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Interview 
«99 Prozent der Innovation geschieht ausserhalb»

Severin Schwan: «Ich habe viele Fehler gemacht.» (Bild: Keystone)

Warum sich Roche-Chef Severin Schwan für dreidimensionale Zellkulturen interessiert, wo er nach Neuerungen sucht und wie er mit Fehlern umgeht.

Von Aline Martinoli
17.01.2014

Letzten Mittwoch fand an der ETH Zürich zum neunten Mal der Start-up-Wettbewerb Venture statt. 239 Jungunternehmer aus der ganzen Schweiz reichten ihre Businessidee ein – zehn davon wurden ausgezeichnet. In der Jury sassen bekannte Unternehmer und Investoren, darunter Severin Schwan, CEO des Pharmariesen Hoffmann-La Roche.

BILANZ: Herr Schwan, Sie haben heute Abend die unterschiedlichsten Geschäftsideen von jungen Unternehmen kennengelernt. Welches Konzept hat Sie am meisten beeindruckt?
Severin Schwan: Ich habe mich natürlich vor allem auf die Projekte im Pharma, Biotech und Diagnostik-Bereich konzentriert. Da hat mich das Projekt Cell Spring beeindruckt.

Was ist das Besondere an diesem Projekt?
Der Ansatz, dass Medikamente an dreidimensionalen Zellkulturen getestet werden, finde ich interessant. Denn im dreidimensionalen Bereich können die Mechanismen des menschlichen Körpers besser erkannt werden. Das Verfahren kann also helfen, Medikamente besser beurteilen zu können.

Ist das Verfahren technisch umsetzbar?
Wie gesagt, der Ansatz ist interessant. Ob es dann auch umsetzbar ist, kann ich nicht beurteilen.

Roche setzt sich stark für Jungunternehmer ein. Inwiefern profitiert das Unternehmen davon?
Die externe Innovation ist für uns entscheidend. 99 Prozent der Innovation geschieht ausserhalb von Roche. Wenn wir an der Spitze bleiben wollen, dann ist es wichtig, dass wir uns in diese externen Netzwerke einklinken können.

Haben Sie denn auch schon mal privat in ein Start-up investiert?
Nein, das habe ich nicht. Aber es reizt mich.

In Ihrem Vortrag erwähnten Sie, dass Kreative viel Raum für neue Ideen benötigen. Wie schaffen Sie sich diesen?
Man muss sich vor allem überlegen, mit was man die Zeit verbringen will. Es geht uns ja allen so, dass wir für viele Dinge zu wenig Zeit haben. Wichtig ist, sich pro-aktiv den notwendigen Raum zu verschaffen. Das geschieht nicht von selbst. Man muss sich überlegen, worin man wirklich gut ist und was man lieber anderen überlässt.

Viele Jungunternehmer scheitern an ihrer Idee und machen Fehler. Ihre Devise lautet: Fehler sollte man feiern. Welches sind Fehler, die Sie gemacht haben?
Ich habe viele Fehler gemacht (lacht). Schliesslich ist aber wichtig, dass die guten Entscheidungen überwiegen. Im Personalbereich passieren oft Fehler. So setzt man auf Personen, von denen man sich viel versprochen hat und merkt danach, dass diese der Aufgabe nicht gewachsen sind. Umgekehrt werde ich aber auch immer wieder überrascht. Wichtig ist, dass man auch mal Risiken eingeht. Hat man ständig Angst vor falschen Entscheidungen, führt das letztlich zum Stillstand.

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