Führungswechsel bei der Credit Suisse: Der Chef der Schweizer Grossbank Credit Suisse, Brady Dougan, tritt Ende Juni 2015 überraschend zurück. Nachfolger wird der Chef des britischen Versicherers Prudential, Tidjane Thiam, teilte Credit Suisse am Dienstag mit.

Thiam ist heute Konzernchef der britischen Prudential-Gruppe, die in den USA, Asien, Europa und Lateinamerika tätig ist. Er sei im Rahmen eines sorgfältigen Auswahlprozesses, in den sowohl interne als auch externe Kandidaten einbezogen waren, vom Verwaltungsrat ausgewählt worden, hiess es.

Lob von Präsident Urs Rohner

Der bishergige Chef Brady Dougan der Credit Suisse habe in den vergangenen Jahren trotz sehr anspruchsvoller Rahmenbedingungen und erheblichem Gegenwind auf Kurs gehalten und zusammen mit der Geschäftsleitung auch schwierigste Herausforderungen gemeistert, wird Verwaltungsratspräsident Urs Rohner denn auch im Mediencommuniqué zitiert. «Wir sind Brady Dougan für seinen langjährigen beispiellosen persönlichen Einsatz, seinen grossen Beitrag und seine Führungskraft zugunsten der Credit Suisse sehr dankbar.»

Der US-Amerikaner Brady Dougan übernahm die Führung der Credit Suisse im Mai 2007 von Oswald Grübel. Wie sein Vorgänger war der 55-jährige in der Handelssparte, dem Investmentbanking, gross geworden. Er begann als Manager im Derivategeschäft einer US-Bank und wechselte 1990 zur Credit Suisse First Boston.

Nach Finanzkrise im Amt geblieben

In der früheren CS-Investmenttocher arbeitete er sich nach oben. Ab 2004 leitete er das Investmentbanking. Dougan, der an der Universität Chicago Wirtschaftswissenschaften studiert hat, ist mit einer Professorin für Biomedizin verheiratet und Vater eines Sohns und einer Tochter aus erster Ehe. Als regelmässiger Jogger hat er auch schon an Marathonläufen teilgenommen. Er hat Wohnsitze im zürcherischen Erlenbach und in Greenwich im US-Bundesstaat Connecticut.

Dougan gehört wie Jamie Dimon von JP Morgan und Lloyd Blankfein von Goldman Sachs zu den wenigen Chefs von internationalen Grossbanken, die nach der Finanzkrise im Amt geblieben sind.

Applaus und Kritik für Dougan

Wie er das zweitgrösste Geldhaus der Schweiz durch die Turbulenzen nach der Lehman-Pleite lenkte, brachte ihm den Applaus von Investoren ein. Rücktrittsforderungen kamen allerdings im vergangenen Jahr auf, nachdem sich Credit Suisse im Steuerstreit mit den US-Behörden auf einen Vergleich geeinigt hatte.

Die Bank zahlte die höchste Geldstrafe in der Schweizer Bankengeschichte und gab ein Schuldbekenntnis ab, sicherte sich dafür aber die wichtige Lizenz in New York. Ausserdem gab es Kritik an Dougan, weil er anders als der heimische Rivale UBS an seiner Strategie im Investmentbanking festhielt.

Arbeit für die Regierung der Elfenbeinküste

Dougans Nachfolger Tidjane Thiam ist in der Elfenbeinküste geboren und wuchs in Frankreich auf. Dort studierte er auch. Nach einer mehrjährigen Tätigkeit bei McKinsey in Paris und New York arbeitete er in der Elfenbeinküste für die Regierung, zuletzt als Minister für Planung und Entwicklung, bevor er als Partner wieder zu McKinsey nach Paris zurückkehrte.

Von 2002 bis 2008 war Tidjane Thiam gemäss Credit Suisse in leitenden Funktionen für die Versicherungsgesellschaft Aviva tätig.

Bei der Prudential-Gruppe war er zuerst Finanzchef, ehe er 2009 die Konzernleitung übernahm. Thiam ist verheiratet, Vater von zwei erwachsenen Kindern und spricht Englisch, Französisch und Deutsch. Er ist Bürger von Frankreich und der Elfenbeinküste.Thiam ist heute Konzernchef der britischen Prudential-Gruppe, die in den USA, Asien, Europa und Lateinamerika tätig ist. Er sei im Rahmen eines sorgfältigen Auswahlprozesses, in den sowohl interne als auch externe Kandidaten einbezogen waren, vom Verwaltungsrat ausgewählt worden, hiess es.

Aktie vom Handel ausgesetzt

Bei Prudential wurde dem Sender Sky News zufolge bereits der Nachfolger für den scheidenden Konzernchef Thiam bestimmt. Der Verwaltungsrat habe sich für Mike Wells entschieden, den Chef der US-Tochter Jackson National Life Insurance.

An der Börse in Hongkong wurde die Prudential-Aktie vom Handel ausgesetzt wegen einer bevorstehenden wichtigen Unternehmensmitteilung.

(reuters/sda/dbe/ccr)