Die Papierfabrik Sappi in Biberist SO stellt ihren Betrieb nach 149 Jahren ein. Insgesamt 550 Mitarbeitende verlieren den Job. Der südafrikanische Konzern Sappi konnte keinen neuen Investor für die «Papieri» finden. Ende August werden die Maschinen gestoppt.

Es sei trotz intensiver Bemühungen nicht gelungen, für die Papierfabrik einen Käufer zu finden, begründete Berry Wiersum, Verwaltungsratspräsident von Sappi Fine Paper Europe, am Mittwoch vor den Medien in Biberist die Schliessung. Ende August werde daher auch die Produktionslinie von ungestrichenem Papier eingestellt.

Betroffen von der definitiven Schliessung sind gemäss Sappi insgesamt 550 Mitarbeitende. 134 von ihnen waren bereits im Mai entlassen worden. Laut Wiersum wurde mit den Gewerkschaften ein Sozialplan vereinbart.

Bedingungen nicht erfüllbar

Auf der Suche nach einem geeigneten Käufer seien in den letzten Wochen Gespräche mit zehn Interessenten geführt worden, hielt Wiersum fest. Zwei davon stammten aus der Papierbranche.

Ein möglicher Investor habe jedoch Bedingungen gestellt, die Sappi nicht habe erfüllen können. Dieser habe «sehr viel mehr als 10 Millionen Franken» von Sappi gefordert, um das Werk zu übernehmen. Bis Dienstag sei man jedoch noch «hoffnungsvoll» gewesen.

Man habe jedoch handeln müssen. Der Weiterbetrieb des Werkes koste viel Geld, das sonst für den Sozialplan fehlen werde. «Wir bedauern sehr, was passiert ist», hielt der Verwaltungsratspräsident fest.

Schwieriger Markt

Die Marktumstände für gestrichenes Papier seien derzeit «grauenhaft», erläuterte Wiersum. Die Energie- und Rohstoffkosten seien sehr hoch. Man habe keine andere Wahl gehabt. Mit der Einstellung der Produktion von gestrichenem Grafikpapier in Biberist senkt Sappi die Kapazität um 500'000 Tonnen jährlich.

Das Volumen der Produktion von gestrichenem Grafikpapier werde an andere Sappi-Standorte in Europa verlagert, hiess es. Während der Schliessung und Verlagerung des Werkes und der Produktion komme es für die Kunden zu keinen Lieferunterbrüchen.

«Brutal»

Die Gewerkschaft Unia bezeichnete das Aus für die Papierfabrik als "brutal". Sie warf Sappi eine "Salamitaktik" vor. Die bis Ende Juli gewährte "Galgenfrist", um einen neuen Investor zu finden, sei "schneller als erwartet mit fertigen Tatsachen beendet worden", hielt Unia in einer Medienmitteilung fest.

Der Gemeindepräsident von Biberist, Martin Blaser, sprach von einem "traurigen Tag für alle". Für die Gemeinde sei es ein «rabenschwarzer Tag». Die Gemeinde verliere "ein Stück ihrer Tradition".

In einem Communiqué zollte der Gemeinderat der Industriegemeinde den Mitarbeitenden der "Papieri" grosse Anerkennung. Trotz des grossen emotionalen Drucks hätten sie sich bis zuletzt "völlig korrekt und loyal" gegenüber ihrem Arbeitgeber verhalten.

Ein Ende in Schritten

Ende März hatte Sappi die Schliessung des Standorts Biberist in Aussicht gestellt. Arbeitnehmervertreter und die Geschäftsleitung präsentierten danach Vorschläge zur teilweisen Weiterführung der Papierfabrik. So sollte die Produktion auf Verpackungspapier umgestellt werden.

Bereits Mitte Mai hatte Sappi jedoch die Aufgabe von Teilen des Betriebes beschlossen. 134 Mitarbeitern wurde gekündigt, die bislang gestrichenes Grafikpapier hergestellt hatten.

Gleichzeitig hatte Sappi angekündigt, die zwei anderen Papiermaschinen, auf denen ungestrichenes Papier produziert wird, bis Ende Juli weiter laufen zu lassen. Das sollte die Chance erhöhen, einen neuen Investor zu finden.

(laf/rcv/sda)

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