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Wie bitte, Herr Gerlach?: «Wir sind die Profiteure des Atomausstiegs»

Siemens-Chef: Siegfried Gerlach (58) ist seit rund vier Jahren CEO von Siemens Schweiz.

Der Chef von Siemens Schweiz, Siegfried Gerlach, ­unterstützt die Energiepolitik des Bundesrates, auf ­Gaskraftwerke zu setzen. Doch er warnt vor Trödeleien.

Von Ueli Kneubühler
17.04.2012

BILANZ: Der Bundesrat setzt nach dem Atomausstieg auf ­Gaskraftwerke. Haben Sie sich die Hände gerieben?

Siegfried Gerlach: Jein. Es war höchste Zeit, dass der Bundesrat nicht nur A, sondern auch B sagt und eine Strategie vorstellt. Bloss hat das viel zu lange gedauert. Aber ja, die Hände habe ich mir gerieben, denn wir sind die Profiteure des Atomausstiegs.

Sie haben prima lobbyiert.

Das hat nichts mit Lobbying zu tun.

Just in der Debatte zur Energiewende hat Siemens die neueste Generation von Gasturbinen vorgestellt. Das Timing passt.

Ja, aber endlich hat die Politik begriffen, dass sämtliche Möglichkeiten der Energieerzeugung genutzt werden müssen. Es wird nicht gelingen, den wachsenden Stromverbrauch nur mit erneuerbarer Energie zu decken. Wir brauchen Gas und Dampf.

Bei den Energiekonzernen stossen Sie auf taube Ohren. ­Gaskraftwerke seien nicht wirtschaftlich, heisst es.

Das kommt auf die Definition an. Mit den heutigen Rahmenbedingungen sind sie nicht wirtschaftlich und aus Sicht der hohen CO2-Belastung eine Übergangslösung. Doch das Thema ist politisch aufgeheizt. Windenergie ist aus ästhetischen Gründen nicht populär, der Platz für Solarpanels ist begrenzt. Es spricht viel für eine Nutzung der Gaskrafttechnologie.

Es ist auch eine Frage der Effizienz. Heute haben Ihre ­Gaskraftwerke einen Wirkungsgrad von 60 Prozent.

Jedes Prozent mehr Wirkungsgrad verringert den CO2-Ausstoss um 25 000 Tonnen. Das ist ein Argument.

Wie bitte? Damit überzeugen Sie Axpo und Co. kaum.

Das müssen wir auch nicht. Die Politik muss Rahmenbedingungen schaffen. Es kann doch nicht sein, dass die BKW nach Norditalien ausweichen müssen, um ein Gaskraftwerk zu bauen. CO2 ist ein globales und kein lokales Problem.

Es läuft doch darauf hinaus, dass der Atomausstieg verzögert wird.

Wenn wir uns weiterhin eine Hurrapolitik leisten, könnten wir den Wettlauf mit der Zeit tatsächlich verlieren. Die Verträge mit ausländischen Atomstromherstellern laufen in wenigen Jahren aus.

Das wäre schlecht für Siemens. Der Konzern hat sich 2011 aus der Atomtechnologie verabschiedet.

Wir können aber alle anderen Technologien anbieten und setzen nebst der ­erneuerbaren Energie auch auf die Gaskrafttechnologie.

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