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Auswirkungen 
«40 Prozent weniger Gewinn wegen Mindestkurs»

Fraisa-Chef Josef Maushart sieht sein Geschäft in der Schweiz bedroht.  PR

Vielen kleinen und mittleren Firmen macht der SNB-Entscheid zu schaffen. Welche neuen Herausforderungen sich nun stellen, schildert erstmals der Chef des Schweizer Werkzeugherstellers Fraisa.

Von Corinna Clara Röttker und Mathias Ohanian
21.01.2015

Nach der Aufgabe der Frankengrenze erwartet die Herstellerin von Präzisionswerkzeugen Fraisa mit Sitz in Bellach SO eine wesentliche Beeinträchtigung ihres Geschäftes in der Schweiz. «Die Aufhebung des Mindestkurses wird uns kurzfristig 30 bis 40 Prozent unseres Jahresgewinns kosten», sagt Unternehmensleiter Josef Maushart*. Die Auswirkungen seien damit zwar erheblich, jedoch nicht bedrohlich.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Grundlagen für den laufenden Budgetprozess für das kommende Geschäftsjahr nun wesentlich geändert haben. So manche Stellgrösse werde nun neu bewertet werden müssen. Dies teilte die Geschäftsleitung bereits einen Tag nach dem SNB-Entscheid auch der eigenen Belegschaft in einem Communiqué mit. Grund für kurzfristige Massnahmen sehe man bislang jedoch weder in der Schweiz noch an anderen Standorten.

Neue Jobs im Ausland statt in der Schweiz

Der Fall der Fraisa AG steht stellvertretend für viele Unternehmen in der Schweiz. Nachdem die SNB am Donnerstag die Mindestgrenze des Franken zum Euro aufgehoben hatte, legte der Wert der Schweizer Währung um gut 15 Prozent zu – ein Schock vor allem für viele exportorientierte Firmen, weil ihre Waren im Ausland nun teurer werden. SNB-Präsident Thomas Jordan begründete den Schritt damit, dass Schweizer Firmen seit Einführung des Mindestkurses 2011 bis heute genügend Zeit hatten, sich anzupassen.

Fraisa-Chef Maushart hatte sich hingegen einen schrittweisen Ausstieg gewünscht, das Ende des Mindestkurses aber dennoch erwartet: Die vergangenen Jahre wurden genutzt, das Unternehmen hat noch stärker darauf geachtet, die Wertschöpfung auf mehrere Währungsräume zu verteilen – um die Abhängigkeit von der Euro-Zone zu verringern. «Konkret bedeutet das nach einem schmerzhaften Anpassungsprozess in der Krise 2009/10: eine stabile Personalstruktur in der Schweiz und ein Wachstum um 80 Personen im Ausland.»

«Schweizer Markt wird an Bedeutung verlieren»

Heute ist die Fraisa in insgesamt vier Währungsräumen vertreten – bezahlt wird mit Franken, Euro, Ungarischer Forint und US-Dollar.

Für den hiesigen Standort ist das nicht unproblematisch: Durch den SNB-Entscheid werde der Schweizer Markt gegenüber der Europäischen Union an Bedeutung verlieren, sagt Maushart: «Eine Folge des SNB-Entscheids wird sein, dass das Nachfragevolumen in der Schweiz sinken wird. Auch die Preise werden sinken, was für inländische Hersteller sehr hart ist.»

Neuverhandlung der Bilateralen belastet

Den eingeschlagenen Weg will die Fraisa weitergehen. Das heisst: Bei stabilem Personalbestand die Produktivität steigern. Bedroht werde dieser Weg jedoch durch einen allfälligen Mangel an Arbeitskräften und die mögliche Neuverhandlungen der bilateralen Verträge. Für die Schweizer KMUs sei der Zugang zu den europäischen Märkten von den Folgen des 9. Februars 2014 abhängig. «Ich sehe die Lösung noch nicht, habe aber die Hoffnung auf den Erhalt der Bilateralen noch nicht aufgegeben.»

Vor dem Hintergrund lautet für Maushart daher die Frage, ob man zu diesen Absatzpreisen noch rentabel produzieren kann. «Das wird für kleinere, rein national agierende Firmen teils schwierig werden.»

*Josef Maushart (49) ist Chef und Mehrheitsaktionär der Präzisionswerkzeugherstellerin Fraisa AG mit 520 Mitarbeitenden und Sitz in Bellach SO. Zudem ist er Präsident des Industrieverbands Solothurn Inveso und der Volkshochschule Region Solothurn. Der deutsch-schweizerische Doppelbürger lebt seit 1990 in der Schweiz, ist verheiratet und hat drei Kinder.

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