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Warum der Dalai Lama eine Schweizer Luxusuhr hat

Warum der Dalai Lama eine Schweizer Luxusuhr hat
Der Dalai Lama und seine Taschenuhr: Geschichte wie aus einem Agentenroman. Patrick Leahy

Das geistliche Oberhaupt der Tibeter besitzt eine wertvolle Taschenuhr von Patek Philippe. Geschenkt wurde sie ihm vor über 70 Jahren von einem Protagonisten des Zweiten Weltkrieges.

Von Gabriel Knupfer
Aktualisiert vor 24 Minuten

Lange Zeit war die wertvolle Taschenuhr des Dalai Lamas nur wenigen Eingeweihten bekannt. Erst im vergangenen Sommer tauchten erstmals scharfe Fotos der Uhr auf, als der US-Senator Patrick Leahy Bilder auf Facebook postete (siehe oben). Bis dahin hatte die tibetische Exilregierung Anfragen von Journalisten zur Uhr, von der man schon lange wusste, konsequent abgelehnt. Sie fürchtete vermutlich, dass die chinesische Propaganda das Thema ausschlachten könnte.

Die Uhr hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Der Dalai Lama bekam die Patek Philippe 1943 als kleiner Junge von Franklin Delano Roosevelt geschenkt. Der amerikanische Präsident schickte während des Zweiten Weltkrieges zwei Abgesandte nach Tibet, um die Möglichkeiten einer Strassenverbindung zwischen Indien und China auszuloten. Diese sollte den Nachschub der chinesischen Truppen im Kampf gegen die Japaner sichern.

Mehrfach in die Schweiz zurückgekehrt

Wie die Uhr dem jungen Dalai Lama überreicht wurde, erzählt der Autor Thomas Laird in seinem Buch über das geistliche Oberhaupt der Tibeter. Die Agenten, einer von ihnen war der Enkel des russischen Nationalschriftstellers Leo Tolstoi, hätten dem Dalai Lama die Uhr schweigend mit einem Brief des Präsidenten übergeben. Der Dalai Lama, der damals sieben oder acht Jahre alt war, gab ihnen dafür einen traditionellen Begrüssungsschal («Khata»).

Die Patek Philippe musste in den letzten 70 Jahren mehrmals repariert werden. So war die Uhr beispielsweise 1959 für Reparaturen in der Schweiz, als der Dalai Lama von Lhasa nach Indien ins Exil ging. Obwohl der Dalai Lama nach eigenen Angaben ein gewisses Talent für Uhrenreparaturen hat, überliess er die Patek Philippe wohlweislich den Genfer Profis.

15 Exemplare produziert

Auf den Fotos des Senators hat Eric Wind vom Uhrenmagazin «Hodinkee» die Patek Philippe als Referenz 658 identifiziert. Vom seltenen Stück wurden zwischen 1937 und Ende der 1950er Jahre nur etwa 15 Exemplare produziert. Sie trägt die ältere Signatur «PATEK, PHILIPPE & Co.» anstelle der neuen Inschrift «PATEK PHILIPPE.».

Der Wert der Uhr ist schwer abschätzbar. Beim Auktionshaus Christie's erzielte eine neuere Version der Referenz 658 im Jahr 2010 etwa 350'000 Franken. Andere Exemplare kamen in den letzten Jahren für rund 250'000 Franken unter den Hammer.

Enormer Sammlerwert

Eric Wind schätzt die Uhr des Dalai Lamas, die deutliche Gebrauchsspuren aufweist, auf 150'000 bis 250'000 Dollar. Bedenke man jedoch die Herkunft und Geschichte der Patek Philippe läge der Preis wohl weit höher, so der Experte.

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