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US-Expansion 
Airbus fliegt zum Grossangriff auf Boeing

Airbus: Mit dem neuen Werk soll der US-Marktanteil auf 50 Prozent steigen.  Keystone

Grossangriff im Hoheitsgebiet des Erzrivalen: Mit dem ersten eigenen US-Werk rückt Airbus Boeing auf die Pelle. Doch können die Europäer wirklich an der amerikanischen Vorherrschaft rütteln?

Veröffentlicht 14.09.2015

Airbus dringt mit der Eröffnung einer ersten Fabrik in den USA ins Hoheitsgebiet des grossen Konkurrenten Boeing ein. Die Europäer setzen auf günstigere Produktionsbedingungen und das wichtige Label «Made in USA». Doch die Expansion ist nicht ganz unumstritten.

Startschuss für den Grossangriff im Heimatmarkt des Erzrivalen: Der europäische Flugzeugriese Airbus rückt dem US-Konkurrenten Boeing mit dem ersten eigenen Werk in den Vereinigten Staaten auf die Pelle.

Die Konzernführung von Airbus setzt grosse Hoffnungen auf die Endmontagelinie für Mittelstrecken-Jets der A320-Familie, die am (heutigen) Montag in Mobile (Bundesstaat Alabama) eröffnet wird. Dabei stellt sich aber augenblicklich die Frage: Können die Europäer wirklich an Boeings Vorherrschaft rütteln?

US-Expansion strategisch wichtig

Geht es nach Airbus-Chef Fabrice Brégier, muss sich die Konkurrenz warm anziehen. «Wir hoffen, dass wir den Marktanteil in den USA auch mit Hilfe des neuen Werks auf 50 Prozent steigern können», sagte der Franzose der Zeitung «Welt am Sonntag». Als 2012 die Entscheidung für Mobile gefallen sei, habe der Airbus-Anteil in den Flotten der US-Fluggesellschaften noch bei knapp 20 Prozent gelegen. «Einschliesslich der Neuaufträge in den letzten zwei Jahren ist er schon auf 40 Prozent geklettert», berichtete Brégier.

Für Airbus geht es bei der US-Expansion aber um weit mehr, als dem einzig bedeutenden Wettbewerber Boeing eins auszuwischen. «Wir glauben, dass es strategisch wichtig ist, nicht nur in Europa, sondern auch in den zwei Schlüsselmärkten USA und China verwurzelt zu sein», erklärt Brégier. Airbus hat weltweit bislang nur drei Endfertigungslinien für A320-Maschinen - in Hamburg, Toulouse und seit 2008 im chinesischen Tianjin.

Erste Flugzeuge im nächsten Jahr

Der Vorstoss nach China war zunächst umstritten, gilt aber inzwischen als Erfolg. Die dabei gesammelten Erfahrungen sollen nun helfen, die Produktion auch in den USA rasch auszubauen. Im Frühjahr 2016 soll das erste Flugzeug in Mobile ausgeliefert werden, 2018 will Airbus pro Monat bereits vier Maschinen in Alabama montieren. Der Konzern hat dabei vor allem seine US-Kunden im Visier.

Die USA sind der weltgrösste Markt für Maschinen mit Standardrumpf, also mit nur einem Mittelgang und meist sechs Sitzen je Reihe. Airbus rechnet damit, dass die Nachfrage nach diesen Modellen in den kommenden Jahren kräftig zunimmt. Das spielt den Europäern in die Karten, denn mit der A320-Familie haben sie in diesem Segment den grössten Verkaufsschlager im Angebot. Das Unternehmen sitzt auf Tausenden Aufträgen und kommt mit der Produktion kaum hinterher.

Keine Gewerkschaften

Die 600 Millionen Dollar teure und 470'000 Quadratmeter grosse Fabrik in den USA schafft also nötige Produktionskapazitäten - denn Hamburg, Toulouse und Tianjin sind ausgelastet. Trotzdem ist der Bau nicht unumstritten. Kritik, dass Airbus in Boeings Heimatland über 1000 Arbeitsplätze schafft und im heimischen Rüstungsbereich zugleich Tausende Stellen streicht, will man aber nicht gelten lassen. Für jeden Job in Mobile entstünden vier neue in Europa, heisst es bei Airbus.

Denn in den USA werden die Flugzeuge lediglich zusammengesetzt - das seien gerade mal fünf Prozent der Flugzeugproduktion. Die Tragflächen, die einzelnen Rumpfabschnitte, die Heckflosse und andere Teile werden in Hamburg gefertigt und per Schiff über den Atlantik gebracht. Obwohl dieser Transport ins Geld geht, glaubt die Airbus-Führung, in Alabama kostengünstiger herstellen zu können. «Der US-Markt hat eindeutig einen Wettbewerbsvorteil», sagt Brégier.

«Made in USA» wichtiges Label

In Mobile gibt es keine Gewerkschaften. Doch der Airbus-Chef stellt nicht nur auf Löhne und Arbeitnehmerrechte ab: «Die Produktionskosten umfassen ja nicht nur Gehälter, sondern auch die Anwendung neuester, effizienter Produktionstechniken.»

Diese Vorteile würden die zusätzlichen Transportkosten mehr als wettmachen. Zudem setzt Airbus stark auf das Label «Made in USA». «In Amerika ist es wichtig zu zeigen, dass die Flugzeuge im Land gefertigt werden», sagt Brégier. Das sei ein Pluspunkt, der den Ausschlag geben könne.

(sda/ccr)

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