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Uhrenbranche fasst höhere Euro-Preise ins Auge

Uhren beim SIHH: Auf der Uhrenmesse ist der starke Franken eines der grossen Gesprächsthemen.Keystone

Auf dem SIHH in Genf ist der starke Franken eines der grossen Gesprächsthemen. Einige Hersteller von Luxusuhren haben sich bereits für höhere Euro-Preise entschieden, andere ziehen ihn in Betracht.

Veröffentlicht 22.01.2015

Die Schweizer Uhrenbranche fasst aufgrund der Frankenstärke nach der Aufgabe des Euro-Mindestkurses höhere Euro-Preise für ihre Produkte ins Auge. Bei einigen Herstellern von Luxusuhren ist der Entscheid bereits gefallen, andere ziehen ihn in Betracht.

An dem noch bis am (morgigen) Freitag geöffneten Uhrensalon in Genf (SIHH), wo 16 Hersteller im gehobenen Preissegment ihre Produkte ausstellen, ist der starke Franken eines der grossen Gesprächsthemen.

Uhrenhersteller sitzen im gleichen Boot

Grundsätzlich sieht IWC-Chef Georges Kern mit der Frankenstärke keine allzu grossen Probleme auf die Haute Horlogerie zukommen. «Wir sitzen alle im gleichen Boot», sagte er am Donnerstag in einer Gesprächsrunde mit Journalisten. Er verwies auf die Tatsache, dass Luxusuhren fast ausschliesslich in der Schweiz hergestellt werden.

Er gehe davon aus, dass die Schweizer Uhrenindustrie auch diese Krise gut überstehen werde, sagte Kern. Die Branche sei nun aber gefordert, die Produktivität zu verbessern. Mit der liberalen Gesetzgebung in der Schweiz sei dies möglich.

Potenzial zur Kostensenkung sieht der Chef der in Schaffhausen beheimateten Firma namentlich bei Grenzgängern, die mit der Frankenstärke unter dem Strich deutlich mehr verdienen.

Keine hohen Wellen geschlagen bei Kunden

Kundenseitig habe der starke Franken keine allzu hohen Wellen geworfen, so Kern weiter. Das habe man auch in Genf in Kundengesprächen festgestellt. US-Dollar-Kunden schenkten den neuen Währungsverhältnisse kaum Beachtung.

Uhrenverkäufer in Euro dürften sich gegenüber anderen Uhrenhändlern über vergleichsweise attraktive Preise freuen. Dies komme etwa im Geschäft mit Touristen zum Tragen. Vor allem Asiaten wüssten bereits bevor sie eine Europa-Reise antreten würden, wo sie welche Uhr zu welchem Preis kaufen könnten.

«Wir werden die Preise unserer Produkte in Euro um 5 bis 7 Prozent erhöhen», erklärte der IWC-Chef. Gleichzeitig werde man die Frankenpreise leicht senken. Damit sollen die Uhrenverkäufer hierzulande ihre Stellung im globalen Vergleich verteidigen können.

Preiserhöhungen in Euro

Der Richemont-Konzern, der mit Marken wie Cartier, IWC, Piaget oder Jaeger LeCoultre in Genf vertreten ist, hat angekündigt, dass für den Euroraum Preiserhöhungen in einer Bandbreite von 5 bis 7 Prozent in Betracht gezogen würden.

Das Flaggschiff der Richemont-Gruppe, der Uhren- und Schmuckhersteller Cartier, will beispielsweise die Preise in Euro um 5 Prozent anheben, wie an einer Präsentation der neuen Produktlinien erklärt wurde.

Preiserhöhungen in einer ähnlichen Grössenordnung haben die ebenfalls zum Richemont-Konzern zählenden Luxusmarken Roger Dubuis oder Jaeger LeCoultre in Erwägung gezogen.

Piaget hat Preiserhöhungen im Umfang von 7 bis 8 Prozent in Europa angekündigt. Die Preise in Dollar dürften dagegen mit Blick auf die Währungsentwicklungen der vergangenen Wochen keine ausserordentlichen Anpassungen erfahren.

Preiserhöhungen auch bei Swatch

Auch Swatch erwägt bei seien Luxusmarken Preiserhöhung in der Eurozone vornehmen, wie Swatch-Chef Nick Hayek am Dienstag verlauten liess. Laut Hayek sind Preisanhebungen je nach Marke zwischen 5 und 7 Prozent bis hin um 10 Prozent in Planung.

So dürften die Preise etwa für teure Uhren der Nobelmarken Breguet und Blancpain angehoben werden, aber auch Marken aus dem mittleren Preissegment wie Omega oder Longines dürften davon betroffen sein.

Die Uhrenhersteller haben einen Grossteil der Kostenbasis in der Schweiz, wo vor allem Luxusuhren in zeitintensiver Handarbeit hergestellt werden.

Die meisten der in der Schweiz hergestellten Uhren sind für den Export vorgesehen, wobei Hongkong, Festland-China und die USA die drei grössten Absatzmärkte sind. Aber auch der Euroraum als Ganzes ist ein wichtiger Exportmarkt für die Uhrenbranche.

Für die Analysten der Bank Vontobel sind die angekündigten Preiserhöhungen im Luxussegment der Uhrenindustrie für die Eurozone denn auch ein logischer Schritt. Sie seien nicht nur wegen der Frankenstärke nötig geworden, sondern auch weil sich die Preisdifferenzen zwischen Euro und US-Dollar in den vergangenen Monaten ausgeweitet hätten.

Die Preiserhöhungen können nach Ansicht der Bank Vontobel den Währungseffekt etwas abfedern. Preiserhöhungen etwa im tieferen und mittleren Preissegment dürften nur schwer durchsetzbar sein.

Diverse Kostenvorteile

Der starke Franken sorgt aber auch für eine Entspannung bei einigen Kosten. Hayek verwies etwa auf Kosten für die zahlreichen ausländischen Shops der Uhrenhersteller oder für Marketing-Aktivitäten.

Zudem werden die für die Herstellung von Uhren notwendigen Rohmaterialien im Ausland und nicht in Franken eingekauft. Besonders die rückläufigen Preise für Gold, Stahl oder Diamanten stützen die Margen der Luxusuhren-Produzenten.

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SIHH 2015: Nicht kleckern, sondern klotzen

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Sein Debüt gibt das neue Uhrenjahr traditionell mit dem vornehmen Salon de la Haute Horlogerie (SIHH) in Genf. Das Bild zeigt den Stand von Cartier.

Quelle: Keystone