Das schönste Ereignis des Jahres. Was dem Älpler der Alpaufzug ist der Luxusindustrie die Baselworld. In den Hallen des Kongresszentrums gehen Milliarden über den Ladentisch. Die Einkäufer, die sich in den riesigen Ständen der Halle 1 umwerben lassen, kommen aus der ganzen Welt nach Basel um die neuesten Trends zu sehen und Verträge mit den Herstellern abzuschliessen.

Doch es gibt auch eine andere Seite. Für die meisten Teilnehmer ist die Baselworld ganz normale Arbeit, wenn auch in einem eher ungewöhnlichen Ambiente. Bilanz.ch hat mit einigen von ihnen gesprochen.

Wang Shu Lei (China), Geschäftsführerin von Poscer (Uhrenarmbandhersteller)

«Wir wollen unsere Marke an der berühmtesten Uhrenmesse zeigen. Das ist uns sehr wichtig. Nur so können wir uns in Europa einen Namen machen. Wir sind dieses Jahr zum ersten Mal dabei und ich glaube, dass wir einige nützliche Kontakte knüpfen konnten. Natürlich kann unser Stand nicht mit den Ständen in Halle 1 mithalten. Er hat dafür auch nur etwa 90'000 Franken gekostet. Ich weiss, dass es schwierig wird, aber rundum zufrieden bin ich erst, wenn wir in Halle 1 sind.»

Simon (Schweiz), Graveur bei Jaquet-Droz

«Ich mache hier eigentlich dasselbe wie jeden Tag. Es ist aber schön, meinen Beruf dem Publikum vorzuführen. Es ist eine Arbeit, bei der äusserste Konzentration gefragt ist. Die Baselworld ist für unsere Firma ein wichtiges Schaufenster und es macht mich stolz, hier zu sein. Vom Rest der Messe habe ich leider noch kaum etwas gesehen, doch ich hoffe, dass ich nach Feierabend oder am Ende der Messe noch dazu komme.»

Mohammed (Saudi Arabien), Einkäufer Saudi Duty Free

«Ich bin hier, um Lieferanten zu treffen und die neuen Kollektionen, Marken und Trends anzuschauen. Mit den Ergebnissen bin ich zufrieden. Uhren werden im Reisedetailhandel-Geschäft immer wichtiger. Natürlich könnte man die Leute an irgendeinem beliebigen Ort treffen, doch die Baselworld ist einfach grossartig. Ich bin zum ersten Mal hier und so etwas habe ich noch nie gesehen. Eine grossartige Plattform für die Hersteller.»

Urs Bangerter (Schweiz), Experte der Eidgenössischen Zollverwaltung

«Seit bald vierzig Jahren komme ich für die Zollverwaltung an die Baselworld. Wir sind hier zuständig für die Edelmetallkontrolle und beantworten Fragen von Fabrikanten und Einkäufern. Dieses Jahr ist es ruhig, die Teilnehmer wissen offenbar gut Bescheid über die Schweizer Regeln. Ein persönliches Highlight an der Baselworld habe ich nicht, hier zu arbeiten ist für mich eigentlich nichts Besonderes mehr.»

Clare (China), Hostess bei Bulova

«Es macht wirklich Spass, hier zu arbeiten – auch wenn so kaum Zeit bleibt, selbst etwas von der Messe zu sehen. Ich hoffe, dass ich das am Donnerstag noch nachholen kann. Mein bisheriges Highlight an der Baselworld war eine Tanzshow an einem anderen Stand, den Namen des Herstellers habe ich aber vergessen. Alles in allem ist es ein wirklich cooler Job. Das Fussballtikot trage ich übrigens wegen der Partnerschaft von Manchester United mit Bulova.»

Marianne und Reinhard Herr (Deutschland), Inhaber Hubert Herr Kuckucksuhren

«Mein Mann kommt seit 42 Jahren an die Basler Messe, seit sie die Veranstaltung für ausländische Hersteller geöffnet haben. Für uns ist die Baselworld sehr wichtig, weil wir hier internationale Kunden treffen. Kuckucksuhren sind in der ganzen Welt beliebt, wobei die USA immer noch der Hauptmarkt ist. An der Baselworld sind wir der einzige Hersteller von Kuckucksuhren. Die Aufmachung der Messe finde ich absolut toll. Als kleiner Hersteller fühlt man sich hier aber nicht wirklich willkommen. Die Preise sind sehr sehr hoch. Oder finden sie es etwa normal, dass man hier für einen Parkplatz für die Zeit der Messe 700 Franken bezahlen muss?»

Samuel Gross (USA), Einkäufer Watch Master USA

«Ich bin hier um Lieferanten, Marken und Trends zu sehen und Partner und Kollegen zu treffen. Ich bin schon zum zehnten Mal hier und kann deshalb sagen, dass die diesjährige Baselworld so ziemlich das Gleiche ist, wie jedes Jahr. Ich finde die Messe toll, sie ist wirklich super luxuriös.»

Pranisa Achariyasripong (Thailand), Marketingchefin Gems Pavilion

«So weit, so gut. Es sind zwar weniger Käufer hier als im letzten Jahr, doch dafür wurde zum Teil mehr bestellt. Die Baselworld ist für uns die wichtigste Messe in Europa, hier trifft man die Tophändler. Während andere Firmen an jede Messe reisen, wählen wir genau aus und die Baselworld ist bei uns ein fixer Termin im Kalender. Mit unserem Standort bin ich aber nicht ganz glücklich, unser Schmuck ist sehr exklusiv bis hin zu Unikaten und deshalb würden wir ihn gerne an einer prominenteren Stelle präsentieren.»

Constantine Merian (Schweiz), Putzfrau auf der Damentoilette

«Was soll ich dazu sagen. Die Arbeit auf der Baselworld ist für mich ein ganz normaler Job. Die Leute sind freundlich und entspannt, deshalb arbeite ich gerne hier. Um die Messe anzuschauen habe ich keine Zeit, mein Arbeitstag dauert von 8 bis 19 Uhr. Das was ich gesehen habe, hat mir aber sehr gut gefallen. Ich hoffe, dass ich mich am Donnerstag oder Freitag noch ein wenig umschauen kann.»

*Mitarbeit: Yvonne Baldinini

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