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Porträt 
Neuer Allianz-Chef Oliver Bäte: Mister Effizienz

Der 49-Jährige Oliver Bäte wird neuer Vorstandschef des Versicherungskonzerns Allianz.  PR

Mit Oliver Bäte als neuer Allianz-Chef steht Europas grösster Versicherer vor einer Kulturrevolution: Der Gegensatz zum bisherigen Chef Michael Diekmann könnte nicht grösser sein.

Veröffentlicht 02.10.2014

Die Allianz steht vor einer Kulturrevolution. Beim Münchener Unternehmen schätzt man Gemütlichkeit und Stallgeruch, offene Kritik ist verpönt. Oliver Bäte, der im Mai 2015 neuer Vorstandschef von Europas grösstem Versicherer wird, erfüllt all diese Anforderungen nicht. Der 49-Jährige hat in Köln und New York Betriebswirtschaft studiert und lange für die Unternehmensberatung McKinsey gearbeitet. Die einen beschreiben ihn als exzellenten Zahlenmenschen, die anderen als unnahbar und kalt.

Seine Sprache strotze nur so vor Anglizismen und Management-Sprech, erzählt ein Kenner des Unternehmens. «Er ist sehr von sich überzeugt.» Misstrauisch beäugt wird Bäte ausserdem, weil er das Versicherungsgeschäft nicht von der Pike auf gelernt hat. Der Gegensatz zum bisherigen Chef Michael Diekmann könnte nicht grösser sein. Diekmann hat 1988 im Versicherungs-Vertrieb und der Produktentwicklung bei der Allianz angefangen. In München ist er manchmal entspannt in der Kantine anzutreffen, bei den meisten Mitarbeitern ist er beliebt.

Bei Investoren und Analysten einen besseren Ruf als im eigenen Haus

Sein Nachfolger Bäte hat bei Investoren und Analysten einen besseren Ruf als im eigenen Haus. Der Zahlenmensch kennt die Bedürfnisse der Anleger und hat als Finanzchef dazu beigetragen, dass die Allianz zuverlässig das liefert, was sie versprochen hat. «Er ist ein guter Kommunikator», sagt Analyst Cohen von Finanzinstitut Canaccord Genuity in London. «Ich gehe davon aus, dass er ein sehr fordernder Chef sein wird.»

Von der WestLB zu McKinsey

Bäte wurde am 1. März 1965 in Bensberg im Süden von Bergisch Gladbach geboren. Nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann bei der inzwischen zerschlagenen WestLB und dem Wehrdienst heuerte er 1993 bei McKinsey in New York an. Zwei Jahre später wechselte er nach Deutschland, wo er beim US-Konzern am Ende Chef-Berater für Versicherungen und Vermögensverwalter war. In dieser Funktion beriet er auch die Allianz bei der Integration der Dresdner Bank - eine Übernahme, die sich für die Münchner im Nachhinein als großer Fehler entpuppte.

Die Allianz war von Bäte, der vom Institutional Investor Magazin 2007 als «Mister Effizienz» ausgezeichnet wurde, angetan und verpflichtete ihn. 2008 trat er als Vorstand für das operative Geschäft (COO) an - eine Position, die der Konzern neu für ihn geschaffen hatte. 2009 wurde er Finanzchef des Konzerns.

Stallgeruch - in München unabdingbar

Als Bäte Anfang 2013 erneut den Job wechselte und im Vorstand die Zuständigkeit für das Versicherungsgeschäft in West- und Südeuropa übernahmen, ahnten viele Allianz-Kenner bereits, dass er als Nachfolger von Diekmann aufgebaut werden soll. Schliesslich bekomme er dadurch etwas Stallgeruch, der in München unabdingbar sei. Im Versicherungsgeschäft habe Bäte zuletzt schnell und viel dazu gelernt, sagt ein Allianz-Manager, der ihm anfangs kritisch gegenüberstand. An der Gemütlichkeit aber muss er in den nächsten Jahren noch arbeiten.

(reuters/ccr)

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