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Insolvenz 
Air-Berlin-Pleite: Der Schlusspunkt eines Siechtums

Das Ende eines Sinkfluges: Air Berlin ist pleite
Air Berlin: Die Fluggesellschaft hat Insolvenz angemeldet. Keystone

Air Berlin ist pleite. Seit Jahren hing die notorisch defizitäre Airline am Tropf von Etihad. Nun zog der Grossaktionär die Reissleine. Um den weiteren Flugbetrieb zu gewährleisten, hilft der Staat.

Air Berlin ist pleite. Mitten in der Urlaubszeit hat die zweitgrösste deutsche Fluggesellschaft am Dienstag Insolvenzantrag gestellt. Ihr Grossaktionär und Geldgeber Etihad Airways hatte ihr zuvor den Geldhahn zugedreht. Der komplette Flugbetrieb solle mit Hilfe eines 150 Millionen Euro schweren Überbrückungskredits der Staatsbank KfW weitergehen, erklärten das Wirtschafts- und Verkehrsministerium in Berlin.

Der Kredit ist mit einer Bundesbürgschaft abgesichert. Mit Marktführer Lufthansa und einer weiteren, nicht genannten Fluggesellschaft liefen bereits Verhandlungen über die Übernahme von Teilen von Air Berlin. Diese seien weit fortgeschritten und könnten bereits in wenigen Wochen abgeschlossen werden, sagte Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD).

Am Tropf von Etihad

Der Insolvenzantrag beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg ist der vorläufige Schlusspunkt eines jahrelangen Siechtums von Air Berlin. Der notorisch defizitäre Lufthansa-Rivale war von seinem Grossaktionär Etihad immer wieder mit Krediten gestützt worden. Insgesamt haben die Araber einen Milliardenbetrag in Air Berlin gesteckt. Die Fluggesellschaft aus Abu Dhabi war 2011 bei Air Berlin eingestiegen und hält nur knapp 30 Prozent an Air Berlin, diese hing damit aber de facto am Tropf von Etihad.

Der Grossaktionär zog nun die Reissleine: Etihad Airways habe erklärt, «keine weitere finanzielle Unterstützung zur Verfügung zu stellen», teilte der Air-Berlin-Vorstand um den ehemaligen Lufthansa-Manager Thomas Winkelmann mit. Damit sei die positive Fortführungsprognose weggefallen. Diese ist nach dem deutschen Insolvenzrecht die Voraussetzung dafür, dass ein überschuldetes Unternehmen weitermachen kann, ohne zum Insolvenzrichter zu gehen. Die Fluggesellschaft will sich in Eigenverwaltung, also ohne einen Insolvenzverwalter sanieren. Das muss allerdings vom Insolvenzrichter genehmigt werden. Niki soll aus der Insolvenz herausgehalten werden.

Lufthansa will Teile von Air Berlin übernehmen

Die Lufthansa erklärte, sie unterstütze zusammen mit der Bundesregierung die Sanierung von Air Berlin. Sie hat ein Interesse daran, weil sie Flugzeuge von Air Berlin geleast hat, die für ihre Töchter Eurowings und Austrian Airlines fliegen. Gespräche über die Übernahme von Teilen von Air Berlin liefen bereits. «Lufthansa beabsichtigt, diese Verhandlungen zu einem schnellen und positiven Ergebnis zu führen», hiess es in der Mitteilung. Das biete «auch die Möglichkeit zur Einstellung von Personal».

Air Berlin beschäftigte laut Geschäftsbericht zuletzt rund 8500 Mitarbeiter. «Wir haben grosse Sorge um die Arbeitsplätze der Beschäftigten», erklärte die Gewerkschaft Verdi. «Unser Priorität liegt jetzt auf der Sicherung der Arbeitsplätze», sagte Bundesvorstandsmitglied Christine Behle.

Air Berlin versuchte die Kunden zu beruhigen: «Alle Flüge der Air Berlin und NIKI finden weiterhin statt. Die Flugpläne bleiben gültig. Gebuchte Tickets behalten ihre Gültigkeit. Alle Flüge sind weiterhin buchbar», hiess es auf der Website der Fluggesellschaft.

«In einer beispiellosen Geschwindigkeit verschlechtert»

Etihad begründete den abrupten Rückzug mit dem eingetrübten Geschäft von Air Berlin. Erst im April hatte Eithad weitere 250 Millionen Euro zugeschossen. «Doch das Geschäft von Air Berlin hat sich in einer beispiellosen Geschwindigkeit verschlechtert», hiess es in einer Mitteilung. Etihad könne kein weiteres Geld geben und damit das eigene Risiko erhöhen.

«Diese Entwicklung ist äusserst enttäuschend für alle Beteiligten, vor allem da Etihad in den vergangenen sechs Jahren weitreichende finanzielle Unterstützung für Air Berlin während früherer Liquiditätskrisen und für deren Sanierungsbemühungen gewährt hat.» Zwei Etihad-Vertreter im Verwaltungsrat hätten ihre Ämter niedergelegt.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit kritisierte Etihad scharf. Die Araber hätten einen Verkauf vor der Pleite blockiert. «Etihad lässt die Air Berlin fallen wie eine heisse Kartoffel, obwohl neue Investoren Interesse signalisiert haben», erklärte die Gewerkschaft. «Es ist ein Skandal, dass sich Etihad nun jeder Verantwortung entzieht und die Air-Berlin-Mitarbeiter im Regen stehenlässt», sagte VC-Präsident Ilja Schulz. Etihad sei es primär um seine eigenen strategischen Interessen und die Anbindung an Europa gegangen. Dabei habe die Fluggesellschaft «seit Jahren Fehlentscheidungen getroffen».

(reuters/ccr)

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