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  4. Swiss Re soll effizienter werden – klotzt aber mit teurem Beirat und Prunkbauten

Swiss Re 
Sparen und klotzen

Der neue Hauptsitz von Swiss Re in Zürich
Prunkvoll: Der neue Sitz von Swiss Re in Zürich.Quelle: Keystone

Die Belegschaft muss jedes Jahr ­effizienter werden. Derweil leistet sich das Management einen teuren Beirat und setzt auf Prunkbauten.

Erik Nolmans
Von Erik Nolmans
08.07.2018

Die Vorgabe ist einfach und gilt schon seit 2013: Jedes Jahr muss der Konzern um rund drei Prozent effizienter werden. In diesem Zusammenhang kommt es in einzelnen Bereichen zu einem Abbau, in anderen wird aber auch investiert. «Alle Führungskräfte müssen sicherstellen, dass ihre Einheiten hinsichtlich der Anforderungen der Märkte effektiv aufgestellt sind», schreibt die Swiss Re auf Anfrage. Es bestehe aber kein gruppenweites Kostensenkungsprogramm.

Intern stösst auf, dass in Sachen Effizienz- und Kostenverbesserung nicht überall mit gleicher Konsequenz vorgegangen wird. Ins Auge stechen vor allem die Prunkbauten.

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Eindrückliches Denkmal für 220 Millionen

So liegt der Quadratmeterpreis ­des im letzten Herbst eingeweihten neuen Hauptsitzes mit 10 230 Franken beim Zwei- bis Dreifachen der für Bürobauten üblichen Preise. Mit dem 220-Millionen-Bau hat sich Präsident Walter Kielholz, der einer der Haupttreiber des Projekts war, ein eindrückliches Denkmal gesetzt.

Walter Kielholz
Walter Kielholz: Am Steckenpferd vom Präsidenten darf nicht gerüttelt werden.
Quelle: Keystone

Als Steckenpferd gilt auch das 2000 eröffnete Swiss Re Centre for Global Dialogue in Rüschlikon über dem Zürichsee, das rund 100 Millionen Franken gekostet hat. Kielholz nutze es heute als wichtiges Netzwerk-Zentrum, ­sagen Insider.

Mehrere hunderttausend Franken für Beirat

Das Centre leistet sich einen hochkarätigen Beirat, eine zwölfköpfige Gruppe von Advisors, in dem Persönlichkeiten wie Ex-Notenbankchef Jean-Claude Trichet oder Ex-US-Senator Bill Bradley Einsitz haben. Der Rat gilt als teure Lieb­haberei des Managements, doch für Kielholz sei er sakrosankt, sagen Insider.

Zweimal im Jahr wird die Gruppe für ein zweitägiges Seminar eingeflogen. Jeder erhält dafür 30 000 Franken. Rechnet man die Spesen für die First-Class-Flüge hinzu, kostet der Beirat die Swiss Re mehrere hunderttausend Franken im Jahr.

Swiss Re Centre for Global Dialogue in Rüschlikon über dem Zürichsee
Das Swiss Re Centre for Global Dialogue thront in Rüschlikon über dem Zürichsee.
Quelle: Michael Wissing

«Form institutionalisierter Korruption»

Dabei gelten Beiräte als Relikte der Vergangenheit mit umstrittenem Nutzen. Andere Konzerne wie die CS haben sie schon vor über zehn Jahren abgeschafft. Der damalige CS-Grossaktionäre Martin Ebner bezeichnete Beiräte gar als «Form institutionalisierter Korruption».

Die Swiss Re sieht das anders: Die Gruppe von Advisors sei ein wichtiger Bestandteil der Risikobeurteilung und -strategie. In einer Zeit erhöhter wirtschafts-, handels- und geopolitischer Spannungen sei dies besonders wichtig.