Stéphane Linder legt seine Ämter als Präsident und Geschäftsleiter von Tag Heuer nieder, um sich neuen beruflichen Projekten zu widmen. Das teilte die Schweizer Uhrenmanufaktur am Mittwochabend mit. Jean-Claude Biver danke Linder laut Mitteilung für seinen «bedeutenden Beitrag zur Entwicklung der Marke in den 21 Jahren bei Tag Heuer».

Übergangsweise übernimmt Biver die Geschäftsführung von Tag Heuer. Er ist Präsident des Verwaltungsrates des Schweizer Uhrenherstellers Hublot, der wie Tag Heuer zum französischen Luxuskonzern LVMH gehört. Seit März leitet Biver zusätzlich das Uhrengeschäft von LVMH und ist bereits verantwortlich für die Uhrenmarke Tag Heuer.

Stéphane Linder war seit dem 1. Juni 2013 Chef der Uhrenfirma. Davor war er als Vizepräsident für das Geschäft in Nordamerika zuständig. Tag Heuer gehört mit einem Markenwert von 876 Millionen Franken zu den wertvollsten Uhrenmarken der Schweiz (siehe Bildergalerie unten).

Zeit des Umbaus

Der Abgang trifft die Firma zu einer Zeit des Umbaus: Die Neuenburger Uhrenmarke hat erst kürzlich 46 Personen in der Schweiz entlassen. Der Stellenabbau betrifft die Fertigung und Administration in La Chaux-de-Fonds. Darüber hinaus wurde für 49 Mitarbeiter in der neuen Niederlassung im jurassischen Chevenez Kurzarbeit bis Ende Jahr eingeführt. Tag Heuer beschäftigt 1600 Personen weltweit, davon 600 in der Schweiz.

Die Marke will sich nun vermehrt auf ihr Kerngeschäft mit Uhren ab einem Preis von 4000 Franken konzentrieren. Das Unternehmen will sich in Zukunft auf die Produktion eines einzelnen Uhrwerkes fokussieren. Obschon die Entwicklung eines weiteren Chronographen weit gediehen war, wurde der Prozess gestoppt.

Bivers Plan für Tag Heuer

Die Traditionsmarke schraubte ihre Durchschnittspreise in den letzten Jahren stets nach oben. Ein Fehlentscheid, den Biver korrigieren möchte. Unverblümt sagte er vor zwei Wochen gegenüber der Handelszeitung: «Mit einem Hochfrequenzkaliber lässt sich zwar der Grand Prix de Genève gewinnen. Weil das auf den Verkauf dieser Uhren ­keinen zu grossen Einfluss hat und niemand wirklich ­beispielsweise einen Tausendstelsekunden-Chronographen braucht, endet nun bei TAG Heuer dieses Kapitel.»

Die Spitze der Kollektion werden künftig Chronographen markieren, in denen das Manufakturkaliber 1887 tickt. «TAG Heuer muss Uhren offerieren, welche der Kaufkraft des klassischen Kunden gerecht werden. Das in einer Grössenordnung zwischen 1500 und 5500 Franken. Die potenziellen Kunden besitzen wegen der in den vergangenen Jahren sprunghaft ­gestiegenen Uhrenpreise gerade hier nur wenig Auswahl», meint Biver.

(moh/ise/ccr)

 
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