Der Name des Präsidenten des FC Bayern München, Uli Hoeness, soll einem Bericht zufolge bereits auf einer im vergangenen Sommer vom Land Nordrhein-Westfalen erworbenen Steuer-CD aufgetaucht sein. Die Staatsanwaltschaft Bochum habe die Daten an die Kollegen in München weitergeleitet, berichtete das Magazin «Focus» am Sonntag vorab.

Dagegen erklärte die Staatsanwaltschaft München, erst im Januar von der Selbstanzeige «Hoeness» unterrichtet worden zu sein.

Der «Focus» berichtet in seiner neuen Ausgabe, die Staatsanwaltschaft München II habe schon zuvor über die vorliegenden Daten im Fall Hoeness Kenntnis gehabt. Ein Ermittlungsverfahren habe die Münchener Behörde aber erst nach dessen Selbstanzeige rund ein halbes Jahr später eröffnet.

Telefon abgehört

Demnach untersuchte die Staatsanwaltschaft München am 20. März neben dem Haus des FC-Bayern-Präsidenten am Tegernsee auch drei Stunden lang sein Büro in der Zentrale des Fussballklubs. Zudem hätten die Fahnder die Telefone von Hoeness abgehört.

Hoeness soll Vermögenswerte in der Schweiz nicht ordnungsgemäss versteuert haben. Um einer Strafe zu entgehen, erstattete er Selbstanzeige.

Die Staatsanwaltschaft München II erklärte am Sonntagabend: «Es trifft nicht zu, dass die Staatsanwaltschaften in München im Sommer 2012 eine Steuer-CD mit den Daten von Herrn Hoeness erhalten haben.» Weiter heisst es in der Erklärung: «Die Staatsanwaltschaft München II wurde erst im Januar 2013 von der Selbstanzeige ‹Hoeness› unterrichtet.»

Hoeness von  Vontobel-Mitarbeiter gewarnt?

Das Nachrichtenmagazin «Spiegel» berichtet derweil, Hoeness hab seine Selbstanzeige Anfang dieses Jahres in nur wenigen Tagen von seinem Steuerberater erstellen lassen. Demnach soll Hoeness bereits vor Weihnachten die Absicht gehabt haben, die bayerischen Finanzbehörden über die Existenz seines Kontos mit der Nummer 4028BEA bei der Zürcher Bank Vontobel in Kenntnis zu setzen.

Dazu sei es wegen der nahenden Feiertage und des sich anschliessenden Urlaubs seines Steuerberaters aber nicht gekommen. Anfang Januar schliesslich habe Hoeness einen Anruf eines Vontobel-Mitarbeiters erhalten, der ihn informierte, dass ein Reporter des «Stern» nach einem Prominenten aus dem Sportbereich recherchiere: «Da stellt einer blöde Fragen, nur dass Sie es wissen.»

Laut «Spiegel» soll Hoeness daraufhin die Fassung verloren haben. Danach habe sein Steuerberater schnell eine Selbstanzeige basteln müssen.

Verfahren auch gegen Rumenigge?

Auch gegen den Vorstandsvorsitzenden des FC Bayern München, Karl-Heinz Rummenigge, läuft einem «Focus»-Bericht zufolge ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit einer Zollkontrolle.

Bei einer Kontrolle am 7. Februar seien bei Rummenigge nach der Rückkehr aus dem Emirat Katar auf dem Münchener Flughafen im Handgepäck zwei wertvolle Uhren gefunden worden, berichtete das Magazin. Rummenigge habe angegeben, es handle sich um gebrauchte Uhren, die ihm ein Freund in Katar geschenkt habe.

Das Hauptzollamt Augsburg führt dem Bericht zufolge ein Ermittlungsverfahren wegen des Vorwurfs, Rummenigge habe die vorgeschriebene Umsatzsteuer von 19 Prozent bei der Einreise nicht entrichtet. Die zuständige Staatsanwaltschaft Landshut wollte laut «Focus» keine Angaben zu einem Verfahren machen. Auch Rummenigge wollte sich demnach nicht zu dem Vorfall äussern.

(tno/sda)

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