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Tito Tettamanti: Abgehakt

Von total 33 Investments machte Tito Tettamanti nur mit Vögele Verluste.

Die vom Tessiner Financier kontrollierte ­Sterling investiert erfolgreich. Nur Vögele ist ein Flop. Nun wird dieses Kapitel geschlossen.

Von Stefan Lüscher
19.02.2013

Mit geschätzten 800 bis 900 Millionen Franken gehört Tito Tettamanti zu den 300 Reichsten der Schweiz. Sein Vermögen hat er vor allem dank seines Spürsinns für ­erfolgreiche Investments erwirtschaftet. Etwa über die von ihm aufgebaute und mehrheitlich kontrollierte Sterling Strategic Value Limited. Die Investmentfirma konzentriert sich auf unterbewertete Aktien von kleinen bis mittelgrossen kotierten Firmen. Die damit erzielte Performance lässt Anlageprofis vor Neid erblassen. Seit der Gründung 1999 stellt sich die Rendite auf 410 Prozent. Die Benchmark DJ Stoxx Small 200 Index dagegen weist für dieselbe Periode eine Performance von 73 Prozent auf.

In 13 Jahren ist Tettamanti nur einmal schief gelegen. «Unter 33 Investments, die Sterling getätigt hat, ist Charles Vögele das einzige, bei dem wir Geld verloren haben», sagt der 82-Jährige. Wie viel abgeschrieben werden muss, bleibt Firmengeheimnis. «Es ist ein Verlust in Millionenhöhe», meint VR-Präsident Massimo Pedrazzini lediglich. Sterling hat auf dem Vögele-Abenteuer wohl gegen 30 Millionen Franken abgeschrieben.

Die Investmentgesellschaft ist beim Textilkonzern 2007 mit 2,8 Prozent eingestiegen; damals notierten die Aktien auf einem Höchst von 140 Franken. Das Paket wurde bis 2011 auf gut fünf Prozent aufgestockt, der Aktienkurs befand sich längst auf Talfahrt. Als Tettamanti in Pfäffikon SZ mit seinem Drängen auf eine Neuausrichtung ins Leere lief, wurde der Anteil laufend abgebaut. Dieser stellt sich auf inzwischen «wesentlich unter drei Prozent», so Pedrazzini. Die Minibeteiligung wird wohl bald auch noch liquidiert. «Für uns ist dieser Fall abgeschlossen – leider erfolglos.» Die Vögele-Aktien verkehren aktuell auf unter 20 Franken.

Sterling verfügt nach mehreren Kapitalrückzahlungen an die Aktionäre – dabei handelt es sich «eher um einen Club mit einer relativ kleinen Anzahl von Investoren» (Tettamanti) – über ein Anlagevolumen von 180 Millionen Euro. Etwa die Hälfte davon wird als Liquidität gehalten, und dies in Zeiten gut laufender Aktienmärkte. Doch Tito Tettamanti misstraut der Börsenparty: «Die Zentralbanken drucken massiv Papiergeld, nur deshalb steigen die Aktienkurse.» Und weil in den meisten Fällen die Wertpapiere zu hoch bewertet sind, wartet der Tessiner Financier auf bessere, für andere schlechtere Zeiten. 

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