Das Ende kam noch schneller als der Anfang. Am 2. April hatte André Dosé sein Amt als CEO der Gulf Air angetreten, zwei Wochen später präsentierte er ein einschneidendes Sanierungskonzept – die Airline machte pro Tag Verluste von weit über einer Million Franken. Dosé ging an die Arbeit, erste Erfolge stellten sich ein.

An einem Montag, nur drei Monate und drei Wochen nach Dosés Amtsantritt, gab der Verwaltungsrat bekannt, man habe sich mit dem CEO auf eine Trennung verständigt. Dem Showdown waren turbulente Tage vorausgegangen. Das Board hatte die Einführung eines Executive Committee geplant, dem Dosé ein- bis zweimal pro Woche Bericht erstatten sollte – er lehnte ab.

Am Samstag kamen die Boardmitglieder zusammen, «alle bereits in heller Aufregung», so ein Insider. Sonntagmorgen traf sich Dosé mit dem Chairman, Mahmood al-Kooheji, und bekräftigte seine Ablehnung. Bis zum Abend fanden endlose Board Meetings statt, Trennungspapiere kursierten bereits. Am Montag gab es Nachverhandlungen, die Trennung wurde offiziell. Am Dienstag wurde bereits der interimistische Nachfolger benannt, Dosé unterzeichnete die ersten Auflösungsvereinbarungen, abends gab er eine private Abschiedsfeier. Am Mittwoch leistete er notarielle Unterschriften, am Donnerstagvormittag verliess Dosé Bahrain. Viel einzupacken hatte er nicht; Dosé bewohnte eine Suite im Fünfsternehotel Diplomat Radisson SAS. Den Rückflug buchte er beim Konkurrenten Qatar Airways, am frühen Abend landete die Maschine in Zürich.

Wieder hat sich Dosé, wie zu Swiss-Zeiten, nicht mit der Politik verständigen können. Schon vor Wochen hatte er gesagt: «Sobald man mir hier nicht mehr freie Hand lässt, höre ich sofort auf.» Das Executive Committee brachte wohl das Fass zum Überlaufen.

Schon zuvor war ihm die Politik in den Arm gefallen. Einen Abbau von 950 Arbeitsplätzen, den die Airline mit grosszügigen Abfindungspackages abfedern wollte, unterband die Regierung kurzerhand: Die Leute sollen bleiben, die Regierung übernimmt die Kosten. Auch zu sozialen Gesten «an die Gesellschaft Bahrains» sah sich Gulf Air veranlasst und launchte verbilligte Ticketpreise für Senioren und Behinderte. Zudem gab es Unstimmigkeiten zwischen Management und Chairman über eine Untersuchung von finanziellen Unregelmässigkeiten bei Gulf Air. Zwar unterstützte Dosé die Ermittlungen – zumal die mutmasslichen Verfehlungen lange vor seinem Antritt begangen wurden. Chairman al-Kooheji allerdings soll auf eigene Faust die Gangart verschärft haben, offenbar mit dem Ziel, mit einer schnellen Erfolgsmeldung bei der Regierung Pluspunkte zu sammeln. Michael Kent, Leiter des «Inflight Entertainment», wurde von der Polizei zeitweise festgehalten und verhört. Selbst wenn bei Kent Schmutz zu finden sein sollte, gilt er intern als «kleiner Fisch». Mit den Einmischungen hätte Dosé rechnen müssen, zumal er die Region kennt – in den Golfstaaten läuft das Führen eines Unternehmens anders als in Europa oder den USA. «Hier wollen sich die Aktionäre stärker ins Tagesgeschäft einschalten, als man gewohnt ist», sagt Robert Strodel, Airline-Berater und ehemaliger CEO der Etihad Airways in Abu Dhabi.

Das alles war zu viel für Dosé, der im kleinen Kreis zugibt, dass Diplomatie nicht zu seinen grössten Talenten zählt. Er habe auf 100 Prozent Eigenständigkeit bestanden, statt sich mit 90 zufrieden zu geben und 10 Prozent Kompromiss in Kauf zu nehmen, sagen Insider. Dosés Sanierungskonzept sah vor, 2500 von 6000 Arbeitsplätzen zu streichen, die Flotte von 34 auf 28 Flieger zu schrumpfen und Arbeitsprozesse nach westlichen Standards zu modernisieren. Er schmiss unrentable Langstrecken, etwa nach Dublin, aus dem Programm und konzentrierte den Flugplan auf profitable Regional- und Nischenverbindungen, wie Peschawar und Kathmandu.

Andererseits half Dosés sture Art laut Insidern, den Umbau voranzutreiben. Zudem habe es das Management geschätzt, dass man sich auf Zusagen verlassen konnte. Chairman al-Koheeji, im Hauptberuf Co-Chef der staatlichen Wirtschaftsholding Mumtalakat, lobte Dosé auch nach dessen Abgang in den höchsten Tönen, der Schweizer habe «in nur vier Monaten so viel geschafft wie kaum möglich». Intern fügte er hinzu: «Wäre ich Richard Branson und die Airline gehörte mir, würde ich Dosé weitermachen lassen.» Dessen Konzept wird um keinen Strich geändert. Lob kommt auch vom direkten Konkurrenten: Ali al-Rais, Topmanager bei Qatar Airways, sagt, inzwischen sei Gulf Air «auf dem richtigen Weg». Interimistisch fungiert nun Björn Näf, den Dosé als Operationschef geholt hatte, als «Acting CEO» und führt das Konzept weiter aus.

Dosé hatte einen Zweijahresvertrag mit Millionensalär. Der Vertrag war kündbar und wurde gekündigt. Gehalt für die geleisteten Monate und einen «fairen Bonus» zusammengenommen, bekam Dosé, wie es heisst, «deutlich» unter einer Million Franken.

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