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Innovation 
Warum Tag Heuer und Co. die Smartwatch brauchen

Noch ist die Smartwatch keine Gefahr für die Schweizer Uhrenindustrie. Doch an der Baselworld setzen einige Luxusmarken trotzdem auf die Computeruhren. Und das mit gutem Grund.

Von Gabriel Knupfer
17.03.2016

Die Baselworld 2016 steht im Zeichen der Frankenstärke und der schwächeren globalen Wirtschaft. Doch während die ganze Branche 2015 einen Umsatzschwund hinnehmen musste und auch in diesem Jahr keine grosse Besserung in Sicht scheint, geben sich die einzelnen Marken an der internationalen Uhren- und Schmuckmesse optimistisch.

Star der Baselworld 2016 könnte Tag Heuer werden. Mit Tag Heuer Connected gelang es dem LVMH-Konzern ins Segment der Smartwatches vorzudringen. Das ist wichtig: Denn obwohl Computeruhren bisher nur das unterste Preissegment der Schweizer Hersteller tangieren, steckt in ihnen doch ein gewaltiges Entwicklungspotenzial für die Zukunft.

Schweizer Luxusuhren überholt

Nach Stückzahlen haben Smartwatches 2015 erstmals den Absatz der Schweizer Uhren-Industrie überholt, berechneten Marktforscher kürzlich. Es sei gut möglich, dass intelligente Uhren in zehn Jahren auch bei Tag Heuer 50 Prozent oder mehr der Verkäufe ausmachen werden, sagte heute CEO Jean-Claude Biver an der Baselworld.

Vom Erfolg der Connected sei man jedenfalls regelrecht überfahren worden. Die 20'000 produzierten Exemplare wurden in nur vier Monaten verkauft. Um die Nachfrage zu befriedigen, müssen in diesem Jahr laut Biver 60'000 weitere Computeruhren hergestellt werden. 2017 sollen dann sogar 200'000 Smartwatches von Tag Heuer verkauft werden.

«Einstieg in die Marke»

«Wir glauben an das Produkt, den Markt und die Technologie», so Biver an der Pressekonferenz. Der Absatz von traditionellen Uhren werde dadurch nicht kannibalisiert, erklärte Biver, im Gegenteil: «Die Connected ist für junge Leute ein Einstieg in die Marke, Smartwatch und klassische Uhr promoten sich gegenseitig.»

Das Problem der schnelllebigen Technologie hat Tag Heuer auf ziemlich clevere Art gelöst. Schliesslich ist es nicht jedermanns Sache, 1400 Franken für eine Smartwatch der ersten Generation zu bezahlen, die sicherlich bald überholt sein wird. Ist die Uhr veraltet, kann sie frühestens nach zwei Jahren für weitere 1400 Franken in eine normale Tag Heuer umgewandelt werden. Die Firma rechnet damit, dass etwa zehn Prozent der Kunden das Angebot einlösen werden.

Frédérique Constant wächst mit Smartwatch

Auch das Genfer Unternehmen Frédérique Constant ist laut Bilanz-Marken-Lexikon zuletzt um zehn Prozent gewachsen – und dies in einem insgesamt rückläufigen Markt. Für CEO Peter Stas liegt der Grund für diese Zunahme vor allem an der Smartwatch, die ab etwa 1000 Franken zu haben ist.

16'000 Stück hat man nach eigenen Angaben von der «Horological Smartwatch» verkauft. Auch Frédérique Constant setzt damit auf «erschwinglichen Luxus». Der Preis liegt zwar klar über der Apple Watch, die in der Schweiz je nach Ausstattung mindestens 400 Franken kostet, doch weit unter dem üblichen Preis für eine Schweizer Luxusuhr.

«Davon wird die ganze Industrie profitieren»

Um zu sehen, ob die heutigen Smartwatch-Käufer tatsächlich auch die Luxusuhren von morgen kaufen werden, müssen noch einige Jahre ins Land gehen. Doch für viele Beobachter ist klar, dass die Hersteller mit der Zeit gehen müssen. «Davon wird die ganze Industrie profitieren», zeigt sich auch Biver überzeugt.

Denn auch wenn Smartwatches noch keine Gefahr für das Kerngeschäft der Uhrenhersteller sind – dazu sind sie einfach zu billig und schnelllebig – so weiss heute noch niemand, wie die Sache in einigen Jahren aussehen wird. Selbst Smartwatch-Skeptiker wie François Thiébaud, Konzernchef der Swatch-Marken Tissot, Certina und Mido sagte kürzlich: «Viele junge Leute interessieren sich für sie, aber später werden sie eine Schweizer Uhr haben wollen».

1500 Aussteller aus 40 Ländern

Die Baselworld findet 2016 vom 17. bis zum 24. März statt. Mehr als 1500 Aussteller aus 40 Ländern sind in diesem Jahr ans Rheinknie gekommen. Auf über 140'000 Quadratmetern versammelt sich alles, was in der Schmuck- und Uhrenbranche Rang und Namen hat.

Besonders im Rampenlicht stehen die Schweizer Luxusmarken der Uhrenkonzerne Swatch und LVMH, welche die grössten und prunkvollsten Stände in der prestigeträchtigen Halle 1 belegen.

Die Baselworld ist im digitalen Zeitalter angekommen:

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