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Nicolas Le Moigne: Cartiers «Drive Man» für die Schweiz

Nicolas Le Moigne: Ist das Schweizer Testimonial für Cartier.

Nicolas Le Moigne kam auf Umwegen zum Design. Ganz direkt wurde er jetzt zum Botschafter für ein neues Uhrenmodell von Cartier ernannt. Wer ist das Schweizer Testimonial?

Von Pierre-André Schmitt
30.09.2016

Nein, Designer stand nicht auf der Liste der Traumberufe des Primarschülers Nicolas Le Moigne. Und auch als Jugendlicher hatte ihn dieser Beruf weder sonderlich interessiert noch fasziniert. Er wuchs in der Welt des Sports auf, sein Vater war Nationaltrainer der Fechtmannschaft, und auch der Junior hatte in dieser Disziplin Erfolge. Die Weichen für seine Zukunft schienen gestellt. Für eine Freiburger Lokalzeitung hatte der in der Schweiz aufwachsende Sohn französischer Eltern zwar regelmässig Comics gezeichnet. Künstlerische Ambitionen hatten sich daraus indes nicht ergeben.

Erstaunlich eigentlich. Denn wenige Jahre später, während er dann doch eine Ausbildung zum Designer absolvierte, sorgte Le Moigne mit seinem Talent für Furore. Zum Beispiel mit einem EternitHocker, den viele Fans schon zum würdigen Nachfolger des berühmten EternitStuhls von DesignAltvater Willy Guhl erhoben haben. Der Hocker sowie ein Tabouret wurden von der Firma in die Serienproduktion aufgenommen. Und Le Moigne erhielt dafür auch noch den Swiss Design Award.

Spezielle Form der Anerkennung

Schon im ersten Studienjahr hatte er mit dem Design für eine Giesskanne, die an eine Mineralwasserflasche erinnert, den MACEF-Design Award erobert. Die italienische Marke Verso Diverso produzierte daraufhin das Objekt und vermarktete es. Über eine Million Stück sind inzwischen verkauft worden. Es kamen andere Preise dazu.

Und diesen Sommer eine spezielle Form der Anerkennung: Cartier hat den heute 36-jährigen angefragt, für die Marke in der Schweiz ein sogenannter «Drive Man» zu sein - der Botschafter für das neue Uhrenmodell «Drive» also. «Ich war geschmeichelt», sagt Nicolas Le Moigne. «So eine Anfrage muss man annehmen.» Für Cartier wiederum war der Designer ein Glücksfall. Er passt perfekt in die neue Kommunikationsstrategie.

Über Umwege

Doch man darf sich den Weg dieses Hoffnungsträgers nicht als glatt vorstellen. Sein Sportstudium hatte er geschmissen, wegen Augenproblemen war er von der Armee ausgemustert worden - und so musste er auch auf eine mögliche Militär-Karriere verzichten, die gut zur Familientradition gepasst hatte. Es ergab sich aus Zufall die Möglichkeit, bei einem der Familie bekannten Designer ein Stage zu machen. Und bei diesem Stage hörte Le Moigne erstmals von der ECAL, der École Cantonal d'Art de Lausanne.

Hinter dem bescheiden klingenden Namen verbirgt sich eine Schule mit internationalem Renommee. Dahin ging Le Moigne, und hier kam es zu einer wichtigen Begegnung: Pierre Keller, Direktor der Schule, wurde zu seinem Förderer und Mentor - Disziplin, Gradlinigkeit und Strenge, die der Student von der Sportwelt mitgebracht hatte, überzeugten den Lehrmeister.

Rationale und logische Sache

Umgekehrt passte es auch. Le Moigne lernte, dass Design zu 90 Prozent eine rein rationale und logische Sache sei. «Als Designer ist man kein Künstler mit Visionen im stillen Kämmerlein», sagt er heute: «Man entwirft Gegenstände, die später gebraucht werden sollen, es geht immer auch um Kommunikation und um Wirtschaftlichkeit.»

Damit gehört er definitiv zu einer jungen Generation von Designern, die nichts mit den mitunter verkopften Vorgängern zu tun haben - und die sich auch mit kommerziellen Denken nicht schwer tut: «Kein Tabu für mich, im Gegenteil. Ich will dass meine Sache Erfolg haben, dass sie gekauft, benützt und gesehen werden.»

Und das werden sie. Die Etagère «Podium», die er für das Berliner Label Helmrinderknecht entworfen hat, wurde zum Beispiel an der Design Miami/Basel enthüllt und gehört auch zur Sammlung des Museums für Gestaltung in Zürich. Für Hermès hat er wiederholt die Schaufenster der Läden in Zürich, Lausanne oder Genf gestaltet. Und nun ist er also Drive Man für für Cartier.

Paradigmenwechsel bei Cartier

Mit der neuen Kollektion läutet die Pariser Luxusmarke einen Paradigmenwechsel ein. Erstmals seit Jahrzehnten gibt es von vornherein eine Stahlversion. Neue Wege für einen Konzern, in dem früher zuerst nur die Goldund PlatinModelle präsentiert wurden. Auch preislich bewegt man sich auf zivilerem Niveau: Ab 5850 Franken ist die Uhr mit Manufakturwerk zu haben.

Doch das sind nur die harten Eckdaten. Wofür eine Uhr idealer Weise noch steht, zeigt sich erst am Arm seines Trägers. So kam es zu der Idee der Drive Men: Rund 50 Männer aus allen Enden der Welt, die mit unkonventionellen Ideen und aus eigenem Antrieb schon Einiges erreicht haben. Sie alle trafen sich dieses Jahr zur Pitti Uomo in Florenz.

«Drive»-Club

Da war zum Beispiel Mandla Sibeko, Drive Man für Südafrika. Er ist der Erste, der in einem Township einen Supermarkt eröffnet hat, wurde später als CoDirektor der Joburg Art Fair renommierter KunstUnternehmer und ist vom Economic Forum zum «young global Entrepreneur» ernannt worden.

Zum Club gehören auch der Stuttgarter Profigolfer Tino Schuster, der mexikanische Regisseur und Produzent Jonas Cuaròn, der italienische Schauspieler Claudio Santamaria, der australische Surfjournalist und Medienunternehmer Ronnie Blakey oder der französische Musikproduzent Bertrand Burgalat. Die neue Uhr, so schwärmt Nicolas Le Moigne, finde ein «perfektes Gleichgewicht zwischen dem Respekt für die historischen Codes der Marke und einer zeitgemässen maskulinen Form». Eine Uhr würde er selbst übrigens unbedingt gerne entwerfen. Oder auch ein Auto wäre eine feine Sache.

Verschiedene Massstäbe

Bei beiden Produkten gehe es zwar letztlich um Stahl, Leder und elektronische Komponenten. Der kreative Prozess sei also durchaus vergleichbar, der Massstab allerdings total verschieden. Besonders bei der Uhr sei der Schritt von der 3DZeichnung zum Modell gewaltig und eine Herausforderung: «Was man auf dem Schirm sieht, mutet in der Wirklichkeit oft ganz anders an. Das ist faszinierend.»

Auch eine Hotel-Inneneinrichtung wäre etwas für ihn. Weil hier wiederum ein anderer Massstab zu beherrschen wäre. Und als Quereinsteigen könne man mitunter ganz neue Impulse geben. Das will er jetzt auch gerne für Cartier tun.

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