Es ist aus. Den Blick über den Zürichsee können sie schon lange nicht mehr geniessen, und in der Bibliothek verstauben die Bücher. Die Trennung von Ex-Roland-Berger-Chef Martin Wittig und seiner Frau Susanne, Geschäftsführerin der Organisation Ashoka, ist schon seit längerem besiegelt – die mondäne Villa in Herrliberg steht zum Verkauf. Für den neuen CEO der Credit Suisse, Tidjane Thiam, ein Glück. Er kauft das Anwesen, um dort mit Frau und Kindern zu leben.

Brady Dougan als Leidtragender

Irgendjemand profitiert immer von einer Trennung oder Scheidung. Im Fall der Wittigs ist es der neue CS-Chef. Sein Vorgänger war dagegen ein Leidtragender. Brady Dougan, bis Juni Chef der zweitgrössten Schweizer Bank, kam bei seiner Scheidung nicht so leicht davon – sie kostete ihn mehr als eine Villa. Denn: Er hatte keinen Ehevertrag. 2005, zum Zeitpunkt der Scheidung, soll Dougan pro Woche 384'615 Dollar verdient haben, das gemeinsame Vermögen wird in der Gerichtsakte auf 80 Millionen Dollar geschätzt.

Über ein Jahr streitet er mit seiner Frau Tomoko Hamada ums Geld. Dann wird schriftlich festgelegt: Hamada bekommt 15,3 Millionen – ausgezahlt in zwei Teilen. Nach weiteren Verhandlungen erhält seine Frau insgesamt über 16 Millionen Dollar. Dazu noch die Villa im Wert von 9,6 Millionen Dollar. In zweiter Ehe ist Dougan mit der Yale-Professorin Laura Niklason verheiratet – mit Ehevertrag, will man hoffen.

Ungesichert in die Ehe

Dougan ist kein Einzelfall: In der Schweiz schliesst nicht mal jedes zehnte Ehepaar einen Ehevertrag ab. So erlebt es der Anwalt Kurt Zollinger von der Zürcher Kanzlei Herzer Rechtsanwälte. «Über Eheverträge wird meist erst viel später, nach Eintritt eines Karriereschubs, nachgedacht.» Denn im Fall einer Scheidung hat ein Ehevertrag nur auf das in der Ehe erwirtschaftete Vermögen einen Einfluss. Die Unterhaltspflicht und die Aufteilung der beruflichen Vorsorge werden durch einen Ehevertrag nicht beeinflusst.

Im Fall einer Scheidung von Ex-Glencore-Manager Christian Wolfensberger und der Ex-Miss-Schweiz Fiona Hefti wird also Geld fliessen – obwohl es einen Ehevertrag geben soll. Im Juli macht das Zürcher Glamourpaar Schlagzeilen: ­«Liebes-Aus!» Wolfensberger und Hefti trennen sich nach acht Jahren Ehe.

Viel zu holen

Der Ehevertrag klärt die Vermögensverhältnisse: Das während der Ehe angesammelte Vermögen muss nicht zu gleichen Stücken geteilt werden. Gut für Wolfensberger, denn bei einer Scheidung wäre für «Miss Perfect» einiges zu holen: Der Manager hat ein geschätztes Vermögen von über 315 Millionen Franken – den grössten Teil in Glencore-Anteilen.

Sein Vermögen dürfte sich durch den anhaltenden Sinkflug der Aktie zwar deutlich mindern. Steinreich ist er immer noch. Trotz Ehevertrag: Die Unterhaltszahlungen dürften happig werden. Denn der Unterhalt lässt sich im Vertrag nicht regeln und hängt von zwei Faktoren ab: War die Ehe lebensprägend, und was für einen Lebensstil pflegte das Paar?

Lebensstil belegen

Acht Jahre waren Wolfensbergers verheiratet, sie haben drei kleine Kinder. Die Ehe gilt somit als lebensprägend. Der ­Lebensstil lässt sich anhand der luxuriösen Familiendomizile in Küsnacht und Kilchberg erahnen: Das eine hat geschätzte 30 Millionen, das andere 20 Millionen Franken gekostet. «Kann die Ehefrau belegen, dass sie im Monat 20'000 Franken oder mehr für Lebensmittel, Kleidung, Ferien und anderes ausgegeben hat, muss der Ehemann in der Regel mit hohen Unterhaltszahlungen rechnen. Ob er einen Ehevertrag hat oder nicht, spielt keine Rolle», sagt Roger Groner.

Der Zürcher Scheidungsanwalt von der Kanzlei Groner Rechtsanwälte weiss aus Erfahrung: «Wenn er arbeitet und seine Frau daheim die Kinder erzieht, wird eine Scheidung in der Schweiz schnell enorm teuer für den Mann.» Fiona Hefti muss jetzt belegen, was sie im Monat ausgibt. «Zum Bedarf zählen aber nur Dinge, die sich immer wiederholen, zum Beispiel Benzinkosten», sagt Groner.

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