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Geldgespräch 
Ueli Mäder: «Ich denke mehr an Geld, als mir lieb ist»

Ueli Mäder: «Spenden ist ein Privileg.» Keystone

Der Basler Soziologe Ueli Mäder kennt die Reichen wie die Armen. Das Geld präge unsere 
Gesellschaft zu stark, sagt er.

Von Philipp Albrecht
am 25.07.2017

Ueli Mäder ist der bekannteste Soziologe im Land. Der emeritierte Professor kennt beide Enden des sozialen Spektrums und hat mehrere Bücher dazu geschrieben. Im Geldgespräch erklärt er, was ihm Geld bedeutet, wofür er es ausgibt und welche Fehler Neureiche mit ihrem Geld machen.

Wie haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Als Handlanger auf einer Baustelle und in der Eisenmöbelfabrik in Zunzgen BL. Dort leitete mich Paul Wagner an, der einzige Arbeiter im Nationalrat. Er stieg vom Hilfsarbeiter zum Maschinisten auf.

Was haben Sie mit dem Lohn gemacht?
Wir reisten als Handballjunioren an Turniere. Das brachte Unkosten mit sich.

Was bedeutet Ihnen Geld?
Geld hilft mir, unabhängiger und grosszügiger zu sein. Das schätze ich. Mich stört aber, wie sehr das Geld unsere Gesellschaft prägt. Auch ich denke mehr ans Geld, als mir lieb ist.

Haben Sie gerne Bargeld, oder würden Sie lieber alles 
mit Karte oder Handy zahlen?
Ich habe kein Handy und meistens Bargeld in der Hosentasche. Die Kreditkarte liegt in einer Schublade.

Investieren Sie Ihr Geld, oder geben Sie es gleich wieder aus?
Ich gebe das Geld aus. Die einzige Investition ist eine sanft renovierte Mühle im Jura. Dabei half eine Erbschaft, die unsere bescheidenen Eltern erspart hatten.

Wofür geben Sie am meisten aus?
Für Steuern, soziale Projekte und Bücher, die ich weitergebe.

Spenden Sie?
Ja. Spenden ist ein Privileg.

Wenn Sie plötzlich Milliardär wären, was würden Sie mit dem Geld machen?
Ich würde es innovativen Bewegungen geben, die den ­fairen Handel, die genossenschaftliche Selbsthilfe und den Frieden fördern. Und alter­nativen Medien, die gründlich recherchieren und sich für ­soziale Fragen interessieren.

Welche Fehler mit ihrem 
Geld machen Neureiche Ihrer Beobachtung nach?
Etliche Neureiche geben viel Geld für Prestigegüter für sich selber aus statt für nachhaltige Investitionen. Sie übersehen auch gerne, wie sehr sie von günstigen Umständen profitiert haben.

Stimmt das: Je mehr Geld, desto mehr Macht?
Ja, Geld ist potenzielle Macht und bringt sogar Anerkennung. Es gibt aber auch Leute, die wenig Geld und viel Macht haben. Dank guter Ausbildung, sozialen Netzwerken und cleveren Ideen. Aber viele Leute kommen mit Geld in hohe Positionen. Sie unterlaufen das oft gepriesene Leistungsprinzip.

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