Jim Acosta gab sich alle Mühe. Hochaufrecht stand der erfahrene CNN-Recke vor dem bald mächtigsten Mann der Welt, lange 30 Sekunden. Scharf hatte Donald Trump den US-Nachrichtensender CNN angegriffen, und Acosta wollte zurückfragen - übliche Praxis.

Stattdessen fing er sich gleich mehrere Blitze aus Trumps Olymp ein, und die hatten es in sich: «Ihre Organisation ist entsetzlich», der Reporter selbst «fake news» - eine Falschmeldung. Nein, er werde Acosta keine Frage gestatten.

«Die niedrigste Form des Daseins»

Die Gattung der Journalistinnen und Journalisten umriss Trump während seines Wahlkampfs einmal als «Die niedrigste Form des Daseins». «Für eine freie Presse und eine Kontrolle der Macht ist dies die dunkelste Zeit in der amerikanischen Geschichte seit dem ersten Weltkrieg», schreibt Jay Rosen von der New York University.

Extremer ökonomischer Druck, massiver Ansehensverlust, zu viel Entertainment und ein schlingernder Politikjournalismus sind nur einige seiner Argumente. Die Zersplitterung der Meinungen durch Soziale Medien und die Professionalisierung interessegeleiteter Kommunikation tun ein Übriges.

Trump Tweets nerven

Im Kern vieler Analysen steht die Frage, ob Trump ausserhalb sorgfältig konfektionierter 1:1-Interviews Medien überhaupt noch brauche. Sein Twitter-Account verschafft ihm ein stetes Millionenpublikum, auch wenn eine Umfrage nahelegt, dass er diese Botschaften als Präsident unterlassen möge: drei von vier Amerikanern sind davon genervt, darunter sogar 45 Prozent der Republikaner.

Trumps Team hat offengelassen, ob und wie es das tägliche Briefing des Weissen Hauses weiterhin geben wird, für Medien in Washington eine eminent wichtige Quelle.

Trump fordert Wahrheit

Jüngste Veröffentlichungen zu angeblich Trump belastendem Material in Russland wischten zunächst Trumps Vize Micke Pence und dann Sprecher Sean Spicer vom Tisch. Die US-Amerikaner seien diese Art gefälschter Nachrichten leid, sagte etwa Pence.

Später in der Medienkonferenz legte und trat Trump noch nach in Richtung der Website Buzzfeed, von der diese Informationen stammten: ein versagender Haufen Müll. Der künftige US-Präsident sprach in etwa so, wie er sonst twittert. Nicht wenige fragten sich danach, wie hilfreich Medienkonferenzen in solcher Form sein mögen.

Etwas bizarr an der aktuellen Situation ist, dass in Trump jemand Wahrheit und Klarheit für sich reklamiert, der seit Monaten wiederholt der Lüge überführt wurde. In Stephen Bannon, dem Ex-Chef der stramm konservativen Webseite Breitbart News, hat der Präsident einen versierten Chefstrategen an seiner Seite.

Mehr Berichterstattung

Nie haben Medien einen Kandidaten mehr auf den Faktencheck-Grill gelegt als Trump, und nie hat es weniger bewirkt. Dennoch: Die grossen US-Blätter wie «New York Times» und «Washington Post» stocken ihre Berichterstattung aus dem Weissen Haus erheblich auf. Sie begründen das damit, dass es nie wichtiger war, kenntnisreich und tief über eine Präsidentschaft und ihre Folgen zu berichten.

Manche stimmt es da hoffnungsvoll, dass die Abo-Zahlen einiger Publikationen steigen, dazu zählen «The New Yorker», «The Atlantic», «Mother Jones» oder «Vanity Fair». Dem Sendernetzwerk NPR hören mehr Menschen zu, Blogs und Plattformen wie ProPublica verzeichnen mehr Zuwendungen.

Zur Rechenschaft ziehen

Viele Medien haben ihre nicht immer hilfreiche Rolle im Wahlkampf kritisch analysiert, wollen es nun besser machen, mehr zuhören, rausgehen zu den Menschen, ausgetretene Pfade ebenso verlassen wie Filterblasen der sozialen Medien.

Die Bedeutung der Medien auch in einer Zukunft mit Donald Trump umschreibt Barack Obamas scheidender Sprecher Josh Earnest: «Unsere Demokratie ist so konstruiert, dass freie und unabhängige Medien diejenigen zur Rechenschaft ziehen, die an der Macht sind.»

(sda/ccr)

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