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Handelskrieg 
«Trump hat nicht ganz unrecht»

Donald Trump
Donald Trump: Die USA sind nach wie vor eine der offensten Ökonomien.Quelle: Keystone

Rothschild-Stratege Kevin Gardiner glaubt an die Aktienhausse und hält den Handelskrieg zwischen den USA und China für eine Chance.

Erich Gerbl
Von Erich Gerbl
10.08.2018

Herr Gardiner, die seit 2009 anhaltende Hausse wurde zuletzt durch die Angst vor einem globalen Handelskrieg gestört. Nähert sich die Party an den Aktienbörsen dem Ende?
Die Stimmung ist nach wie vor gut. Die Wachstumsraten ­bleiben hoch, die Inflation am Boden. Zudem ist die Verschuldung der Privathaushalte weiterhin vernünftig. Es gibt noch keine Anzeichen für makroökonomische Exzesse. Die Hausse kann noch weitergehen.

Ist die Angst vor den negativen Auswirkungen des Handelskrieges ­übertrieben?
Ich denke schon. Ich verstehe, dass die Marktteilnehmer nervös sind. Aber neben dem ganzen Gerede ist der Einfluss der Zölle auf die ­Realwirtschaft sehr gering. Selbst wenn man die nur vorgeschlagenen Zölle dazunimmt, ist ­weniger als ein ­Prozent des BIP betroffen. Am Ende könnte sich der Handelskrieg sogar positiv auf das Handelssystem auswirken.

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Wie soll denn Protektionismus den Handel fördern?
Falls Trump China dazu bringt, seine Volkswirtschaft zu liberalisieren. Die Freiheit des Handels ist global sehr heterogen. Da hat Donald Trump nicht ganz unrecht. Die USA sind nach wie vor eine der offensten Ökonomien. Jeder kann dort seine Produkte produzieren und verkaufen. China ist ­davon meilenweit entfernt. Vielleicht regen Trumps Vorstösse Reformen an, selbst wenn er sich dessen nicht bewusst ist. Die Aussicht auf ein verbessertes Handels­regime gleicht die Risiken eines Handelskriegs wieder aus.

Kevin Gardine
Kevin Gardiner ist Global Investment Strategist bei Rothschild Private Wealth, einer Division von Rothschild & Co. Das Unternehmen ist familiengeführt und pocht auf seine Unabhängigkeit.
Quelle: ZVG

Wo lauern langfristig die grössten Risiken für ­Anleger?
Wohl in der Inflation. Es gibt eine besorgniserregende ­Entwicklung. Ökonomen fordern, die Inflation steigen zu lassen, um die Schuldenberge abzubauen. Das ist, als wolle man ein Haus in Brand setzen, um einen Rohrbruch zu beheben. Das kann nicht funktionieren.

Die Verhandlungsposition von Grossbritannien wird total überschätzt.

Kevin Gardiner, Global Investment Strategist

Welche Märkte bevorzugen Sie?
Für die USA, Europa und die Schweiz sind wir neutral. Das grösste Potenzial sehen wir in Asien und Japan, das geringste in Grossbritannien.

Rechnen Sie mit einem harten Brexit?
Das ­haben wir ­immer schon getan. Die Verhandlungsposition von Grossbritannien wird total überschätzt. Aber es ist weniger ein harter ­Brexit, der den globalisierten britischen Firmen schadet, als die Unsicherheit, die von der Politik verbreitet wird.