim Internationalen Währungsfonds (IWF) verschiedene leitende Funktionen ausübte, werde darin bestehen, eine Abteilung zu steuern, die recht pragmatische und umfassende Interventionen umsetzen müsse, wenn dies erforderlich sei, ergänzte Acket von Julius Bär.

Volkswirte erwarten BIP-Rückgang

Ausserdem müssen Maechler und ihre beiden Kollegen im Direktorium der SNB mit besorgniserregenden Wirtschaftsdaten aus dem Inland umgehen. Der am Dienstag veröffentlichte KOF- Konjunkturindikator für Juni zeigte den niedrigsten Wert seit Dezember 2011. Volkswirte erwarten einen BIP-Rückgang in den drei Monaten bis Ende Juni um 0,2 Prozent, nach einem Minus in der gleichen Größenordnung im ersten Quartal.

«Sie ist mit den aktuellen Entwicklungen umfassend vertraut, sie ist sehr eine sehr resolute Dame. Ich habe keinerlei Zweifel, dass sie die Aufgabe gut meistern wird», sagte Acket.

(bloomberg/ccr)

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