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Alibaba-Chef Jack Ma: «Nicht jeder kann nach Harvard»

Wie Alibaba-Chef Jack Ma denkt und handelt
Jack Ma: «Wenn die Leute sagen: Du bist grossartig, sage ich: Nein, bin ich nicht.» Keystone

Jack Ma ist der vielleicht wichtigste Geschäftsmann Chinas. Doch wie tickt der Alibaba-Chef? Am WEF gab er Einblick, was er über Donald Trump, die Elite-Uni Harvard, Amazon und Fälschungen denkt.

Von Caroline Freigang
2017-01-20

Jack Ma ist ein Entertainer. Bei seinem Talk am World Economic Forum in Davos gibt es immer wieder Gelächter aus dem Publikum. Ma weiss, wie er die Leute zum Zuhören kriegt, selbst Kritik dreht er grinsend ins Positive.

Neben seiner Ankündigung, die Olympischen Spiele zu unterstützen, spricht der Alibaba-Chef in Davos auch über den internationalen Handel, die Elite-Uni Harvard und Hollywood. Seine Aussagen geben Einblick, wie der gerade mal 1,50 Meter grosse Milliardär und vielleicht wichtigste Geschäftsmann Chinas tickt.

Jack Ma über...

 

... Donald Trump:

Wie es zum Treffen mit Trump gekommen sei, wisse er auch nicht genau, scherzt Ma. Er erklärt aber, wie er eine Million Jobs, die er Trump versprochen hat, in den USA schaffen will: nämlich indem er kleinen Firmen im mittleren Westen der USA ermöglicht, nach China zu exportieren. Trump sei «aufgeschlossen und hört zu», sagt Ma über den designierten US-Präsidenten. Über Trumps Vorwurf der Währungsmanipulation und die Jobverluste von den USA nach China hätten sie nicht gesprochen. Ein Handelskrieg wäre Ma zufolge aber desaströs für beide Länder: «Wenn der Handel stoppt, stoppt die Welt».

... Harvard:

Ma hat ausserdem einen Rat für die USA: «Man sollte Geld in die eigenen Leute stecken, nicht in Kriege.» Also in Menschen, die keine gute Ausbildung haben. «Nicht jeder kann nach Harvard», so der Alibaba-Chef. Er selbst hatte in vorherigen Interviews erwähnt, zehn Mal von Harvard abgelehnt worden zu sein.

... Jobs:

Hätte man nach 2008 Milliardensummen anstatt in die Rettung der Wall Street in den Aufbau einer Industrie im mittleren Westen investiert, hätte man die jetzigen Probleme nicht, so der Milliardär. US-Firmen hätten jahrzehntelang ihre Produktion nach China und Mexiko ausgelagert und damit massive Profite gemacht. «Es sind nicht die anderen Länder, die euch die Jobs wegnehmen, sondern es ist eure Strategie», richtet er sich an die Amerikaner.

... die Welthandelsorganisation:

Ma macht sich für eine Ergänzung zur Welthandelsorganisation (WTO) stark. Die WTO sei für grosse Firmen geschaffen worden. Auch China habe davon viel profitiert. Er wolle aber eine elektronische World Trade Plattform (eWTP) für kleine und mittelständische Unternehmen schaffen. «Junge Leute und kleine Firmen könnten damit sogar mit ihren Mobiltelefonen über Grenzen hinweg handeln.» Sein Vorschlag liegt derzeit den G20-Mitgliedern vor.

... Amazon:

Den amerikanischen Internethändler sieht er nicht als Konkurrenz. «Amazon ist wie ein Empire, sie kontrollieren alles, was sie kaufen und verkaufen selbst. Wir hingegen wollen ein Ökosystem sein und andere ermächtigen, zu handeln.» Damit hat er grosse Visionen: «Wir wollen die anderen Menschen mächtiger machen als uns selbst und kleinen Firmen erlauben, mit Microsoft und IBM zu konkurrieren. Mit Internettechnologie können wir jedes Unternehmen zu einem Amazon machen.»

... Kritik:

Ma sagt, er liebe Kritik. «Wenn man so gross ist wie wir, muss man alle Kritik anhören. Wenn Menschen uns kritisieren, bin ich glücklich. Es bedeutet Fortschritt.» Wenn Leute ihm nur Komplimente machten, würde er nicht vorwärts kommen. «Wenn die Leute sagen: Du bist grossartig, sage ich: Nein, bin ich nicht.»

... Fälschungen:

Alibaba wird immer wieder dafür kritisiert, dass Anbieter Fälschungen über ihre Plattform verkauften. Man könnte nicht jedes Produkt überprüfen, sagt Ma. Wenn sie allerdings jemanden beim Verkauf von gefälschten Produkten erwischten, löschten sie das Profil und meldeten es den Behörden. «Wir haben im letzten Jahr 400 Personen ins Gefängnis gebracht und 370 Millionen gefälschte Produkte auf unserer Seite gelöscht.» Er fügt hinzu: «Der Kampf gegen Fälschungen ist der Krieg gegen die menschliche Gier.» Alibaba setze dafür 2000 Personen ein.

Er warnt auch die Marken: «Gefälschte Produkte werden immer besser. Es ist beängstigend.» Manchmal sei die Qualität der gefälschten Sachen sogar besser als die der Originale.

... Kredite:

Ebenfalls wird Alibaba für sein System der «Sesam-Kredite» kritisiert. Diese werden kleinen Firmen nach einem Kredit-Scoring-System vergeben, welches Daten von Alibaba-Transaktionen oder Alipay-Zahlungen nutzt um eine Punktzahl zu berechnen. Hat jemand gefälschte Produkte bei Alibaba verkauft, sinkt der Score. Kritiker bemängeln, dass China derzeit einen «Social Score» nach dem Modell Alibabas für seine Bürger entwickele. Hier sollen auch Äusserungen in sozialen Medien oder das Verhalten im Verkehr einberechnet werden.

«Wie stellen Sie sicher, dass Sie nicht das Leben vieler Menschen ruinieren?», fragt jemand im Publikum. «Ich weiss nur, dass wir in einer unsicheren Welt leben», weicht Ma aus. Und: «Ich bin nicht auf diese Welt gekommen um zu arbeiten, sondern um mein Leben zu geniessen. Ich will nicht in meinem Büro sterben, sondern an einem Strand.»

... Hollywood:

Zum Schluss teilt Ma, dass er ein grosser Fan amerikanischer Filme ist. Diese seien nicht so düster wie die chinesischen, in denen der Held am Ende stirbt. Darum will Ma in Hollywood einsteigen. Er sagt: «Reiche Leute sind heutzutage unglücklich, arme Leute sind unglücklich. Filme bringen ein Stück Glück.»

Sein Lieblingsfilm ist Forrest Gump: «Hier habe ich gelernt: Das Leben ist hart.» Wenn die Leute ihn wegen seiner Ideen für verrückt erklärten, habe er sich gedacht: «Forrest Gump sagte: ‹Mach weiter, achte nicht drauf, was die Anderen sagen.›» Ausserdem habe Forrest Gump ihm beigebracht, die kleinen Fische zu fangen, denn: «Niemand macht Geld, indem er Wale fängt, sondern indem er Shrimps fischt. Darum arbeiten wir für die kleinen Businesses.»

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