BILANZ: Lange gaben sich die Valora-Chefs die Klinke in die Hand. Sind Sie mit einem mulmigen Gefühl angetreten?

Michael Mueller*: Nein, im Gegenteil. Was zählt, ist die Zukunft und nicht die Vergangenheit. Ich lernte als CFO die Valora ­bereits gut kennen und bin mit dem Potenzial bestens vertraut. Wir werden Valora erfolgreich weiterentwickeln. Gerade diese Herausforderung macht den Reiz der Aufgabe aus.

Was haben Sie sich als CEO vorgenommen?

Erfolg zu haben. Dabei will ich mich auf Themen konzentrieren, die rasch sichtbare Resultate bringen. Zudem möchte ich die ­Innovation im Bereich Produkt- und Dienstleistungsangebote sowie das Wachstum mit erfolgreichen Formaten vorantreiben.

Wie bitte? Valora gilt als Turnaround-Dauerkandidat. Woher soll plötzlich der Befreiungsschlag kommen?

Valora ist finanziell eine stabile Gruppe. In wichtigen Bereichen wie Retail Schweiz und Ditsch/Brezelkönig haben wir bereits positives Momentum aufgebaut. Künftig zielen wir auf eine weitere Fokussierung im Bereich des kleinflächigen Handels und im sogenannten Sofortverzehr. Dabei wollen wir das Wachstum von Ditsch/Brezelkönig noch stärker vorantreiben und unsere Kompetenzen in den Bereichen Kiosk und Convenience stärken. In den übrigen Sektoren möchte ich Voraussetzungen schaffen, damit wir das volle Potenzial realisieren können.

Ist es denkbar, dass Valora eines Tages mehr Umsatz mit Brezeln und Ähnlichem macht als im Kioskgeschäft?

Der Markt für Sofortverzehr ist sehr attraktiv. Es ist unser Ziel, sowohl mit Ditsch/Brezelkönig als auch mit unseren Kiosk- und Convenience-Formaten von diesem Trend noch mehr zu profitieren und unsere Position durch Umbauten und Expansion der Standorte auszubauen. Wir profitieren aber an den Kioskstandorten auch von der Kundenfrequenz aufgrund unseres Angebotsmixes im Bereich Presse und Tabak.

Was ist mittelfristig angesagt?

Eine organische Weiterentwicklung des Geschäfts ist für den langfrisigen Erfolg unabdingbar. Aber auch Akquisitionen können eine Rolle spielen. Doch wir machen nur eine Übernahme, wenn sich auch ein Mehrwert durch Synergien erzielen lässt.

Wie dürfte Valora in fünf Jahren aussehen?

Dann sind wir ein führendes, nachhaltig wachsendes Unter­nehmen im Bereich des kleinflächigen Detailhandels an Hoch­frequenzlagen wie Bahnhöfen und Flughäfen.

* Michael Mueller (41) hat Rechtswissenschaften studiert. Nach Stationen bei Bain, Goldman Sachs, GVO Asset Management und Jelmoli arbeitet er seit November 2012 für Valora, zuerst als CFO und seit 1. März dieses Jahres als CEO.

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