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Jan Jenisch: Des einen Freud ist des anderen Leid

Jan Jenisch: Des einen Freud ist des anderen Leid
Jan Jenisch: Übernimmt die Führung des Zementkonzern LafargeHolcim.Keystone

LafargeHolcim angelt sich mit Jan Jenisch Sikas Erfolgsgaranten. Für den Zementkonzern ist der Wechsel ein Erfolg, für Sika ein Rückschlag.

Jan Jenisch, der langjährige Chef von Sika, übernimmt die Führung des Zementkonzern LafargeHolcim. Für LafargeHolcim ist der Wechsel ein Erfolg, für Sika ein Rückschlag. Die meisten Analysten erwarten jedoch, dass der Bauchemiekonzern die Erfolgsgeschichte auch ohne Jenisch fortsetzen kann.

Bei LafargeHolcim tritt der 50-jährige Jenisch die Nachfolge von Eric Olson an. Dieser hatte Ende April im Zusammenhang mit Schutzgeldzahlungen in Syrien seinen Rücktritt bekannt gegeben.

Die zentrale Aufgabe von Jenisch als neuem Konzernchef von LafargeHolcim wird es laut der Mitteilung des Unternehmens sein, die Strategie des Zementkonzerns voranzutreiben. Dabei gehe es vor allem um die Steigerung der Profitabilität und die Nutzung von Synergien nach dem Schulterschluss von Lafarge und Holcim, wie Mediensprecher Beat Werder am Montag auf Anfrage sagte.

Ernennung ist positiv zu bewerten

Mit der Ernennung kann LafargeHolcim die Phase der Unsicherheit beenden. Aber auch der Personalentscheid selbst überzeugt die Analysten. Die Ernennung von Jenisch sei aufgrund seines guten Leistungsausweises und seiner Erfolge klar positiv zu werten, heisst es zum Beispiel in einem Marktkommentar der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Die Neue Helvetische Bank schreibt, dass Jenisch für den Zementkonzern «sicher eine gute Wahl» darstelle.

Beide Banken weisen dabei auf die Kenntnisse von Jenisch hin. Als profunder Kenner der globalen Baubranche sei Jenisch bestens mit den Märkten und Produkten seines neuen Arbeitgebers vertraut, schreibt die ZKB. Jenisch wird seine neue Arbeitsstelle Mitte Oktober antreten. Nach dem Rücktritt von Eric Olson Mitte Juli wird Verwaltungsratspräsident Beat Hess vorübergehend LafargeHolcim leiten.

«Herber Verlust für Sika»

Als weniger erfreulich dagegen stufen die Analysten den Chefwechsel für Sika ein. Der Abgang sei ein herber Verlust für den Bauchemiekonzern, schreibt die Neue Helvetische Bank. Die Analysten der Credit Suisse sehen den Abgang grundsätzlich als wenig positive Entwicklung.

Dabei wird nicht an den Fähigkeiten seines Nachfolgers gezweifelt. Der langjährige Sika-Manager Paul Schuler, der Jenisch ab Anfang Juli ersetzen soll, sei ein geeigneter Nachfolger, schreibt zum Beispiel die ZKB. Auch das Broker-Unternehmen Helvea sieht den Konzern durch den Chefwechsel nicht gefährdet. Die Sika-Erfolgsgeschichte werde auch mit Schuler weitergehen, heisst es in ihrem Marktkommentar.

Rückschlag im Übernahmekampf

Die meisten Bankanalysten sehen den Abgang jedoch als Rückschlag im Übernahmekampf. Sika verliere mit Jenisch einen wertvollen Exponenten im Kampf um die Eigenständigkeit, schreibt die ZKB. Der oberste Chef verlasse die selbsternannte Schicksalsgemeinschaft, was nicht allen Mitarbeitern Freude bereiten dürfte, heisst es bei der Neuen Helvetischen Bank.

Tatsächlich hat seit dem Beginn des Übernahmekampfs Ende 2014 noch keiner der obersten Führungskräfte den Bauchemiekonzern verlassen. Im Gegenteil: Das oberste Management demonstrierte seine Loyalität zum Unternehmen, indem es den kollektiven Rücktritt androhte, sollte das Unternehmen wie von der Besitzerfamilie Burkard gewünscht an den französischen Konkurrenten Saint Gobain verkauft werden.

Sika weiter kampfbereit

Mit Jenisch tritt jetzt der erste aus dieser selbst beschworenen Schicksalsgemeinschaft aus. Der Bauchemiekonzern bedauert dies, zeigt sich jedoch überzeugt, dass der Abgang Jenischs keinen Einfluss auf den Übernahmekampf haben werde.

«Der Wechsel wird in keiner Art und Weise die Entschlossenheit und das Engagement der unabhängigen Mitglieder des Verwaltungsrates und der Konzernleitung im Hinblick auf den Kampf für eine unabhängige Sika ändern», lässt sich Verwaltungsratspräsident Paul Hälg gemäss Unternehmenssprecher Dominik Slappnig zitieren.

Slappnig widerspricht auch der Darstellung, dass mit Jenisch ein wichtiger Exponent im Übernahmekampf das Unternehmen verlasse. Tatsächlich hatte Jenisch sich öffentlich nur gerade zu Beginn zum Streit mit der Besitzerfamilie geäussert. Danach überliess er die Kommunikation Verwaltungsratspräsident Hälg.

Auf die Ernennung bei Sika und LafargeHolcim haben auch die Anleger entsprechend den Erwartungen der Analysten reagiert. Während die LafargeHolcim Aktie Aufwind verspürte, gab die Sika-Aktie nach. Um 14.30 Uhr notierte das Papier des Zementkonzerns 6,4 Prozent höher als am Vortag. Der Kurs der Sika-Aktie stand dagegen um 3,5 Prozent tiefer.

(sda/ccr)

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