Bisher galt das sozusagen als Naurgesetz: Männer interessieren sich bei Uhren für Mechanik, Frauen für edle Steine. Entsprechend war auch bei Cartier das Angebot. Doch jetzt ändert die Traditionsmarke sachte das Instrumentarium. Erst lancierte Cartier 2010 für Frauen eine skelettierte Pasha mit einem Handaufzug und einem Pantherdekor im Gesamtgewicht von 4,2 Karat, also mit einer mechanisch ambitionierten Uhr. Dann folgte 2011 ein spektaku­läres Diamantkrokodil mit einem nicht weniger spektakulären fliegenden Tourbillon, gefertigt in den Genfer Ateliers der Marke und gepunzt mit dem Poinçon de Genève. Diesen Genfer Qualitätsstempel erhalten ausschliesslich Werke, die auf Genfer Boden und unter Respektierung aller handwerklichen Sorgfaltsregeln hergestellt werden.

Grosser Coup

Das war noch keineswegs alles. Auf das Krokodil folgte in diesem Jahr ein Eisvogel mit einer Tourbillonhemmung und einem teilskelettierten Werk. Gleichzeitig holte die Konstruk­tionsabteilung unter Carole Forestier zum grossen Coup aus und entwickelte ein automatisches Kaliber mit einem ­peripheren Aufzug und der Schwungmasse auf dem Zifferblatt. Einstweilen exklusiv für die «Promenade d’une Panthère». Auf jeden Fall jedoch, wie zu hören ist, exklusiv für die Damenuhren. So radikal hat noch kein Uhrenhersteller die Frauen privilegiert.

«Die Kombination von Haute Joaillerie und Haute Horlogerie gibt Cartier eine Sonderstellung in der Uhrmacherei», ­erklärt Hélène Poulit-Duquesne den beispiellosen Effort. Auf eine spezielle Kundschaft zielt die Marketingchefin des Hauses dabei keineswegs ab: «Es ist meine feste Überzeugung, dass sich echter Luxus über das Angebot steuert und nicht über die Nachfrage.»

Ein Geschenke mit Folgen

Dies hindert die strategische Denkerin allerdings keineswegs daran, genau zu wissen, wer die Haute-Horlogerie-Damenuhren effektiv ­erwirbt: «Es sind meistens die Männer. Alles, was wir bisher an Komplikationen für Damen entwickelt haben, erwerben uhrentechnisch versierte Herren. Sie gönnen sich das Vergnügen, ihrer Frau eine technisch anspruchsvolle Uhr zu schenken.»

Solche Geschenke bleiben nicht ohne Folgen. «Die Männer sensibilisieren ihre Frauen für die Uhrmacherei. Mit dem ­Effekt, dass es heute Frauen gibt, die sammeln und sich in der Feinuhrmacherei wirklich hervorragend auskennen. Wir beobachten auch, dass die ­Leidenschaft für Uhren durchaus die Ehe überdauern kann. Frauen trennen sich von ihrem Mann, aber nicht von ihrer Sammlung.»

Wobei Cartier dafür sorgt, dass ihnen zumindest mit ihrer Sammlung nicht langweilig wird. Das neue Werk bleibt zwar ein exklusives Damenkaliber, aber keineswegs der Promenade d’une Panthère vorbehalten: «Die Promenade ist nur der Anfang einer hoffentlich schönen Geschichte, einer weiblichen Geschichte», resümiert Hélène Poulit-Duquesne das anlaufende Programm rund um das Kaliber 9603 MC.

Keinen störenden Rotor

Unsterblicher Vorteil der Konstruktion mit der peripheren Aufzugsmasse: endlich ein automatisches Werk, das die Investition in den Sichtboden lohnt. Es gibt keinen störenden Rotor, der immer eine Werkhälfte zudeckt. Insofern ist es glaubwürdig, sich für die Rückseite der Uhr zu interessieren, wenn man sie an einem Handgelenk erspäht. Womit die Experten der Liebe neue technische Voraussetzungen für die Liebe geschaffen hätten. Wenn auch nur in kleinster Stückzahl.

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