Ulrich Spiesshofer wird zum Chef einer Grossbaustelle. Bei seinem ABB-Konzern bleibt kein Stein auf dem andern, wie er heute beim Strategy-Update angekündigt hat. Der Konzern wird neu sortiert, es wird abgespalten, die Länderorganisationen aufgelöst, neue Partnerschaften eingefädelt, die Kosten weiter gedrückt.

Treiber von Spiesshofers Aktionismus auf allen Fronten sind zwei Dinge: Zum einen die Digitalisierung, die man zu spät angegangen ist – und welche längst jede Sparte der Industrie erfasst hat. Zum anderen sind da die frustrierten Aktionäre, die endlich einen Lichtblick am Horizont erkennen wollen. Sie sind es satt, immer mit neuen «Next-Level»-Ankündigungen abgespeist zu werden, die sich dann doch nicht im Endergebnis niederschlagen. Die Geldgeber werden heute aus dem Mund von Spiesshofer gerne vernommen haben, dass sie auf seiner Prioritätenliste ganz nach oben gerutscht sind und inskünftig für ihre Treue stärker entschädigt werden sollen. Die Dividende wird heuer weiter erhöht, kündigte Spiesshofer an. Die Botschaft wurde von den Märkten positiv aufgenommen.

Die Mitarbeiter müssen sich warm anziehen

In den nächsten 18 Monaten ist ABB eine Baustelle, auf der Schweiss fliesst und Späne fliegen. Dass die Zeiten ziemlich unruhig werden, hat man sich auch selber zuzuschreiben. Viel zu lange hat Spiesshofer an der byzantinischen Matrix-Organisation für seinen Konzern festgehalten. Nun muss nachgebessert werden. Deshalb wird der Konzern jetzt von einer Welle von Umbauprogrammen auf allen Ebenen erfasst. Für die 110'00 Mitarbeitenden werden die nächsten Monate ziemlich ruppig werden.

Was für Spiesshofers Kurs spricht. Mit Sicherheit ist dieser Totalumbau mit den wichtigsten Aktionären – der Wallenberg-Familie und Cevian – bis in alle Details abgestimmt. Sie werden darüber wachen, dass der geforderte ABB-Chef zeitgerecht liefert, was er heute versprochen hat. Kann Spiesshofer liefern, wird Ruhe ins Aktionariat einkehren. Dann werden alle am gleichen Strick ziehen. Das war in der Vergangenheit ganz anders: In den letzten zwei Jahren haben die internen Debatten über die Strategie viel Management-Kapazitäten absorbiert. Nun kann man sich das Führungsteam endlich auf den Umbau fokussieren.

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