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Stadtteil Marais: Paris im Kleinformat

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Es mag nicht der Zeitpunkt sein, um die Pariser Grandeur zu zelebrieren. Dafür vielleicht, um in das aufstrebende Marais-Viertel mit seinem Bohème-Charme einzutauchen.

Von Claus Schweitzer
27.02.2009

Es gibt Städte, die zu gross und komplex sind, um sie in einfache Worte zu fassen. Paris zum Beispiel. Und dann gibt es Orte, von denen wir zu Unrecht annehmen, sie seien zu klein und unbedeutend, um von ihnen zu berichten. So etwa das Stadtviertel zwischen dem Centre Pompidou und der Place des Vosges in Paris. In seinen engen Strässchen versammelt das facettenreiche Marais-Quartier all das, was die Seine-Metropole interessant macht, und beeindruckt damit, wie lässig und weltläufig sich hier Altes und Neues zusammenfügt.

Das Marais in maximaler Komprimierung gibt es entlang der Rue des Francs-Bourgeois, wo sich ungezählte trendige Boutiquen, Läden und Galerien aneinanderreihen, die auch sonntags geöffnet haben. An der Rue de Sévigné befindet sich das Musée Carnavalet, in dem die Geschichte von Paris präsentiert wird und das nur schon wegen seines prachtvollen Gebäudeensembles auch für Museumsmuffel einen Besuch wert ist. Das Musée Picasso an der Rue de Thorigny wiederum beherbergt die umfangreichste Sammlung von Gemälden, Skulpturen und Zeichnungen des Meisters überhaupt.

Diverse historische Gebäude im ­Marais wurden zu kleinen Hotels umfunktioniert. Das sympathischste ist vielleicht das Caron de Beaumarchais. Im ersten Moment denkt man, es handle sich um ein hübsches Antiquitätengeschäft – und auch im Innern fühlt man sich wie in einem bürgerlichen Haushalt aus dem 18.  Jahrhundert. Im Gebäude des Hôtel du Petit Moulin befand sich die älteste Bäckerei der Stadt, bevor der Modeschöpfer Christian La­croix mit opulenten Dekors zwischen Kitsch, Zen und Pop daraus ein unverwechselbares Hotel mit 17 ganz unterschiedlich gestalteten Zimmern schuf. Natürlich haben sich beide Adressen schnell unter Trendsettern herumgesprochen.

Moderne oder revidierte französische Küche nennt sich das, was ambitionierte Köche aus den Rezepten ihrer Grossmütter machen. Probieren kann man ­einige davon im Les Don Juan, im Café des Musées oder – am elegantesten – im Ambroisie, das mit drei Michelin-Sternen dekoriert ist. Wer das traditionelle Marais-Flair erleben will, sollte auf keinen Fall die Bistros Le Progrès und La Perle auslassen. Und unter den Arkaden der Place des Vosges lädt La Guirlande de Julie zu karibisch inspirierten Menus und Couscous-Spezialitäten ein.

Das Nachtleben findet in den vielen Bars im Gassengewirr des Marais statt, etwa im Petit Fer à Cheval. Der legendäre Tanzclub Les Bains Douches in ­einer ehemaligen Badeanstalt ist derzeit wieder «très branché». Hier kann man das Talent der Pariser studieren, Hochgefühle aufzubauen, die über die Niederungen des Alltags hinweghelfen – und die Kunst erforschen, «sich einen Schein zu geben, der mit dem Sein wenig zu tun hat». Das hat Roman Polanski über die Pariser gesagt.

DIE ADRESSEN

• Hotels:

Caron de Beaumarchais, Rue Vieille-du-Temple 12,
www.carondebeaumarchais.com, DZ ab 150 Euro
Hôtel du Petit Moulin, Rue Poitou 29,
www.hoteldupetitmoulin.com, DZ ab 190 Euro

• Lunch:

Le Progrès, Rue de Bretagne 1, sonntags geschlossen
Café des Musées, Rue de Turenne 49
La Guirlande de Julie, Place des Vosges 25

• Dinner:

La Perle, Rue Vieille-du-Temple 78, samstag- und sonntagmittags geschlossen
Les Don Juan, Rue de Picardie 19, samstagmittags und sonntags zu
L’Ambroisie, Place des Vosges 9, sonntags und montags geschl.

• Nightlife:

Le Petit Fer à Cheval, Rue Vieille-du-Temple 30
Les Bains Douches, Rue du Bourg-l’Abbé 7

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