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Freizeitparks 
Am langen Armband

Disneyland: Funktechnologie soll mehr Besucher und Umsatz generieren.  Keystone

Disney steckt Milliarden in ein neues Rummel-Areal in Shanghai und will mehr über die Konsumgewohnheiten der Besucher erfahren.

Von Peter Steinkirchner und Matthias Hohensee
21.10.2014

«Werte Fluggäste», schallte es aus den Lautsprechern, «der Raumgleiter nach Naboo hebt gleich ab.» Der neue «Star Wars»-Film wirft seinen Schatten voraus. Disney modernisierte bereits die «Star Wars»-Halle im Disney Resort in Tokio und baute sie in einen Weltraumflughafen um. Fiktive Airlines werben mit dem Filmklassiker. Der soll Gäste anlocken und den Umsatz des zweitgrössten Disney-Geschäftsfeld weiter antreiben: Freizeitparks.

Den Löwenanteil zu den Erlösen des Bereichs tragen noch immer die Urparks bei: Disney World in Florida, der weltgrösste Vergnügungspark, und Disneyland in Kalifornien. Allein diese beiden zählten letztes Jahr 75 Millionen Besucher. Es zahlt sich aus, dass CEO Bob Iger in der Rezession nach der Banken und Immobilienkrise 2009 in den Ausbau investierte.

Kontinuierliche Erneuerung des Angebots

Dank ständig neuen Attraktionen kann Disney die Preise erhöhen: Seit diesem Frühjahr müssen Besucher von Disneyland für das Tagesticket 96 Dollar berappen, 4 Dollar mehr als zuvor. Mehr Geld will sich Iger auch auf anderen Wegen holen: Der Schlüssel dazu soll MyMagic+ sein, Disneys Antwort auf Big Data. Hinter dem niedlichen Namen verbirgt sich ein elektronischer Ausweis in Form eines Plastikarmbands mit integriertem Funkempfänger. Es dient als Eintrittskarte, Hotelzimmerschlüssel und zum Bezahlen der Einkäufe im Park. Bestandteil des Programms ist Disneys FastPass+, mit dem sich Fahrgeschäfte bis zu 60 Tage im Voraus buchen lassen.

Neben effizienterer Auslastung erhält Disney so eine Menge Daten über die Gäste: Welche Attraktionen bevorzugen sie? Welche Mitbringsel kaufen sie? In der letzten Weihnaschtssaison hatte der Pass seine Generalprobe im Magic Kingdom in Orlando. «Wir konnten dort damit täglich 3'000 Besucher mehr aufnehmen», prahlte Iger kürzlich.

Rote Zahlen in Paris

Seine konträre Wette auf den US-Markt will Iger in China wiederholen. Trotz Warnungen vor einer konjunkturellen Abkühlung will Disney weitere 800 Millionen Dollar in Disneyland Shanghai investieren. Damit summiert sich die Gesamtinvestition für den Park , dessen Eröffnung für Dezember 2015 geplant ist, auf 5,5 Milliarden Dollar.

Anfang Juli reiste Iger nach Europa. Dort zischen die Besucher jetzt in kleinen blauen Ratten-Mobilen durch die neuste Attraktion im Disneyland bei Paris den Nachbau eines französischen Restaurants. Sieben Jahre nach dem Film «Ratatouille» über eine kreative Ratte, die zum Meisterkoch avanciert, wollen die Parkverantwortlichen den Verlustbringer Euro Disney aufpeppen. Das ist auch nötig: Allein von Oktober 2013 bis März 2014 fiel ein Minus von 175 Millionen Dollar an.

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