BILANZ: Sie haben eine Liste mit 2057 Namen von Griechen ­publiziert, die Gelder auf Schweizer Banken parkiert haben ­sollen. Wie kamen Sie zu dieser Liste?

Kostas Vaxevanis: Sie wurde uns aus Kreisen des griechischen ­Finanzministeriums anonym zugespielt.

Bei welchen Schweizer Banken sind die Gelder parkiert?

Bei der von der ehemaligen französischen Finanzministerin ­Christine Lagarde an ihren damaligen griechischen Amtskollegen Giorgos Papakonstantinou übermittelten Liste handelt es sich um ein Verzeichnis von Kunden der HSBC. Es ist eine Excel-Datei, in der Kontostände und -bewegungen detailliert wiedergegeben sind.

Unversteuertes Geld?

Es ist nicht bewiesen, dass sämtliche Gelder schwarz sind; dies habe ich bei der Veröffentlichung der Liste betont.

Sie publizierten keine Kontostände. Weshalb?

Richtig. Wir haben jedoch – in Kenntnis der genauen Daten – festgestellt, dass bei zahlreichen Kunden zumindest eine Diskrepanz der Vermögensverhältnisse zu den steuerlich deklarierten Einkommen oder Berufen vorliegt. Hier hätten im Lauf der letzten zwei Jahre Untersuchungen der Steuerbehörden ansetzen müssen.

Weshalb gehen die Behörden Griechenlands nicht gegen ­mutmassliche Steuerhinterzieher vor?

Sie berufen sich darauf, dass die politische Führung keine entsprechenden Befehle erteilt habe. Die Politik behauptet das Gegenteil. Fakt ist, dass eine faule politische Elite das Land in eine Dauer­rezession fallen lässt. Den Rentnern werden die letzten hundert Euro durch Sparmassnahmen gekappt, während Listen wie die­jenige von Lagarde einfach verloren gingen.

Wie verbreitet ist die Steuerhinterziehung in Griechenland?

Ein Arbeiter oder Angestellter kann sich der Steuerlast nicht ­entziehen, während es für Wohlhabende und Privilegierte zahl­reiche legale und illegale Tricks gibt. Schlimm ist, dass diese ­Steuerhinterziehung auch heute nicht verfolgt wird.

Sie wurden nach der Publikation verhaftet und bedroht. Haben Sie Bodyguards?

Es gab einen Anschlag gegen mich, und nur durch Zufall kam ich glimpflich davon. Nein, ich habe keinen Personenschutz, aber mir fiel Folgendes auf: Als die Polizei nach mir suchte, kannten sie ­sowohl die Wohnungen meiner Freunde als auch die von mir ­ ­besuchten Lokale. Offensichtlich werde ich bestens überwacht.

Kostas ­Vaxevanis (46): Der Grieche ist Herausgeber und Chefredaktor der Zeitschrift «Hot Doc». Weil er kürzlich eine Namensliste angeblicher Steuersünder veröffentlichte, wurde er verhaftet.

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